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«Ich habe Glück, dass ich noch ein paar Vorräte im Haus habe»

Aus einer abgeriegelten Gemeinde in Italien berichtet eine junge Frau, wie sich die Coronavirus-Quarantäne auf ihr Leben auswirkt.

Anna* sitzt in Codogno fest, die Stadt in Norditalien mit 16'000 Einwohnern wurde unter Quarantäne gestellt.
Anna* sitzt in Codogno fest, die Stadt in Norditalien mit 16'000 Einwohnern wurde unter Quarantäne gestellt.

In Italien hat sich das Virus vermutlich von Codogno, einer Kleinstadt in der Nähe von Mailand, ausgebreitet. Dort wurde der erste bekannte Patient in der Lombardei, ein 38-jähriger Mann, behandelt. Nach den ersten Virus-Todesfällen in Italien am Wochenende riegelte das Land mehrere Ortschaften ab, darunter Codogno mit 16'000 Einwohnern.

Eine davon ist Anna* (Name geändert). Was für sie wie ein anscheinend normaler Sonntag beginnt, wird zum Spiessrutenlauf, wie sie tio.ch berichtet. Anna nimmt das Auto, um zum Einkaufen zu fahren. Die Strassen sind halbleer, es sind kaum Passanten unterwegs. Die wenigen, die unterwegs sind, haben eine Atemschutzmaske an.

Sie kommt zu einem Supermarkt, aber der ist geschlossen. Davor stehen zwei Autos der Carabinieri. «Ich war besorgt, habe aber nicht angehalten. Ich habe das Auto gewendet und bin zurückgefahren», erzählt die junge Frau. Sie ist wie die anderen 16'000 Einwohner von den Behörden «festgesetzt» worden.

Im Kontakt per Whatsapp und Facebook

«Ich habe gehört, dass in Castel Pusterlengo noch irgendetwas offen ist, aber ich wollte nicht bis dorthin fahren», erklärt sie weiter. Die Einwohner von Codogno stehen in engem Kontakt über Whatsapp und Facebook: Es ist ein ständiges Hin und Her von Nachrichten, Links zu Artikeln und Zeugnissen aus erster Hand.

Codogno wurde wie andere Gemeinden ab Sonntagnachmittag isoliert. «Wer drin ist, bleibt drin, und wer draussen ist, bleibt draussen.» Sie erzählt: «Wie hätten wir überhaupt den Einkauf machen sollen? Ich habe Glück, dass ich noch ein paar Vorräte im Haus habe.»

Am Montag sollen die Supermärkte eigentlich wieder aufmachen. «Man soll normal einkaufen können.» Normal, soweit das möglich ist. «Uns wurde gesagt, dass wir Menschenansammlungen meiden sollen. Auf dem Heimweg wollte ich noch zur Apotheke, aber da war eine so lange Schlange, dass ich weitergefahren bin».

Automatisch krankgeschrieben

Anna soll laut den Behörden die nächsten 14 Tage zu Hause bleiben. Wer eigentlich zur Arbeit müsste, wird automatisch, ohne ärztliches Attest, krankgeschrieben. «Ich arbeite in Lodi und werde zwei Wochen nicht ins Büro gehen können. Das ist eine wirklich schlimme Situation für mich», erzählt sie uns niedergeschmettert. Es sei sehr einschränkend, in einer Stadt zu leben, in der man nicht hinaus dürfe. «Man hat ständig Angst, krank zu werden.»

Für alle, die glauben krank zu sein, gibt es klare Anweisungen: «Du musst die 112 anrufen, dann wird ein Test gemacht. Wenn der positiv ist, nehmen sie dich mit und liefern dich ins Krankenhaus ein.» Und die berühmten Atemmasken? «Wir sind angewiesen, sie zu tragen, aber man findet keine mehr. Glücklicherweise haben einige von uns noch welche von ausserhalb besorgen können.»

Obwohl die Angst und der Stress gross sind, verhalten die Codognesi sich vorbildhaft, sagt Anna. «Alle halten sich an die Anweisungen der Behörden, es gibt sehr viel gegenseitiges Verständnis und Solidarität. Das ist sehr schön. Wir sind auf niemanden wütend», sagt sie mit Blick auf den 38-Jährigen, der das Virus nach Codogno gebracht hat. «Das hätte jedem passieren können. Im Gegenteil, wir machen uns Sorgen und hoffen, dass es ihm bald wieder gut geht.»

*Name geändert

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