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«Ich hoffe, die Regierungsdelegation wird die Gemüter beruhigen»

Hunderte Bergsteiger, die viel Geld für eine Expedition bezahlt haben, stecken derzeit im Basislager am Mount Everst fest. Sie stehen vor einer bitteren Enttäuschung.

Wo das Unglück geschah: Die Stelle Icefall, die erste Hürde nach dem Basecamp beim Aufstieg zum Mount Everest. (Archivbild)
Wo das Unglück geschah: Die Stelle Icefall, die erste Hürde nach dem Basecamp beim Aufstieg zum Mount Everest. (Archivbild)
Keystone
Versuchen zwischen Sherpas und Regierung zu vermitteln: Der neuseeländische Expeditionsleiter Russell Brice (L) und der britische Alpinist Phil Crampton (R) sprechen mit einem Journalisten der Nachrichtenagentur AFP am Flughafen von Kathmandu. (22. April 2014)
Versuchen zwischen Sherpas und Regierung zu vermitteln: Der neuseeländische Expeditionsleiter Russell Brice (L) und der britische Alpinist Phil Crampton (R) sprechen mit einem Journalisten der Nachrichtenagentur AFP am Flughafen von Kathmandu. (22. April 2014)
AFP
Bestieg 1978 den Everest als erster Bergsteiger ohne Sauerstoffgerät: Reinhold Messner kritisiert heute den Tourismus am Everest. (22. Mai 2010)
Bestieg 1978 den Everest als erster Bergsteiger ohne Sauerstoffgerät: Reinhold Messner kritisiert heute den Tourismus am Everest. (22. Mai 2010)
AFP
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Nach der Sherpa-Tragödie am Mount Everest mit 16 Toten will die nepalesische Regierung verhindern, dass in diesem Jahr durch einen Ausstand der Bergsteiger alle Touren abgesagt werden. Morgen werde eine Regierungsdelegation zum Basislager der Expeditionen fliegen, um mit den Sherpas über ihre Forderungen zu verhandeln, sagte Phil Crampton, Eigentümer der Firma Altitude Junkies, der Nachrichtenagentur AFP.

Der von den Sherpas angekündigte Ausstand würde 32 Expeditionen mit 734 Teilnehmern betreffen. Mit den Aufstiegen zum höchsten Berg der Erde werden Millionenbeträge umgesetzt. Der dritte grosse Touren-Organisator gab am Abend bekannt, dass er seine Besteigungen für dieses Jahr gestrichen habe. «Nach langer Diskussion und nach Berücksichtigung aller Aspekte wurde beschlossen, diese Saison aufzugeben», teilte die in Neuseeland beheimatete Firma Adventure Consultants mit.

Zuvor hatten bereits die Alpine Ascents International und der Discovery Channel ihre Projekte am Mount Everest auf Eis gelegt. Hunderte Bergsteiger, die zum Teil schon viel Geld für Expeditionen bezahlt haben, stehen vor einer bitteren Enttäuschung. Nepal rechnete in dieser Saison mit drei Millionen Dollar an Gebühren der Mount-Everest-Besteiger.

Die Regierung in Kathmandu bemüht sich, die Sherpas noch umzustimmen. Diese kündigten den Ausstand am Dienstag an und bezeichneten ihn als Würdigung für ihre 16 tödlich verunglückten Kollegen. Die Nepal Mountaineering Association als Vertretung der Tourismusbranche erklärte, sie habe noch «keine Bestätigung» für die Absage der Expeditionen in diesem Jahr. Der Sherpa-Vertreter Pasang Sherpa sagte dazu, er könne nicht wissen, was in Kathmandu passiere - «aber wir wollen dieses Jahr den Berg nicht ersteigen».

Hunderte sitzen fest

Vor ihre Entscheidung m Dienstag hatten die einheimischen Bergführer bereits eine Reihe von Forderungen gestellt. So sollen 30 Prozent der Gebühren, die die Kletter-Touristen an den Staat zahlen müssen, künftig in einen Entschädigungsfonds fliessen. Die Lebensversicherung für die Sherpas von derzeit 10'000 Dollar soll verdoppelt werden. Die Regierung bot bislang einen Anteil von fünf Prozent der Gebühren für den Fonds sowie eine Erhöhung der Versicherung um 50 Prozent an.

Im Basislager sitzen derzeit hunderte Bergsteiger fest und fragen sich, ob sie abreisen oder abwarten sollen. «Ich hoffe, die Regierungsdelegation wird die Gemüter beruhigen, und die Sherpas werden die Gründe anerkennen, die für eine Rettung der Saison sprechen», sagte Russell Brice, dem die Expeditionsfirma Himex gehört.

Am vergangenen Freitag hatte sich eine Lawine gelöst und 16 Sherpas in den Tod gerissen, während sie für die Ende April beginnende Bergsteiger-Saison eine Route zum Gipfel des Everest vorbereiteten. Es war das bislang schlimmste Unglück an dem 8848 Meter hohen Berg im Himalaya.

Seit der Erstbesteigung durch den Neuseeländer Edmund Hillary und seinen einheimischen Bergführer Tenzing Norgay 1953 kamen mehr als 300 Menschen am Mount Everest ums Leben, die meisten von ihnen waren einheimische Bergführer.

AFP/kle

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