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Heisse Spur zu MH 370

Ein Wrackteil ist auf der Insel La Réunion im Indischen Ozean angeschwemmt worden. Vieles deutet auf den verschollenen Flug MH 370 der Malaysia Airlines hin.

Ein auf der Insel La Réunion angespültes Wrackteil stammt laut US-Ermittlern «mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit» von der vor fast anderthalb Jahren verschollenen Passagiermaschine der Malaysia Airlines. Das Foto vom Trümmerstück passe zu einem für eine Boeing 777 typischen Tragflügelteil, sagte ein US-Beamter.

Ermittler für Flugsicherheit – darunter ein Boeing-Vertreter – identifizierten den Fund als ein «Flaperon», ein als Wölbklappe genutztes Quer- und Steuerruder in der Luftfahrttechnik. Malaysia sandte prompt ein Untersuchungsteam auf die Insel im Indischen Ozean. Die australische Verkehrsbehörde will sich weiter auf die Suche nach Flug MH 370 am Meeresboden konzentrieren.

Stammt offiziell bestätigt von Flug MH370: Beamte bergen das erste gefundene Wrackteil am Strand von Saint-André auf der Insel La Réunion. (30. Juli 2015)
Stammt offiziell bestätigt von Flug MH370: Beamte bergen das erste gefundene Wrackteil am Strand von Saint-André auf der Insel La Réunion. (30. Juli 2015)
Wae Tion, Keystone
Wut und Trauer bei den Hinterbliebenen: Angehörige vor den Büros der Malaysia Airlines in Peking. (6. August 2015)
Wut und Trauer bei den Hinterbliebenen: Angehörige vor den Büros der Malaysia Airlines in Peking. (6. August 2015)
Rolex Dela Pena, Keystone
Der Fundort passe zu dem Gebiet, in dem nach dem verschwundenen Flug MH 370 gesucht werde, hiess es seitens der australischen Behörden.
Der Fundort passe zu dem Gebiet, in dem nach dem verschwundenen Flug MH 370 gesucht werde, hiess es seitens der australischen Behörden.
YANNICK PITON, AFP
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«Ich habe ein Team losgeschickt, um das Wrackteil zu untersuchen», sagte der malaysische Verkehrsminister Liow Tiong Lai am UNO-Sitz in New York. Das Ergebnis werde hoffentlich «so bald wie möglich» vorliegen. Malaysia Airlines teilte indes mit: «Im Moment wäre es für die Airline zu früh, über die Herkunft des Objekts zu spekulieren.» Am Strand von La Réunion im Indischen Ozean hatten Reinigungskräfte das rund zwei Meter lange Wrackteil entdeckt. Es sei «mit Muscheln bedeckt» gewesen, weshalb darauf geschlossen werden könne, dass es bereits längere Zeit im Wasser lag, sagte ein Augenzeuge. Die französischen Luftfahrtbehörden leiteten Ermittlungen ein.

Der australische Verkehrsminister Warren Truss sagte, der Fundort passe zu dem Gebiet, in dem nach dem verschwundenen Flug MH 370 gesucht werde. Die Untersuchungen zu dem Wrackteil würden in Canberra mit «sehr grossem Interesse» verfolgt, sagte er dem Radiosender ABC. Australien koordiniert die Suche nach dem verschwundenen Flugzeug in einem riesigen Gebiet 2000 Kilometer westlich von Perth im Indischen Ozean. Mit Sonargeräten wird in teils mehr als 6000 Meter Tiefe nach Überresten von MH 370 gesucht.

Die australische Behörde sei wegen des Wrackteils in Kontakt mit den Behörden in Malaysia und Frankreich, sagte ein Sprecher zu ABC. «Wir müssen uns jetzt wirklich die Grösse und Form anschauen, und ob irgendwelche Markierungen darauf sind, etwa Nummern von Bauteilen oder Seriennummern.» Gehört das Wrackteil nicht zu MH 370 wäre auch denkbar, dass es zu einem Airbus der Fluggesellschaft Yemenia gehört, der 2009 vor den Komoren abstürzte, oder zu einer 2006 südlich von La Réunion verunglückten zweimotorigen Maschine.

Das Passagierflugzeug war am 8. März 2014 auf dem Flug von Kuala Lumpur nach Peking mit 239 Menschen an Bord spurlos verschwunden. Nach bisherigen Erkenntnissen drehte es wahrscheinlich ab und stürzte Tausende Kilometer von seiner Route entfernt ins Meer. Doch die Gründe bleiben ein Rätsel. Eine gross angelegte internationale Suche im südlichen Teil des Indischen Ozeans, im Chinesischen Meer und dem Golf von Thailand war bislang erfolglos.

Bei den UN in New York äusserte sich Malaysias Verkehrsminister Liow Tiong Lai zurückhaltend über die Entdeckung. Ein Inspektionsteam sei unterwegs zur Insel. «Jedes Wrack, das gefunden wird, muss geprüft werden, ehe wir bestätigen können, dass es zu MH 370 gehört», fügte er hinzu.

Die australische Behörde für Flug- und Verkehrssicherheit äusserte sich ebenfalls. An der Meeresgrund-Suche nach Flug MH 370 dürfte die jüngste Entdeckung nichts ändern, sagte Einsatzleiter Martin Dolan. Sollte sich jedoch der Fund als Teil des verschollenen Flugzeugs herausstellen, würde sich dies mit der Theorie decken, wonach es irgendwo im 119'140 Quadratkilometer grossen Suchgebiet abgestürzt sein müsse.

US-Experte warnt vor Euphorie

Auch US-Flugsicherheitsexperte John Goglia warnte vor Euphorie. Nach dem Verschwinden von MH 370 sei angenommen worden, dass Treibgut vom Flugzeug durch die Strömungen des Indischen Ozeans an die Küste Ostafrikas angeschwemmt werden würde, sagte er. Doch selbst dann sei es unwahrscheinlich, dass die Trümmer bei der Ozeansuche nach dem Hauptwrack eine grosse Hilfe sein könnten. «Es bestätigt nur, dass das Flugzeug im Wasser ist und nicht an einen abgelegenen Ort entführt wurde und dort darauf wartet, zweckentfremdet zu werden», sagte Goglia.

Der Marinegeologe Robin Beaman wies darauf hin, dass es schon früher Fälle gegeben habe, bei denen im Indischen Ozean treibende Objekte riesige Distanzen zurückgelegt hätten. «Ich denke, da sollte man nichts ausschliessen, das ist sicher», sagte der Forscher der James-Cook-Universität in Australien. Hinterbliebene der Insassen von Flug MH 370 zeigten sich skeptisch. Es sei schwer zu glauben, dass noch so langer Zeit ein riesiges Stück des Flugzeugs auftauchen könne, sagte Sara Weeks, deren Bruder Paul in der Maschine sass.

AP/sda/slw/chk

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