Glorreiche Vergangenheit im Untergrund

Rom feiert die Entdeckung des fast 2000-jährigen Privathauses von Kaiser Trajan.

Trajan-Büste in der grossen Ausstellung zum Todestag. Foto: Keystone

Trajan-Büste in der grossen Ausstellung zum Todestag. Foto: Keystone

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Rom kann prächtig sein, auch unter seinen Kanaldeckeln. Unlängst fuhr ein Team von Höhlenforschern und Kunsthistorikern mit Kameras und Drohnen zur Piazza del Tempio di Diana, einem Parkplatz auf dem Aventin. Sie hoben den Dolendeckel hoch und stiegen hinab in die Tiefe. Es ist wahrscheinlich, dass sie aufgeregt waren. Jetzt wurden ihre Entdeckungen durch ein Video publik, und ganz Rom ist elektrisiert.

Zehn Meter unter dem Parkplatz, zugänglich nur über den schmalen Schacht und nur mit Bewilligung des Superintendanten für die Kulturgüter der Stadt, befindet sich das Privathaus Kaiser Trajans aus dem ersten Jahrhundert nach Christus. Es sind fünf hohe Räume mit Kreuzgewölben und bunten Fresken von Vögeln und Stillleben – fast vollkommen erhalten. Beinahe so, als wäre Trajan gestern ausgezogen. Ein Teil der Räume wurde vor 100 Jahren schon mal ein wenig restauriert und dann wieder vergessen: Deckel drauf. Jetzt tauchen sie als Sensation wieder auf, in alter Glorie.

Die Römer schwelgen gerne in verflossenem Ruhm. Und es schwingt ein bisschen Wehmut mit, wenn sie die Grösse der Antike an den relativen Niederungen der Neuzeit messen, am Chaos ihres Alltags, an der dürftigen Regierung der Stadt. Nun gedenkt Rom des 1900. Todestags Trajans. Er war ein Star der Antike, an der Macht von 98 bis 117. Und so wird seiner mit spezieller Hingabe gedacht – unter anderem mit einer grossen Ausstellung in seinen Märkten, den Mercati di Traiano. Das Plakat zur Ausstellung ist in poppigen Farben einem Bild von Andy Warhol nachempfunden.

Er war ein Provinzler

Trajan galt als brillanter und offenbar auch gerechter Herrscher, als grosser Bau- und Feldherr. Nie war das Römische Reich ausgedehnter und geeinter als unter ihm. «Er unterwarf seine Eroberungen nicht», sagt Claudio Parisi Presicce, Roms Kulturintendant, «er bezog sie ein.» Er baute auch mehr als seine Vorgänger, Nützliches und Dekoratives. Schön soll er auch gewesen sein, gross und stark, mit dichtem Haar. Reden konnte er auch.

Der Römische Senat erfand für ihn den Titel «Optimus Princeps»: der beste Kaiser. Und das war auch deshalb erstaunlich, weil er ein Fremder war, der erste Kaiser aus der Provinz. Marcus Ulpius Nerva Traianus kam in Italica zur Welt, einer Stadt im heutigen Andalusien. Seine Herkunft prädestinierte ihn nicht zu höheren Weihen. Doch er arbeitete sich hoch, ging die richtigen Allianzen ein. Plinius der Jüngere schrieb über Trajan: «Es gelang ihm, wieder Freude unter die ­Römer zu bringen.» Viel mehr geht nicht.

An all das erinnert man sich nun wieder, kurz vor den italienischen Parlamentswahlen. Beste Prinzen sind da nicht in Sicht für die Wähler. Stattdessen feiert der 81-jährige Silvio Berlusconi sein Comeback, dem sogar sein bescheidener Titel «Cavaliere» aberkannt wurde.

Eintauchen in die vergangene Glorie können die Italiener auch nicht. Trajans Privatgemächer sind nicht besuchsreif. Es fehlt – wie so oft – am Geld.

Erstellt: 06.12.2017, 21:41 Uhr

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