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Gefahr droht von Loch 3

Die Schweizer Botschafterin in Venezuela hat Ärger mit ihren Nachbarn. Per Transparent warnt sie, verirrte Golfbälle verletzten internationale Konventionen und gefährdeten Schweizer Territorium.

Das Plakat bei der Botschafterresidenz in Caracas.
Das Plakat bei der Botschafterresidenz in Caracas.
Reuters

Venezuelas Metropole Caracas gilt als die gefährlichste Stadt Südamerikas. Im Wissen, dass alle halbe Stunde ein Mensch ermordet wird, leben die meisten Bürger in ständiger Angst. Von diesem Gemütszustand ist nun offenbar auch die Schweizer Botschafterin Sabine Ulmann ergriffen worden, denn am Mittwoch fand sich am Zaun ihres Wohnhauses ein gedrucktes Transparent mit folgendem Text:

«Sehr geehrte Golfer! Gemäss der Wiener Konvention über diplomatische Beziehungen ist diese Residenz Schweizer Territorium. Das Abschiessen von Bällen auf diese Residenz bedeutet eine Gefahr für jede Person, die sich auf Schweizer Territorium befindet, und es ist ein Verstoss gegen die Wiener Konvention. Sollte ein Golfball jemanden auf Schweizer Boden verletzen oder töten, wird sich der Spieler beziehungsweise der Caracas Country Club verantworten müssen.» Zur Verdeutlichung wurden Worte wie «Territorio Suizo» und «Peligro» in demselben Rot eingefärbt, das auch die oben links abgebildete Schweizer Fahne trägt.

Relikt aus goldener Zeit

Zur Vorgeschichte dieses Manifests gibt es wenig Aufklärendes, denn die Botschafterin Ulmann war für den Redaktion Tamedia am Tag nach dessen Präsentation nicht zu erreichen. Auch gegenüber der lokalen Presse wollte sie nicht erwähnen, wie viele der grosskalibrigen Projektile vom «Loch 3» schon den Schweizer Luftraum verletzten oder gar in eidgenössischer Erde einschlugen.

Sicher ist: Der Zaun, an dem die Rechtsbelehrung mittels Plastikbindern festgezurrt wurde, separiert die Residenz vom Caracas Country Club. In potenziell fataler Nähe des Schweizer Territoriums befindet sich das dritte der achtzehn Löcher des grössten Golfplatzes des ganzen Landes. Klar ist: Die Botschafterin hat sich mächtige Gegner ausgesucht.

Inmitten der grauen und rauen Metropole Caracas ist der bereits 1918 vom US-Amerikaner William H. Phelps angelegte Club eine grüne Oase und ein Relikt aus der Zeit, als Venezuelas Zukunft noch golden glänzte. Der Verein, gelegen im Osten der Stadt auf einer Anhöhe unterhalb des immergrünen Monte Ávila, gab dem umliegenden Villenviertel den Namen. Hier residieren die Statthalter vieler wohlhabender Staaten, in Nachbarschaft zu reichen und superreichen Einheimischen.

Alter Golfplatz, neue Elite

Die Sozialstruktur der Clubmitglieder erregte den Furor des Comandante Hugo Chávez, der nach seiner Amtsübernahme 1999 immer wieder damit drohte, die Fläche beschlagnahmen und mit Sozialbauten bestücken zu lassen. Wäre das passiert, hätte die Schweiz wohl längst ein anderes Domizil bezogen, denn Sozialbauviertel sind keine bequeme Nachbarschaft. Dass der Country Club immer noch gediegen grünt, liegt an der Mutation der Machteliten. Heute zählen viele Chavistas zu den Clubmitgliedern, die Rohstoffbonanza hat aus den Reihen der Staatsmacht jene neue venezolanische Elite genährt, die vom Volksmund «Boliburguesia» genannt wird.

Kurz nachdem das Foto des fraglichen Transparents durch die sozialen Netze geisterte, reagierte «erstaunt» Venezuelas Golfverband FVG: «Als sich die Schweizer Regierung entschloss, in diesem Gebäude die Residenz des Botschafters unterzubringen, geschah das in dem Wissen, dass die Immobilie direkt an den Golfplatz grenzt», so das Communiqué des FVG. Die zitierte Wiener Konvention beinhalte zudem keinerlei Passus über etwaige Sportunfälle. Selbst nicht im Falle «bedauerlich schlechten Zielens».

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