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Haftbefehl gegen Sewol-Kapitän beantragt

Die vor Südkorea gekenterte Fähre befindet sich nun vollständig unter Wasser. Taucher suchen im Rumpf des Wracks nach Überlebenden. Wie inzwischen bekannt wurde, steuerte die dritte Offizierin das Schiff.

Die Angehörigen der Opfer wollten sie nicht empfangen: Präsidentin Park Geun Hye (2. v.l.) zeigt aufs der Insel Jindo Meer in Richtung der gesunkenen Fähre Sewol. (16. April 2015)
Die Angehörigen der Opfer wollten sie nicht empfangen: Präsidentin Park Geun Hye (2. v.l.) zeigt aufs der Insel Jindo Meer in Richtung der gesunkenen Fähre Sewol. (16. April 2015)
Lee Jeong-ryong/Yonhap, Keystone
Wut und Trauer: Angehörige gedenken der Opfer am Ort, wo die Sewol sank. (15. April 2015)
Wut und Trauer: Angehörige gedenken der Opfer am Ort, wo die Sewol sank. (15. April 2015)
Jeon Heon-Kyun/Pool, Keystone
Das südkoreanische Passagierschiff Sewol ist gesunken. (Archivbild)
Das südkoreanische Passagierschiff Sewol ist gesunken. (Archivbild)
Keystone
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Die Staatsanwaltschaft in Südkorea hat nach dem Untergang der Fähre Sewol einen Haftbefehl gegen den Kapitän beantragt. Auch gegen zwei weitere Crewmitglieder seien Haftbefehle beantragt worden, berichtete die nationale Nachrichtenagentur Yonhap.

Den Ermittlern zufolge wurde die Fähre zum Unglückszeitpunkt von der 26-jährigen dritten Offizierin gesteuert. Wo sich der Kapitän aufhielt, ist offen. Dem Kapitän wird vorgeworfen, das sinkende Schiff als einer der Ersten verlassen zu haben. Die Fähre war am Mittwoch vor der Südwestküste Südkoreas gesunken.

Ladung verrutscht?

Kapitän Lee Joon-seok habe sich zu diesem Zeitpunkt «hinten» im Schiff befunden, sagte der Ermittler, ohne weitere Erklärungen zu geben. Die Ursache des Unglücks war noch unklar. Aussagen von Besatzungsmitgliedern liessen vermuten, dass eine plötzliche Kursänderung, wodurch die Ladung – darunter mehr als 150 Autos – verrutschte und das Schiff zum Kentern brachte, vor der Insel Jindo zu der Katastrophe geführt haben könnte.

Möglich ist auch, dass die Auto- und Personenfähre auf einen Felsen auflief. Überlebende hatten von einem grossen Knall vor dem Sinken des Schiffes gesprochen.

Taucher in Wrack eingedrungen

Am Wrack der südkoreanischen Fähre Sewol suchten die Rettungsmannschaften weiter fieberhaft nach Überlebenden unter den vermissten Insassen. 270 Passagiere gelten weiter als vermisst. Zwei Tage nach dem Untergang gelang es Tauchern erstmals, bis ins Innere des Wracks vorzudringen.

Es sei damit begonnen worden, Luft ins Innere der Fähre zu pumpen, berichtete der südkoreanische Rundfunksender KBS unter Berufung auf einen Krisenstab der Regierung. Vor allem Angehörige der vermissten Passagiere hoffen nach wie vor, dass Überlebende gefunden werden können.

270 Vermisste

Es wird befürchtet, dass im Rumpf der mehrstöckigen Fähre ein Grossteil der über 470 Insassen eingeschlossen wurde. Mehr als 300 Passagiere waren Schüler auf einem Ausflug. Bisher wurden nach offiziellen Angaben 26 Leichen aus dem Wasser um das am Mittwoch vor der Südwestküste gekenterte Schiff gezogen. Fast 180 Insassen konnten gerettet werden, 270 Menschen gelten als vermisst.

Einige der Passagiere könnten Experten zufolge den Untergang zunächst in einer Luftblase überlebt haben. Allerdings sei es angesichts der niedrigen Wassertemperatur und des schwindenden Sauerstoffs schwierig, darin mehr als zwei Tage zu überleben.

Schwere Vorwürfe

Familien von vermissten Insassen richteten unterdessen schwere Vorwürfe gegen die Regierung. In einer Erklärung warfen sie ihr vor, nicht genug für die Rettung von möglichen Überlebenden zu tun.

«Unsere Kinder schreien im eiskalten Wasser nach Hilfe, bitte helft ihnen», hiess es laut der nationalen Nachrichtenagentur Yonhap in einer Erklärung der Familien. Viele Angehörige befinden sich in der Nähe der Unglücksstelle auf der Insel Jindo.

Seit Mittwoch standen mehr als 500 Taucher zum Einsatz bereit. Allerdings waren die Bergungsarbeiten von schlechtem Wetter und der starken Strömung erschwert worden. Auch waren 150 Schiffe und fast 30 Flugzeuge im Einsatz.

Am Freitag wurden zwei riesige Schwimmkräne von Werfthäfen in die Nähe der Unglücksstelle gebracht. Weitere sollen folgen. Experten diskutierten noch darüber, wie das Wrack am besten gehoben werden könnte, berichtete der staatliche Sender Arirang. Auch ein Schwimmdock könnte zur Unglücksstelle gebracht werden.

Vizeschuldirektor beging offenbar Suizid

Nach dem schweren Fährunglück hat der gerettete Vizedirektor der besonders stark betroffenen Schule offenbar Suizid verübt. Der 52-jährige Pädagoge Kang Min-kyu sei auf der Insel Jindo an einem Baum hängend gefunden worden, berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap. Kang war Vizedirektor der Oberschule in Ansan, von der Hunderte Schüler auf der am Mittwoch gekenterten Fähre Sewol waren. Der Pädagoge war unmittelbar nach dem Unglück gerettet worden.

sda/AFP/mw

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