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In der Kirche von Herzogenbuchsee ist es noch zu gefährlich

Auch Tage nach dem Brand besteht Einsturzgefahr. Nun wurden erste Bilder aus dem Kirchenschiff publiziert.

Spuren vom Brand: Teile der Gipsdecke sind heruntergefallen. (Fotos: PD)
Spuren vom Brand: Teile der Gipsdecke sind heruntergefallen. (Fotos: PD)

Von aussen ist der Schaden an der reformierten Kirche in Herzogenbuchsee gut erkennbar: Nach dem Feuer am Dienstagmorgen, das am Abend erneut ausgebrochen war, sind nicht nur am Turm, sondern auch am Kirchenschiff deutliche Spuren zu erkennen. Dieses wurde von herunterstürzenden Teilen der Turmspitze getroffen.

Wie sich die Kirche von innen präsentiert, das bleibt dem Betrachter hingegen verborgen. Denn auch am Freitag blieb die Kirche gesperrt. «Wegen Einsturzgefahr darf sie weiterhin nicht betreten werden», sagt Kirchgemeindepräsident Christoph Tanner. Die Kirche sei zwar grundsätzlich stabil. Doch die Gipsdecke bereite Sorgen: Teile der Decke hätten sich gelöst – es seien auch schon grössere Stücke davon heruntergestürzt. Und so wolle man denn kein Risiko eingehen: «Wir wollen keine Verletzten», so Tanner.

Die Gipsdecke bereite Sorgen: Teile der Decke hätten sich gelöst – es seien auch schon grössere Stücke davon heruntergestürzt.

Einen Eindruck davon, wie es in der Kirche derzeit aussieht, vermitteln einzig die Bilder, die in einer Medienmitteilung der Kirchgemeinde verschickt worden sind. Sie wurden von der Tür aus gemacht.

Wappenscheiben intakt

Besser sieht die Situation in jenem Teil der Kirche aus, in dem sich die Orgel befindet. Weshalb dort, wie Christoph Tanner bestätigt, auch mit den Rückbauarbeiten an der Orgel begonnen werden konnte. Das Wasser sei über die Lüftungskanäle direkt in die Orgel gelangt. Die 2400 Orgelpfeifen müssen nun ausgebaut werden. Diese Arbeiten würden noch längere Zeit in Anspruch nehmen, sagt der Kirchgemeindepräsident. Und dies, nachdem die Orgel bis im März dieses Jahres für rund 150’000 Franken revidiert worden war. Ihre Wiederinstandsetzung werde nach dem Brand nun «mindestens so viel» kosten, sagt Tanner.

Noch immer ist der Boden nass. Durch den heruntergefallenen Gips hat sich eine Art Brei gebildet.
Noch immer ist der Boden nass. Durch den heruntergefallenen Gips hat sich eine Art Brei gebildet.

Er beschreibt, wie es im restlichen Teil des Gebäudes aussieht: Obwohl die Löcher im Dach mittlerweile zugedeckt und unter grösster Vorsicht Trocknungsgeräte installiert worden seien, sei es in den Räumlichkeiten immer noch nass. Sodass sich zusammen mit dem heruntergefallenen Gips auf dem Boden eine Art «Brei» gebildet habe.

Gerettet werden konnten die Krippenfiguren und die Abendmahlkelche.

Immerhin: Die Glocken und die Fenster haben den Brand offenbar gut überstanden. Auch die Wappenscheiben seien noch intakt, sagt Tanner. Zumindest soweit er das bisher habe beurteilen können. Denn aus der Nähe betrachten konnte er sie noch nicht. Aus dem gleichen Grund ist auch noch unklar, in welchem Zustand sich die Bänke und die Kanzel befinden. Gerettet werden konnten derweil die Krippenfiguren und die Abendmahlkelche.

«Eine Million wird diesmal nicht reichen»

Wie hoch sich die Kosten für die Sanierung der historischen Kirche mit Baujahr 1728 beziffern, ist laut Tanner noch offen. Diese würde aber sicher teurer ausfallen als jene voriges Jahr, die rund 1,15 Millionen Franken gekostet hat. Denn diesmal seien auch Arbeiten am Kirchturm nötig, in dem schon länger keine Sanierungen mehr vorgenommen worden seien, so Tanner. «Eine Million wird diesmal nicht reichen.»

Video: Turm der Kirche von Herzogenbuchsee teilweise eingestürzt

Das Feuer im Turm der reformierten Kirche hat an Heiligabend grossen Schaden angerichtet. (Video: Keystone-SDA)

An einer ausserordentlichen Sitzung hat der Kirchgemeinderat am Freitag beschlossen, den Wiederaufbau so schnell wie möglich einzuleiten. Wie lange dieser dauern wird, steht zurzeit noch nicht fest. Aufgrund vielfacher Anfragen ist ein Spendenkonto eingerichtet worden.

Die brennende Kirche, der kaputte Kirchturm – das mediale Interesse war über Weihnachten gross.
Die brennende Kirche, der kaputte Kirchturm – das mediale Interesse war über Weihnachten gross.

Die Kirchgemeinde teilt mit, dass die Gottesdienste und alle weiteren Anlässe der kommenden Tage vorläufig im Kirchgemeindehaus stattfinden. Wie Christoph Tanner bestätigt, liegt aber mittlerweile ein Angebot für die Benutzung der katholischen Kirche vor. In diese waren die Reformierten schon während den Sanierungsarbeiten voriges Jahr ausgewichen. Ob man auf den Vorschlag der katholischen Kirchgemeinde eingehen werde, stehe noch nicht fest, sagt Tanner.

Aufwendige Ermittlungen

Was das Feuer in der reformierten Kirche ausgelöst hat, ist weiterhin Gegenstand von Ermittlungen der Kantonspolizei. Deren Mediensprecher Dominik Jäggi kann deshalb auch nicht mehr dazu sagen. Er betont, dass sich die Ermittlungen wegen der Situation vor Ort aufwendig gestalten und noch viel Zeit in Anspruch nehmen dürften.

Immerhin: Die Brandspezialisten haben ihre Arbeit am Schadenplatz am Freitag fortführen können. Zumindest in jenen Teilen des Gebäudes, wo die Sicherheit habe gewährleistet werden können, sagt Jäggi.

Zu Spekulationen der Tageszeitung «Blick», wonach das Feuer durch marode Elektroinstallationen ausgelöst worden sein könnte, äussert sich die Polizei nicht. Auch Tanner will dazu keine Stellung nehmen.

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