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Irland stimmt über Abtreibung ab

Reformer sehen erstmals Chancen für eine Aufhebung des 1983 per Referendum verankerten absoluten Verbots.

Demonstrantinnen für das Recht auf Abtreibung in Dublin. Foto: Getty
Demonstrantinnen für das Recht auf Abtreibung in Dublin. Foto: Getty

Gelingt es den Iren, ein altes Tabu zu brechen? Am späten Montagabend beschloss die irische Regierung, im Frühling ein neues Referendum zur Änderung der irischen Verfassung anzusetzen. Regierungschef Leo Varadkar hält eine Reform für unerlässlich, weil seiner Ansicht nach die Abtreibungsbestimmungen des Landes «zu restriktiv» sind. Varadkar setzt sich für eine 12-Wochen-Regelung ein.

Jüngsten Umfragen zufolge könnten die Reformer es erstmals schaffen. Von den Wählern, die sich bereits eine Meinung gebildet haben, wollen mindestens 60 Prozent den Zusatzartikel 8 der Verfassung löschen. Er wurde auf Betreiben katholischer Kirchenfürsten vor 35 Jahren ebenfalls per Referendum festgeschrieben, damit keine Regierung eine «Aufweichung» des Verbots wagen würde.

4000 Irinnen treiben jedes Jahr in England ab

Der Zusatzartikel von 1983 stellte das Recht eines Fötus auf Leben prinzipiell dem Lebensrecht einer Schwangeren gleich. Abtreibung war damit ein krimineller Akt. Ein Arzt, der in Irland eine Abtreibung durchführt, muss mit 14 Jahren Gefängnis rechnen. Zum Austragen gezwungen sind auch Schwangere nach einer Vergewaltigung. Auch schwere Missbildungen bei Föten sind nach irischem Recht kein Abtreibungsgrund.

Amnesty International hat seit langem darauf verwiesen, dass Irland eine geradezu «mittelalterliche» Haltung zur Abtreibungsfrage habe. Irinnen würden «wie Verbrecherinnen behandelt, stigmatisiert und zur Reise ins Ausland gezwungen». Mehr als 4000 Irinnen setzen jedes Jahr über die Irische See, um in England abtreiben zu lassen.

Die Kirche wehrt sich

Mehrere Bemühungen zur Abschaffung des Verfassungszusatzes sind seit 1983 ins Leere gelaufen. Religiöse und sozialkonservative Gruppen hielten vehement allen Vorstössen stand. Erst jetzt deutet sich ein Wandel an. Sowohl Regierungschef Varadkar wie Oppositionsführer Micheál Martin, die Repräsentanten der beiden «staatstragenden» Mitte-rechts-Parteien Fine Gael und Fianna Fail, haben sich für die Reform ausgesprochen. Beide haben sich zu einer «neuen Sichtweise» durchgerungen – teils gegen erbitterten Widerstand aus den eigenen Reihen.

Eine Reihe spektakulärer Fälle führte vielerorts zum Umdenken. Etwa der einer indischen Ärztin, die 2012 in kritischem Zustand in ein Spital in Galway eingeliefert wurde und der man einen Schwangerschaftsabbruch verweigerte, «weil wir ein katholisches Land sind», wie ihr eine Krankenschwester erklärte.

Bei Lebensgefahr für die Schwangere legal

Die Frau starb wenig später an den Folgen der Fehlgeburt, die sie erlitt. Nach diesem Fall, der Zehntausende auf die Strassen brachte, wurde 2013 akute Lebensgefahr für Schwangere als Grund für einen Abbruch per Gesetzesänderung akzeptiert.

Eine weitergehende Liberalisierung kann es aber erst nach einer Verfassungsänderung geben. Der Reform widersetzen will sich noch immer die katholische Kirche. Kevin Doran, der Bischof des Bistums Elphin, warnte bereits, wer Zusatzartikel acht streiche, öffne Politikern den Weg für jeden beliebigen Abtreibungs- und Euthanasie-Plan.

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