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Herzinfarkt in Tessiner Bordell

Fünf Bordellbesucher sind in den letzten Jahren in der Südschweiz gestorben. Das ist die Kehrseite des Tessiner Rotlichtbooms.

Für den italienischen Rentner, der vergangene Woche ein Vergnügungslokal in Cadenazzo aufsuchte, ist es gerade nochmal gut gegangen: Dank dem raschen Einsatz der Ambulanz hat er einen Herzinfarkt überlebt. Pech hatten in den vergangenen Jahren hingegen fünf andere Besucher von Tessiner Bordellen, für die nach Herzstillständen jegliche Hilfe zu spät kam. Die Tessiner Kantonspolizei bestätigte gestern eine Meldung des «Corriere del Ticino».

Diese Häufung von Todesfällen ist nicht zuletzt auf das zunehmende Angebot an käuflichem Sex zurückzuführen. Vor allem die italienische Kundschaft profitiert von den diskreten Dienstleistungen der Prostituierten im Tessin. Jenseits der Landesgrenze spielt sich das älteste Gewerbe der Welt vor allem auf der Strasse ab. Und seit die Regierung Berlusconi Bussenjagd auf Freier macht, dürfte der Run auf Schweizer Bordelle noch zugenommen haben.

Rettungskräfte rücken oft aus

Die fünf Todesfälle spielten sich zwischen 2000 und 2008 ab. Bei den Opfern handelt es sich um zwei in Italien und drei in der Schweiz ansässige Personen. Sie waren zwischen 1929 und 1962 geboren. Drei starben im Sottoceneri, dem südlichen Kantonsteil, und zwei im Sopraceneri.

Die fünf Toten sind die dramatischsten Fälle von Freiern mit Herzattacken. Gemäss Tessiner Polizei müssen die Rettungskräfte auch sonst immer wieder ausrücken, um sich um gesundheitliche Probleme von Bordellbesuchern zu kümmern.

Was für die Sanitäter Fälle wie alle andern sind, ist für die Betroffenen häufig eine delikate Angelegenheit. Spätestens wenn die Rechnungen von Ambulanz und Spital nach Hause kommen, müssen sie den Angehörigen erklären, wo und unter welchen Umständen ihr Herz den Dienst versagt hat. Es gäbe daher Freier, die noch versuchten, das Bordell zu verlassen, bevor die Ambulanz eintreffe, erzählte ein Polizist dem «Corriere del Ticino».

Verständnis für dieses Verhalten zeigte gestern ein Blogger auf dem Newsportal Ticinoonline. Das sei schon ein heikles Problem, und die Behörden müssten sich um die Privatsphäre dieser Personen kümmern. «Was soll das?», antworteten mehrere andere User. Wer ins Bordell gehe und womöglich seine Frau betrüge, habe nichts Besseres verdient.

Literweise Alkohol

Auf der Website von «Ticinonews» brachte ein Blogger einen ganz anderen Aspekt ins Spiel: «Warum spricht eigentlich niemand von den armen Prostituierten, die literweise Alkohol trinken müssen und häufig zu Alkoholikerinnen werden?», fragte er.

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