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Inderinnen wehren sich gegen «ungewollten» Namen

Knapp 300 indische Mädchen haben ihren alten «ungewollten» Namen abgelegt. Sie hoffen auf ein neues Leben. Denn sie hiessen «Nakusa» oder «Nakushi», was auf Hindi «ungewollt» bedeutet.

Nicht mehr «ungewollt»: Mädchen halten in Satara die Zertifikate, die offiziell ihre neuen Namen bestätigen.
Nicht mehr «ungewollt»: Mädchen halten in Satara die Zertifikate, die offiziell ihre neuen Namen bestätigen.
Keystone

285 Inderinnen tauschten ihren alten Namen gegen einen Neuen. Sie alle wurden von ihren Eltern «ungewollt» genannt. Deshalb war für sie der Samstag ein Freudentag. Zu der von den Behörden des Bezirks Satara im Staat Maharashtra organisierten Übergabezeremonie der Namensurkunden erschienen die 285 Mädchen in ihren besten Kleidern.

Einige der Mädchen suchten sich Namen von Bollywoodstars aus oder schlicht positiver klingende traditionelle Namen, wie «Vaishali», was «wohlhabend, schön und gut» bedeutet.

«Jetzt werden mich in der Schule meine Klassenkameraden und Freunde mit dem neuen Namen rufen und das macht mich sehr glücklich», sagte ein 15-jähriges Mädchen, die von ihrem bei ihrer Geburt enttäuschten Grossvater «Nakusa» genannt wurde. Sie hat sich für ihr zukünftiges Leben den Namen «Ashmita» ausgesucht, was auf Hindi «sehr robust» oder «steinhart» bedeutet.

Diskriminierung von Töchtern bekämpfen

Durch die Umbenennung soll den Mädchen ihre Würde wiedergegeben werden und die in Indien weitverbreitete Diskriminierung von Töchtern bekämpft werden.

Die diesjährige Volkszählung kam zu dem Ergebnis, dass das Verhältnis von Mädchen zu Jungs bei Kindern unter sechs Jahren landesweit von 927 zu 1000 auf 914 zu 1000 gefallen ist. Im Staat Maharashtra fiel es im vergangenen Jahrzehnt sogar von 913 zu 1000 auf 883 zu 1000 und im Bezirk Satara kommen auf 1000 Jungs nur noch 881 Mädchen.

Mädchen kosten bei Hochzeit ein Vermögen

Derartig aus dem Gleichgewicht geratene Geschlechterverhältnisse in Indien entstehen dadurch, dass Mädchen häufiger abgetrieben werden oder dass die Sterberate bei Mädchen höher ist, weil sie stärker vernachlässigt werden. Zwar ist es Spitälern verboten, vor der Geburt das Geschlecht des Kindes zu verraten und auch gezielte Abtreibungen von Mädchen sind verboten. Allerdings deutet vieles darauf hin, dass diese Vorschriften nicht eingehalten werden.

Während Mädchen die Familien in traditionellen hinduistischen Gesellschaften bei der Hochzeit ein Vermögen kosten, bringen Jungs eine Braut und ihre Aussteuer mit nach Hause. Ausserdem sieht die hinduistische Tradition vor, dass nur Söhne die Scheiterhaufen der verstorbenen Eltern entzünden dürfen.

SDA/rub

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