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Geiselnehmer wandte sich per Facebook an Freunde

Er brachte einen Geschäftsmann mit Hammer und Küchenmesser in seine Gewalt und schrieb dann verzweifelte Nachrichten auf Facebook: Ein Ex-Soldat erreichte mit dieser Aktion in den USA viel Aufmerksamkeit.

Die Facebook-Seite des Täters wurde abgeschaltet: Polizeiautos vor dem Geschäftsgebäude, in dem der Ex-Soldat seine Geisel gefangen hielt. (21. September 2012)
Die Facebook-Seite des Täters wurde abgeschaltet: Polizeiautos vor dem Geschäftsgebäude, in dem der Ex-Soldat seine Geisel gefangen hielt. (21. September 2012)
Keystone

Zwei Jahre lang hatte der ehemalige US-Soldat Klein Michael Thaxton nicht mehr seine eigene Facebook-Seite besucht. Dann nahm der 22-jährige gestern in einem Pittsburgher Bürohochhaus einen Geschäftsmann als Geisel und schrieb an seine Facebook-Freunde: «Das Leben, das ich lebe, will ich nicht mehr. Ich habe alles verloren, und ich werde nichts zurückbekommen.» Sieben Botschaften postete Thaxton, viele davon voller Verzweiflung. Nach mehr als fünf Stunden gab er auf.

Thaxton war mit einem Hammer und einem Küchenmesser bewaffnet. In dem Geiseldrama antworteten 700 Internetnutzer auf seine Botschaften, darunter Freunde, die ihm gut zuredeten, aber auch Fremde, von denen einige, wie Polizeichef Nathan Harper sagte, «völlig geschmacklos» reagierten. Das soziale Netzwerk schaltete Tharpers Facebook-Seite auf Antrag der Polizei schliesslich ab.

Vorsichtiges Vorgehen gefordert

Kriminologen äusserten Verständnis für das Vorgehen der Polizei. Früher, vor den sozialen Netzwerken, sei bei einer Geiselnahme als erstes die Telefon- oder Handynummer des Täters geändert worden, damit die Verhandlungen von Polizeiexperten und Psychologen nicht von Aussenstehenden gestört werden, erklärte die frühere FBI-Profilerin Mary Ellen O'Toole. «Man muss wirklich vorsichtig sein. Schon eine Kleinigkeit kann so jemanden noch unberechenbarer, noch irrationaler werden lassen», sagte sie. Negative Postings «könnten ihn wirklich dazu bringen, schreckliche Irrwege zu gehen».

Ermittler kamen nach dem glücklichen Ende der Geiselnahme zu dem Ergebnis, dass Thaxton den 58-jährigen Geschäftsmann als Geisel auswählte, weil er durch die Glastür von dessen Büro iPhone, Computer und Fernseher sehen konnte. Thaxton sei sich so sicher gewesen, auf sich aufmerksam machen zu können, sagte Harper.

Warum der Geiselnehmer so vorging, konnte Harper noch nicht sagen. «Wir werden es Psychiatern überlassen, das herauszufinden, und dem Mann Hilfe zukommen lassen.» Der Geschäftsmann habe nach der Geiselnahme seine Familie getroffen und sei «etwas erschüttert», sagte eine Polizeisprecherin.

(dapd)

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