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Hier verlässt der Sewol-Kapitän sein Schiff

Es sind unglaubliche Bilder, welche die südkoreanische Küstenwache veröffentlicht hat: Sie zeigen den Moment, als der Kapitän der südkoreanischen Fähre Sewol sein sinkendes Schiff verlässt.

Zwölf Tage nach dem Untergang der südkoreanische Fähre Sewol erschwert schlechtes Wetter die Suche nach noch immer mehr als 100 vermissten Passagieren. Starker Wind und hohe Wellen hätten die Bergungsarbeiten vor der Südwestküste Südkoreas gestoppt.

Heute hat die südkoreanische Küstenwache ein Video publiziert, welches dokumentiert, wie der Kapitän Lee Jun-seok das sinkende Schiff verlässt.

Mehr als die Hälfte jener 64 Kabinen des Schiffs, in denen Eingeschlossene vermutet wurden oder werden, seien bisher durchgekämmt worden. Bisher wurden 188 Tote des Unglücks geborgen. Weitere 114 Menschen galten weiter als vermisst.

15 Personen in Haft

Staatsanwalt Yang Jung-jin teilte am Samstag mit, vier weitere Steuerleute der Sewol seien festgenommen worden. Damit sind nun alle 15 mit der Navigation betrauten Besatzungsmitglieder, darunter auch der Kapitän Lee Jun-seok, in Gewahrsam genommen worden.

Dem Kapitän und seiner Crew wird vor allem vorgeworfen, nach Beginn des Kenterns eine halbe Stunde mit der Evakuierung des Schiffs gewartet zu haben. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Sewol so stark zur Seite geneigt, dass es für die meisten Menschen im Inneren der Fähre kein Entrinnen mehr gab.

«Ich will ihn noch ein letztes Mal sehen»

Der Vater eines mit der Sewol untergegangen Jungen wartete am Wochenende auf Neuigkeiten. «Ich will nur, dass der Körper meines Sohnes gefunden wird. Ich will ihn noch ein letztes Mal sehen und ein Begräbnis für ihn abhalten», sagte Lim Hee-bin. «Aber der Sucheinsatz der Regierung ist zu langsam. Er ergibt überhaupt keinen Sinn.»

Lim sagte, sein Sohn habe ihn von der Fähre aus angerufen, als sie bereits sank. Die Leitung sei jedoch abgebrochen. Der Sohn habe ihm zudem verwackelte Fotos seiner Freunde geschickt, die in orangen Rettungswesten in einer Kabine sassen.

Ladung verrutscht?

Über die Unglücksursache wird immer noch spekuliert. Überwachungsdaten zeigen, dass die Fähre vor dem Kentern eine scharfe Kurve fuhr, möglicherweise wegen eines technischen Fehlers an der Steuerung. Danach könnte die Ladung verrutscht sein und das Schiff zum Kippen gebracht haben.

Die Sewol hatte möglicherweise mehr als 3600 Tonnen Fracht an Bord, wie ein Vertreter der Firma erklärte, die die Güter verladen hatte. In den Ladepapieren ist dagegen nur von 150 Autos und 657 Tonnen anderer Fracht die Rede. Die nun vermutete Menge ist dreimal so gross wie von einem Inspektor im vergangenen Jahr als sichere Lademenge ausgewiesen.

sda/AP/AFP/bru

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