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«Grösseres Ausmass als beim Jahrhunderthochwasser»

Die Regenfälle vom Montag sorgten in der Schweiz für viel Zerstörung. Besonders hart traf es das Berner Oberland. Ein gesamtes Tal wurde verwüstet und von der Aussenwelt abgeschnitten.

Das Wasser hat die Landschaft umgestaltet: Sicht in das Gasterntal oberhalb Kanderstags (11. Oktober 2011)
Das Wasser hat die Landschaft umgestaltet: Sicht in das Gasterntal oberhalb Kanderstags (11. Oktober 2011)
Keystone
Die starken Regenfälle haben zur Überschwemmung der Kander geführt: Grosse Schäden in Mitholz BE an der Strasse zwischen Frutigen und Kandersteg. (11. Oktober 2011)
Die starken Regenfälle haben zur Überschwemmung der Kander geführt: Grosse Schäden in Mitholz BE an der Strasse zwischen Frutigen und Kandersteg. (11. Oktober 2011)
Keystone
An der Kander entsprechen die Mengen aber einem alle 100 Jahre einmal vorkommenden Ereignis.
An der Kander entsprechen die Mengen aber einem alle 100 Jahre einmal vorkommenden Ereignis.
zvg, Leserreporter
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Eine Kombination von viel Regen und Schneeschmelze aufgrund höherer Temperaturen hat heute in gewissen Tälern des Berner Oberlands für Verhältnisse wie beim Jahrhunderthochwasser von 2005 gesorgt. Mindestens: «Das Ausmass ist grösser als damals», sagt Martin Allenbach, Feuerwehrkommandant im bernischen Frutigen, gegenüber dem Schweizer Fernsehen. Zahlreiche Verkehrswege waren längere Zeit gesperrt.

Im Bahnverkehr waren am Montag gegen Abend noch die Strecken zwischen Zweilütschinen und Lauterbrunnen sowie zwischen Frutigen und Kandersteg blockiert, wie die Berner Oberland-Bahnen und die SBB bekanntgaben. Die Strecke Frutigen-Kandersteg bleibt demnach mindestens den ganzen Dienstag gesperrt.

Die Strecke zwischen Zweilütschinen und Lauterbrunnen wird etwa zehn Tage lang gesperrt bleiben. Sobald die Strasse wieder offen ist, verkehren Ersatzbusse.

Strasse Richtung Lauterbrunnen gesperr

Offen waren hingegen nach längeren Unterbrüchen wieder die Bahnstrecken St. Stephan-Lenk und Interlaken-Grindelwald. Die Zugverbindung zwischen Brienz und Meiringen war am Abend wieder unterbrochen.

Auf der Strasse war am Montagabend ausser in Richtung Lauterbrunnen auch in Richtung Kandersteg kein Durchkommen: Die Kander floss durch den Lawinenschutztunnel Mitholz. Dies betraf auch die Zufahrt zum Autoverlad durch den Lötschberg, der eingestellt wurde.

Die Grimselpassstasse zwischen Boden und Guttannen wurde nach neuen Murgängen im berühmt-berüchtigten Spreitgraben zwischen 17 und 19 Uhr geöffnet, danach sicherheitshalber wieder geschlossen.

Wieder offen waren nach längeren Unterbrüchen die Strassen nach Grindelwald und zwischen Brienz und Meiringen.

Gasterntal schwer getroffen

Berichte zu verletzten Personen lagen bis zum Abend keine vor. Doch berichtet die Kantonspolizei von zahlreichen Meldungen über überflutete Keller.

Und im Gasterntal oberhalb von Kandersteg wurden zwei Drittel der Infrastruktur beschädigt, wie laut Ariane Nottaris vom Regierungsstatthalteramt Frutigen-Niedersimmental ein Rekognoszierungsflug per Heli ergeben hat. Auch wurden alle Bewohner dieses kleinen Tals evakuiert.

Die Ortschaft Mitholz traf es ebenfalls schwer: Wegen des Wassers, das durch den Strassentunnel nach unten floss, begannen die Behörden am Montagabend mit der Evakuation der Bewohner.

Insgesamt evakuierten die Rega und ihre Partner im Überschwemmungsgebiet im Berner Oberland am Nachmittag und Abend rund 50 vom Hochwasser bedrohte Personen. Teilweise wurden diese direkt mit der Rettungswinde von den Balkonen der oberen Stockwerke in Sicherheit gebracht, wie die Rega mitteilte.

Rettungsspezialisten des Schweizer Alpen-Clubs, der Feuerwehr und der Polizei unterstützten die Rega-Crews bei ihren Einsätzen. Die Rega hielt sich für allfällige weitere Flüge im Verlauf der Nacht auf Dienstag bereit.

Millionenschäden

Laut SF Meteo fielen in Adelboden innerhalb von etwas mehr als zwölf Stunden rund 60 Millimeter Regen, auf der Grimsel sogar 70 Millimeter. Weil die höheren Temperaturen den Schnee schmelzen liessen, «lief das Fass über», wie SF Meteo schrieb.

Die Messstellen des Bundesamts für Umwelt (Bafu) registrierten an der Kander und der Weissen Lütschine Wassermassen, wie sie durchschnittlich nur alle hundert Jahre vorkommen.

Der Regierungsstatthalter der besonderst betroffenen Region Frutigen-Niedersimmental, Christian Rubin, sagte in der Sendung «10vor10», die Schäden gingen sicher in die Millionen.

Gefahrenstufe 3 entlang Aare

Im Verlauf des Montagnachmittags und -abends flossen die Wassermassen aus dem Oberland in Richtung Mittelland ab. Das Bafu gab am Nachmittag eine Hochwasserwarnung der Stufe 3 für die Gebiete entlang dem Thunersee und der Aare bis zur Grenze der Kantone Bern und Freiburg heraus.

Diese Gefahrenstufe bedeutet «erhebliche Hochwassergefahr». Flüsse und Seen können bei dieser Gefahrenstufe an einzelnen Stellen über die Ufer treten, und der Aufenthalt entlang des Flusses ist sehr gefährlich. Bewohner der ufernahen Gebiete sollten Autos in Sicherheit bringen und Häuser vorsorglich gegen Hochwasser schützen.

Auch die Feuerwehr der Stadt Bern teilte am Montag gegen Abend mit, einzelne Uferwege würden gesperrt. Sie rechne mit einem Aarepegel nahe der Schadengrenze.

SDA/js

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