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«Gutmensch» ist das Unwort des Jahres

Das Engagement für Flüchtlinge wird mit dem Wort «Gutmensch» diffamiert, findet eine Jury in Deutschland. Ihre Kritik richtet sich aber nicht nur gegen Rechtspopulisten.

dia
Zahlreiche Vorschläge wurden eingereicht: Eine Abbildung des gekürtes Unworts bei der Bekanntgabe in Darmstadt. (12. Januar 2016)
Zahlreiche Vorschläge wurden eingereicht: Eine Abbildung des gekürtes Unworts bei der Bekanntgabe in Darmstadt. (12. Januar 2016)
Frank Rumpenhorst, Keystone

Der im Zusammenhang mit der Flüchtlingsdiskussion verwendete Begriff «Gutmensch» ist zum Unwort des Jahres 2015 gewählt worden. Das teilte die Jury der sogenannten Sprachkritischen Aktion am Dienstag in Darmstadt mit. Mit dem Begriff werde das Engagement für Flüchtlinge pauschal diffamiert.

Als «Gutmenschen» wurden im vergangenen Jahr insbesondere diejenigen beschimpft, die sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagieren oder sich gegen Angriffe auf Flüchtlingsheime stellen, wie die Jury erklärte. Mit dem Vorwurf «Gutmensch» würden ebenso wie mit den Begriffen «Gutbürger» oder «Gutmenschentum» Toleranz und Hilfsbereitschaft «pauschal als naiv, dumm und weltfremd, als Helfersyndrom oder moralischer Imperialismus diffamiert».

Fünfköpfige Jury

Der Ausdruck «Gutmensch» floriert den Sprachexperten zufolge nicht mehr nur im rechtspopulistischen Lager als «Kampfbegriff», sondern werde auch von Journalisten in Leitmedien als Pauschalkritik an einem «Konformismus des Guten» benutzt. Die Verwendung des Ausdrucks verhindert nach Auffassung der Jury somit einen demokratischen Austausch von Sachargumenten.

Die Jury der Sprachkritischen Aktion besteht aus vier Sprachwissenschaftlern verschiedener Universitäten und einem Journalisten. In diesem Jahr wurde sie durch den Kabarettisten Georg Schramm ergänzt.

Die Mitglieder wählen aus Vorschlägen aus, die ihnen zugeschickt werden. Im vergangenen Jahr war das von Anhängern der fremdenfeindlichen Pegida-Demonstrationen verwendete Schmähwort «Lügenpresse» zum Unwort des Jahres gewählt worden.

(AFP)

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