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Gibt es nun ein «Jahr ohne Sommer»?

Vermiest uns der Vulkan Eyjafjallajökull den Sommer, verhindert er das Sonnenbad und sorgt er für Missernten? Dies gab es 1815 bereits einmal. Ein Experte nimmt Stellung.

Kann durch einen Vulkan ausgelöst werden: Schlechtes Wetter im Sommer.
Kann durch einen Vulkan ausgelöst werden: Schlechtes Wetter im Sommer.
Keystone

Eine Studie von Berner Wissenschaftlern von 2007 zeigt: Es wurde stets im zweiten Sommer nach einer Eruption kühler. In Nord- und Nordosteuropa sank die durchschnittliche Jahrestemperatur um mehr als ein Grad Celsius. Am ausgeprägtesten war diese sommerliche Kälteanomalie im sogenannten «Jahr ohne Sommer», 1816, nach dem Tambora-Ausbruch in Indonesien, der grössten Vulkaneruption der letzten 500 Jahre. In der Schweiz waren die Sommertemperaturen in Basel und Genf etwa drei Grad zu kalt. Es gab mehrmals sommerlichen Schneefall bis in tiefere Lagen, was zu grossen Ernteausfällen führte. Ganz Europa kämpfte mit diesem Phänomen, genauso wie die USA.

Wird nun der isländische Vulkan erneut das Klima verändern? Der deutsche Vulkanologe Hans-Ulrich Schmincke sagt im «Echo der Zeit»: «Das ist sehr unwahrscheinlich. Ich vermute, dass sich die Aschewolken in der Troposphäre befinden, also der untersten Schicht. Die Eruptionen sind zu klein. Zudem ist das Magma auf Island nicht sehr schwefelreich. Und Schwefel ist stets der Hauptfaktor für die Klimabeeinflussung.»

«Es kann richtig gefährlich werden in Island»

Schmincke berichtet weiter, dass er den Vulkan Eyjafjallajökull bisher nicht gekannt hat. Dieser sei «ganz jung». Bekannt sei jedoch der in der Nähe gelegene Katla-Vulkan. Es wird befürchtet, dass dieser nun geweckt werden könnte. Schmincke: «Der Katla-Vulkan ist gefährlich.» Warum nun der junge, unbekannte Vulkan ausgebrochen sei, wird der Experte gefragt. Dieser antwortet: «Weil der Gott der Vulkane die Isländer auf die ganz grosse Eruption vorbereiten will, die eines Tages kommt. Es kann richtig gefährlich werden in Island. Und davor haben die Menschen Angst.»

Schmincke erklärt auch, dass es sich bei der aktuellen «Asche» gar nicht um Asche handelt. «Das hat mit normaler Asche gar nichts zu tun.» Das seien Glasteilchen, die entstehen, wenn das heisse Magna abkühlt. Es entstünden kleine Teilchen unter zwei Millimetern und das nenne man dann Glas.

Keine Flüge bis Samstagmittag

Wie lange wird die «Asche» Europas Flugzeuge noch am Boden halten? Aus Deutschland wird gemeldet, dass die Beschränkungen im Luftverkehr im Norden des Landes wegen der Aschewolke aus Island noch bis voraussichtlich am Freitag um 20 Uhr andauern. Laut der europäischen Flugsicherung Eurocontrol wird es auf den Flughäfen in England bis mindestens Samstagmorgen keine Starts und Landungen geben. Auch der dänische Luftraum soll bis Samstag 14 Uhr gesperrt bleiben.

Der norwegische Flughafenbetreiber Avinor kündigte unterdessen an, dass der Flugbetrieb im Norden des Landes um 9 Uhr wiederaufgenommen wurde. Auch Schweden will seinen Luftraum am Freitag teilweise wieder öffnen.

Noch zwei oder mehr Tage aktiv

Der Vulkan selber ist weiter aktiv und spuckt unverändert Asche aus. Experten gehen jedoch davon aus, dass sich die Aktivität des unter dem Ejfjalla-Gletscher liegenden Vulkans in den kommenden Tagen abschwächen werden. Allerdings werde die riesige Aschewolke weiter über Europa hinwegziehen, ergänzte der Sprecher des Umweltministeriums, Gudmundur Gundmundsson, am Freitag. «Der Ausbruch dauert an, und wir erwarten keine Änderung des Asche-Ausstosses.»

Der Vulkanexperte Armann Hoskuldsson von der isländischen Universität äusserte die Erwartung, dass der Vulkan noch zwei oder mehr Tage aktiv sein wird. Dann werde sich der Ausstoss von Magma abschwächen. Ein anderer Wissenschaftler sagte, die Hitze habe das Eis des Gletschers zu einem Drittel geschmolzen. Ein in der Nähe gelegener Fluss sei deshalb über die Ufer getreten.

Der feuerspeiende Berg liegt unter Islands fünftgrösstem Gletscher, der normalerweise ein beliebtes Wandergebiet ist. Der Vulkan ist seit Beginn der Besiedlung der Atlantikinsel im neunten Jahrhundert fünfmal aktiv geworden.

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