Was Bitsch (VS) zum Pornhub-Angebot sagt

Die grösste Sex-Site der Welt will die Einwohner von Orten mit zweideutigen Namen mit Gratis-Abos beschenken. So auch ein streng katholisches Walliser Dorf.

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Das Pornoportal Pornhub will Einwohner von Orten mit zweideutigem Namen für Jahre des Spotts entschädigen. Ihre Gemeinde Bitsch gehört dazu. Wie finden Sie das?
Vonseiten von Pornhub ist das natürlich ein super Marketing-Gag. Wir von der Gemeinde Bitsch fühlen uns insofern aber nicht unbedingt diskriminiert. In unserem Sprachgebrauch wird dieses Schimpfwort nämlich nicht wirklich benutzt. Der Marketing-Gag ist gelungen. So viele Anrufe und E-Mails wie heute hatte ich noch nie. Das ist ein absolutes Novum.

Wurden Sie von Pornhub bereits kontaktiert?
Nein, wir haben von ihrer Seite noch nichts gehört.

Sind Ihnen Zwischenfälle mit dem Ortsschild oder Diebstähle des Ortsschilds von Bitsch bekannt?
In den letzten Jahren ist es schon öfters vorgekommen, dass das Ortsschild entwendet wurde. Auch aus diesem Grund ist das Ortsschild mittlerweile nicht mehr nur angeschraubt, sondern angeschweisst. Somit ist es nun schwieriger, dieses zu stehlen. Wir haben auch öfters beobachtet, dass junge Leute vor dem Ortsschild posieren und fotografieren, aber das finden wir eher lustig.

Wer sind die «Täter»?
Wir vermuten, dass es sich bei den Dieben eher um Touristen aus dem Ausland handelt, die das Wort «Bitch» in ihrem Sprachgebrauch als Schimpf- oder Fluchwort aktiv benutzen.

«Dumme Sprüche haben wir schon vor dieser PR-Aktion gehört.»

Als Entschädigung sollen alle Einwohner einen Gratiszugang zum kostenpflichtigen Angebot erhalten. Finden Sie die Entschädigung angemessen?
Wie bereits gesagt, empfinden wir es nicht als schlecht, dass unsere Ortschaft Bitsch heisst. Wir würden die Gratisnutzung der Seite aber nicht auf unserer Homepage platzieren. Falls Pornhub dies machen möchte, habe ich damit kein Problem. Diese Entscheidung muss jeder für sich treffen.

Glauben Sie, dass das Angebot in Ihrer Gemeinde gut ankommen wird?
Von Einwohnern der Gemeinde habe ich einige wenige E-Mails und Nachrichten erhalten, dass sie den Artikel gelesen haben. Auch von Freunden habe ich Nachrichten bekommen. Und dumme Sprüche hörten wir schon vor dieser PR-Aktion. Wir nehmen dies aber sportlich und mit einem Lächeln. Zudem ist es nicht das erste Mal, dass wir mit Bitsch in den Medien sind. Auf die Liste mit den kuriosesten Ortsnamen sind wir auch schon gelandet.

Haben Sie einen Namenswechsel schon mal in Betracht gezogen?
Nein, absolut nicht. Da der Ausdruck «Bitch» im Walliser Dialekt selten benutzt wird, kam die Frage gar nie auf. Das war nie ein Thema.

Wissen Sie etymologisch, woher der Name stammt?
Leider nicht. Es sind schon mehrere Personen dieser Frage nachgegangen. Leider ist bisher niemand fündig geworden.

Was sagt der Pfarrer dazu?
Bisher hat niemand aus dem kirchlichen Umfeld reagiert. Ich selbst bin auch Mitglied im Kirchenrat und bin mit dem Pfarrer eng verbunden, habe von ihm aber bisher auch noch nichts gehört. Ich bin aber davon überzeugt, dass der Pfarrer es vielleicht nicht locker, aber zumindest sportlich nehmen wird.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.03.2018, 14:52 Uhr

Edgar Kuonen

Edgar Kuonen ist Gemeindepräsident der Gemeinde Bitsch. Die kleine Walliser Gemeinde zählt rund 1000 Einwohner. (Bild: PD)

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