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«Ich habe noch nie so unverantwortliche Unterstellungen erlebt»

Der Unternehmer Richard Branson wehrt sich gegen Spekulationen zur Unfallursache des Raumschiffs Spaceship Two.

Untersuchten sämtliche Wrackteile: Ermittler der US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB schauen sich ein Teil von Spaceship Two an. (1. November 2014)
Untersuchten sämtliche Wrackteile: Ermittler der US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB schauen sich ein Teil von Spaceship Two an. (1. November 2014)
Reuters
Denkt nicht ans Aufhören: Virgin-Chef Richard Branson mit einem Modell der Spaceship Two. (Archivbild)
Denkt nicht ans Aufhören: Virgin-Chef Richard Branson mit einem Modell der Spaceship Two. (Archivbild)
AFP
Für ihn ist der Absturz ein herber Rückschlag: Der britische Milliardär Richard Branson.
Für ihn ist der Absturz ein herber Rückschlag: Der britische Milliardär Richard Branson.
Twitter/@virgingalactic
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Drei Tage nach dem Absturz des privaten Raumschiffs Spaceship Two hat sich der Unternehmer Richard Branson gegen Spekulationen zur Unfallursache verwahrt. «Ich habe noch nie so unverantwortliche und schädigende Unterstellungen erlebt», sagte der Gründer des Luftfahrtunternehmens Virgin Galactic dem britischen TV-Sender Sky News. Der Leiter der US-Verkehrssicherheitsbehörde (NTSB), Christopher Hart, berichtete indes über Hinweise auf Unregelmässigkeiten während des Flugs.

Branson rügte insbesondere die britische Presse, nachdem das englische Boulevardblatt «Daily Mail» einen Experten mit dem Vorwurf zitiert hatte, Virgin Galactic habe «russisches Roulette» gespielt. Mehrere Experten und Beobachter gingen offenbar von einer Explosion an Bord des Raumschiffs aus. Branson sagte zu den Vorwürfen, diese seien «unglaublich verletzend für die 400 Ingenieure, die so mutig für Virgin Galctic gearbeitet haben».

Komponente auf Polyamidbasis

Auch die Raketenexpertin Carolynne Campbell von der Internationalen Vereinigung zur Förderung der Raumfahrtsicherheit warf Virgin Galactic am Sonntag vor, alle Warnungen über die Gefährlichkeit des eingesetzten Brennstoffs in den Wind geschlagen zu haben. Sie habe bereits 2009 und später nochmals telefonisch auf die Gefahren hingewiesen, doch leider sei sie nicht gehört worden, sagte Campbell der Nachrichtenagentur AFP.

Für den Raketenantrieb soll Distickstoffoxid sowie eine neue Komponente auf Polyamidbasis verwendet worden sein, die am Freitag erstmals für einen Testflug eingesetzt worden war. Spaceship Two war bei dem Testflug über der kalifornischen Mojave-Wüste auseinandergebrochen und zu Boden gestürzt. Der Pilot konnte sich retten, sein Co-Pilot aber kam ums Leben.

Unter Berufung auf die US-Verkehrssicherheitsbehörde (NTSB) verwies Branson darauf, dass die Tanks und das Raketentriebwerk intakt aufgefunden worden seien. Das zeige, «dass es keine Explosion gab, trotz der Fülle selbsternannter Experten, die das als Absturzursache nennen». Branson bekräftigte, an dem Programm festhalten zu wollen. «Wir werden sicherstellen, dass so etwas nicht wieder passiert.»

Zwölf Monate Ursachenforschung

NTSB-Leiter Hart sagte unter Berufung auf Kameraaufnahmen aus dem Cockpit, einer der Piloten habe einen Entriegelungshebel für einen Mechanismus im Heck zu früh betätigt. Der Co-Pilot habe den Hebel umgelegt, als das Raumschiff eine Geschwindigkeit von etwa 1,0 Mach erreicht habe, sagte Hart weiter. Allerdings hätte der Hebel erst bei 1,4 Mach betätigt werden dürfen. Er könne jedoch nicht sagen, ob dies die Ursache für das Unglück sei, schränkte Hart ein. Die Ursachenforschung werde «wahrscheinlich zwölf Monate» dauern.

Der britischen Milliardär Branson wollte das Raumschiff für den Weltraum-Tourismus einsetzen. Mehr als 600 Interessierte hatten bereits eine Reise zum Ticketpreis von 200'000 Euro reserviert, darunter Prominente wie die US-Schauspieler Leonardo di Caprio und Ashton Kutcher.

Das Unglück ist ein enormer Rückschlag für die kommerzielle Raumfahrt, nachdem eine Woche zuvor bereits ein privater Raumtransporter auf dem Weg zur Raumstation ISS beim Start explodiert war. Virgin Galactic war bislang führend im Bereich des Weltraumtourismus. Laut einem Experten wird sich der Start der ersten Touristenflüge voraussichtlich um Jahre verzögern.

AFP/wid

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