Zum Hauptinhalt springen

«Ich sehe nur noch Adeline und das Messer»

Erstmals äussert sich Fabrice Anthamatten in Genf zum Mord an Adeline M. Er habe die junge Sozialtherapeutin nicht töten wollen, sagte der 39-Jährige in einem zehnstündigen Verhör.

Die Schlüsse von Experten im Prozess: Der Angeklagte Fabrice A. hat eine gespaltene Persönlichkeit. (3. Oktober 2016)
Die Schlüsse von Experten im Prozess: Der Angeklagte Fabrice A. hat eine gespaltene Persönlichkeit. (3. Oktober 2016)
Frédéric Bott, Keystone
Der Mörder wurde ausgeliefert: Fabrice A. wird in Stettin zur Anhörung gebracht. (22. Oktober 2013)
Der Mörder wurde ausgeliefert: Fabrice A. wird in Stettin zur Anhörung gebracht. (22. Oktober 2013)
Marcin Bielecki, Keystone
Der verurteilte Vergewaltiger und seine Therapeutin waren auf einem begleiteten Ausflug: Adeline M. und Fabrice A.
Der verurteilte Vergewaltiger und seine Therapeutin waren auf einem begleiteten Ausflug: Adeline M. und Fabrice A.
Kapo Genf
1 / 18

Am letzten Donnerstag wurde Fabrice Anthamatten von Polen in die Schweiz ausgeliefert. Wenige Tage später wurde der geständige Mörder der Sozialtherapeutin Adeline M. von den Genfer Behörden befragt – über zehn Stunden lang.

«Ich anerkenne, dass ich der Verursacher des Todes von Adeline M. bin», sagt er laut der Zeitung «Tribune de Genève» bei der Einvernahme. Er sei bereit zu kooperieren. Sein Recht, auf Fragen der Justizbehörden zu schweigen, habe er nie in Anspruch genommen, sagt sein Pflichtverteidiger.

Sein Ziel sei gewesen, beim Freigang aus der Haftanstalt La Pâquerette zu fliehen, sagt Anthamatten. «Ich wollte Adeline M. nicht töten», fügt er an. Der 39-Jährige, der wegen zweifacher Vergewaltigung in Genf in Haft sass und eine Freiheitsstrafe von 20 Jahren verbüsste, sollte an diesem Tag mit der 34-jährigen Sozialtherapeutin eine Reittherapie in Bellevue absolvieren. Auf dem Weg dorthin kaufte er sich gemeinsam mit Adeline M. ein Messer, das sich für die Pflege von Pferdehufen eignete. Danach fuhren die beiden mit dem Auto nach Bellevue. Einen Tag danach wurde der leblose Körper der Sozialtherapeutin gefunden.

Fluchtpläne durchschaut

Als die beiden in Bellevue ankamen, befürchtete Anthamatten nach eigenen Angaben plötzlich, Adeline M. könnte seine Fluchtpläne durchschaut haben. Danach will er sich an nichts mehr erinnern. Er spricht von einem «schwarzen Schleier», der sich über das Geschehen gelegt habe. «Ich sehe nur noch Adelines Gesicht und das Messer vor mir», fügt er an.

Nach der Tat setzte sich Anthamatten ins Auto und fuhr los in Richtung Polen. Dort wollte er seine Ex-Freundin besuchen, eine polnische Krankenschwester, wie er sagt. Im Sommer habe er auf Google Maps recherchiert, wie er per Zug oder Auto dorthin kommen könnte. Als er schliesslich dort ankam, merkte er, dass die Frau dort nicht mehr wohnte. Also sei er weitergefahren nach Irland. Dorthin war er bereits nach seiner ersten Vergewaltigung geflohen. Am 15. September, drei Tage nach seiner Tat, wurde Anthamatten an der deutsch-polnischen Grenze verhaftet.

Untersuchung der Aussagen

Nach der Befragung des geständigen Mörders soll laut seinem Verteidiger abgeklärt werden, wie glaubwürdig seine Aussagen seien. «Der zuständige Experte sollte nicht Genfer sein, es braucht eine Fachperson, die von der Medienberichterstattung über den Fall nicht beeinflusst wurde», sagt er.

Die Äusserung, er habe Erinnerungslücken, steht im Widerspruch zu einem Brief, den der 39-Jährige an den «SonntagsBlick» adressierte. Darin bot er an, die letzten Worte von Adeline M. zu verraten, wenn er im Gegenzug dafür 1600 Franken bekomme. (Redaktion Tamedia berichtete.)

Gerichtspsychiater Thomas Knecht bezeichnete die Geldforderungen gegenüber der Zeitung als «extrem kaltschnäuzig und als moralischen Defekt». Er beurteilte den Mörder als pathologischen Lügner, der mit geschickten Manipulationen zu arbeiten wisse. «Wenn jemand nach jahrelanger Therapie eine noch schlimmere Tat begehe als zuvor, dann besteht wenig Hoffnung», sagt er.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch