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«Ich glaube, der Berg vergibt niemandem»

Das Drama am Mont Maudit forderte neun Tote. Ein Überlebender erzählt von den Minuten, die zu einem der schlimmsten Lawinenunglücke seit Jahren geführt haben.

Rettungsaktion am Mont Maudit: Ein Hubschrauber der französischen Rettungsdienste Sécurité Civile fliegt in Richtung Mont Maudit, wo gestern neun Menschen ums Leben kamen.
Rettungsaktion am Mont Maudit: Ein Hubschrauber der französischen Rettungsdienste Sécurité Civile fliegt in Richtung Mont Maudit, wo gestern neun Menschen ums Leben kamen.
AFP

Wie 13 weitere Bergsteiger ist er mit dem Leben davongekommen: Der 63-jährige Daniel Rossetto hat das Unglück am Mont Maudit mit einer verrenkten Schulter überlebt. Gegenüber der Zeitung «Le Parisien» schilderte der erfahrene Bergführer die Minuten des Dramas.

«Es war wie in einer Waschmaschine»

«Als wir aufgebrochen sind, haben wir nicht viel gesehen. Es war noch dunkel», erzählt Rossetto, der mit dänischen Bergsteigern unterwegs war. «Wir folgten einer alten Spur, es gab keine Gefahr», sagte er weiter. Als dann um 5.15 Uhr die Lawine über ihn und seine Kollegen hereinbrach, sei dies «ohne Geräusch, nur mit einem Hauch passiert», schilderte Rossetto. «Ich habe den Schnee auf mir gespürt. Wir haben versucht, dagegenzuhalten, aber es hat uns den Hang hinabgedrückt, 250 Meter unterhalb des Platzes, an dem wir uns befanden.» Es habe sich angefühlt «wie in einer Waschmaschine».

Rossetto und die dänischen Bersteiger hätten überlebt, weil sie sich am Rande der Lawine befunden hätten. Er habe die anderen Seilschaften, die in den Tod gerissen wurden, nicht gesehen. Schockiert über die hohe Anzahl Opfer ergänzte er seinen Bericht mit der Aussage: «Ich glaube, der Berg vergibt niemandem.»

Bekannter britischer Bergsteiger unter den Opfern

Unter den Toten des Mont Maudit ist offenbar auch ein erfahrener und bekannter britischer Bergsteiger, Roger Payne. Payne war durch vier Erstbesteigungen und das Bezwingen von mehr als 20 anspruchsvollen Gipfeln auf der ganzen Welt bekannt geworden. Unter anderem gab er auch Kurse, wie man eine Lawine überlebt. Payne war mit zwei Kunden unterwegs, als seine Seilschaft von der Lawine erfasst wurde.

Gemäss den neusten Untersuchungen sei die Lawine am Mont Maudit durch ein Schneebrett ausgelöst worden. Unklar sei jedoch, ob das Schneebrett durch einen losen Eisblock oder versehentlich durch einen Bergsteiger in Gang gesetzt worden sei, wie ein Polizeisprecher der Präfektur von Chamonix mitteilte.

Abschied von den Opfern

Im Spital von Chamonix nahmen am Freitag Angehörige und Freunde Abschied von den Opfern des Lawinenunglücks. Die Verunglückten - neben dem Schweizer drei Deutsche, drei Briten, zwei Spanier - wurden in getrennten Zimmern aufgebahrt. Bevor die Angehörigen dorthin begleitet wurden, sprach im Rathaus ein Mitglied des Bergungsdienstes mit ihnen.

«Wir versuchen den Familie so gut wie möglich zu erklären, warum ihre Angehörigen verunglückt sind, damit sie die Tragödie besser verarbeiten können», sagte Vize-Gemeindepräsident Jean-Louis Verdier. Für Samstagnachmittag war in der Kirche von Chamonix ein ökumenischer Gottesdienst für die Lawinenopfer geplant.

SDA/kpn

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