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Irland lässt nach 800 Leichen unter katholischem Heim suchen

Die Regierung will ein besonders düsteres Kapitel der irischen Geschichte aufarbeiten und hat umfassende Ausgrabungen genehmigt.

Auf dem Gelände des ehemaligen Mutter-und-Baby-Hauses in Tuam wurde an der Stelle eines Massengrabes mit bis zu 800 Kindern ein Schrein errichtet.
Auf dem Gelände des ehemaligen Mutter-und-Baby-Hauses in Tuam wurde an der Stelle eines Massengrabes mit bis zu 800 Kindern ein Schrein errichtet.
Aidan Crawley, Keystone
Ingenieure suchen mit einem Bodenradar das Gelände des ehemaligen Heims der katholischen Kirche ab.
Ingenieure suchen mit einem Bodenradar das Gelände des ehemaligen Heims der katholischen Kirche ab.
Aidan Crawley, Keystone
In this photo taken on Tuesday, Oct. 23, 2018, Children's Minister Katherine Zappone announces the forensic excavation of the site of a former mother and baby's home in Tuam, at Government Buildings in Dublin.  Ireland's government has approved a forensic excavation of a Catholic-run orphanage where a mass grave containing the remains of hundreds of children was discovered. The excavation follows a report from a judge-led commission that confirmed underground chambers at the former Bon Secours Mother and Baby Home in Tuam, County Galway, contained 'significant quantities of human remains.'
In this photo taken on Tuesday, Oct. 23, 2018, Children's Minister Katherine Zappone announces the forensic excavation of the site of a former mother and baby's home in Tuam, at Government Buildings in Dublin. Ireland's government has approved a forensic excavation of a Catholic-run orphanage where a mass grave containing the remains of hundreds of children was discovered. The excavation follows a report from a judge-led commission that confirmed underground chambers at the former Bon Secours Mother and Baby Home in Tuam, County Galway, contained 'significant quantities of human remains.'
(Niall Carson/PA via AP), Keystone
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Auf der Suche nach fast 800 Kinderleichen hat die irische Regierung systematische Ausgrabungen auf dem Grundstück eines ehemaligen Heims der katholischen Kirche im Westen Irlands genehmigt (Mitteilung der Regierung). Die Leichen sollen exhumiert, identifiziert und umgebettet werden. Die Kosten könnten sich bis auf 13 Millionen Euro belaufen.

Die Ordensgemeinschaft von Bon Secours hatte die Mutter-Kind-Einrichtung in Tuam im County Galway von 1925 bis 1961 betrieben. Diese Einrichtungen waren «Besserungsanstalten für gefallene Mädchen» und ursprünglich für Prostituierte gedacht. Aber auch viele unverheiratete Mütter wurden hier mit ihren Kindern festgehalten.

Stigmatisierung von Alleinerziehenden

Ledige Mütter waren im damals erzkatholischen Irland stigmatisiert. In Heimen wie dem in Galway sollten die «gefallenen Mädchen» Busse tun, und wenn alles gut lief, kehrten sie nach einer Weile in ein normales Leben zurück. Doch viel zu oft verliessen sie die Heime ohne ihre Kinder, weil diese entweder starben oder zur Adoption freigegeben wurden.

Erste Skelette im Erdreich waren bereits vor Jahrzehnten entdeckt worden. Anwohner glaubten Berichten zufolge anfangs, dass es sich um Opfer der irischen Hungersnot im 19. Jahrhundert handelte.

Später entdeckten Experten unterirdische Kammern mit menschlichen Überresten – es waren Föten und Kleinkinder im Alter von bis zu drei Jahren. Nun soll das Grundstück systematisch abgesucht werden, wie das irische Kinderministerium am Montag in Dublin mitteilte.

Wie Abfall verscharrt

In dem Heim seien tote Mädchen und Jungen wie Abfall verscharrt worden. Statt auf dem kirchlichen Friedhof wurden die verstorbenen Kinder in Klärgruben, Abwasserkanälen und unterirdischen Kammern entsorgt, berichteten Überlebende.

Die Historikerin Catherine Coreless aus Tuam hatte den Fall ins Rollen gebracht. Sie fand in einem Sterberegister Einträge für knapp 800 Kinder, die im Laufe der 36 Jahre in dem Heim gelebt hatten. Aber nur für ein Kind konnte sie nachweisen, dass es beerdigt worden war.

Tuam ist kein Einzelfall. Die Republik Irland arbeitet mit Hilfe einer Kommission landesweit die Geschichte der sogenannten Magdalene Laundries (Wäschereien für Sünderinnen) für ledige Mütter und deren Kinder auf – unter anderem auch mit Filmen wie «The Magdalene Sisters» aus dem Jahr 2002. Zehntausende «gefallener Frauen» sollen in solchen Einrichtungen untergebracht worden sein.

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