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Japan erteilt Boeings Dreamliner Flugverbot

Wieder negative Schlagzeilen für den Flugzeughersteller Boeing: Ein Dreamliner der japanischen Fluggesellschaft All Nippon Airways musste nach Rauchentwicklung im Cockpit notlanden. Das hat Konsequenzen.

Seit mehr als einer Woche kommt Boeings Prestigeobjekt nicht aus den Negativschlagzeilen: Auf dem Weg von Ube im Westen Japans in die Hauptstadt Tokio musste eine Boeing 787 der Fluggesellschaft All Nippon Airways (ANA) notlanden. Grund sei die «Fehlermeldung einer Batterie», sagte eine Sprecherin. Japans Verkehrsminister Akihiro Ota sprach von einem «ernsten Zwischenfall, der zu einem schweren Unfall hätte führen können».

In jüngster Zeit hatte es mehrere Technikpannen bei dem Prestigeobjekt von Boeing gegeben. Wegen der Vorfälle leiteten die US-Luftfahrtbehörde FAA und die japanische Zivilschutzbehörde Untersuchungen ein, die nun noch einmal ausgeweitet wurden. Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB kündigte an, eine Inspektorin nach Japan zu schicken. Sie werde von FAA-Beamten und Vertretern von Boeing begleitet und solle mit der japanischen Behörde zusammenarbeiten.

Wichtige Kunden

ANA und Japan Airlines (JAL) zählen zu den wichtigsten Kunden von Boeing: ANA hat 17 Dreamliner in Betrieb, JAL sieben. Zudem liegen dem US-Flugzeugbauer Bestellungen der beiden Unternehmen für dutzende weitere Exemplare vor. Weltweit wurden bisher 49 Dreamliner ausgeliefert. Zahlreiche Airlines aus Asien, Europa und Afrika erklärten am Mittwoch, an ihren Bestellungen festzuhalten.

Die Entwicklung des aus Leichtmaterial gebauten Dreamliners war als Meilenstein in der Luftfahrt gefeiert worden. Am Bau des Fliegers sind zahlreiche japanische Firmen beteiligt. Rund ein Drittel der Produktion des Rumpfs und 15 Prozent der Motoren liegt in japanischen Händen. Beteiligt sind unter anderem Mitsubishi, Kawasaki und Fuji. Bridgestone liefert Reifen, das Unternehmen Kobe Steel den Rohstoff Titan. Der Elektronik-Hersteller Panasonic liefert das Unterhaltungssystem.

Die Vorfälle könnten «einen Schatten auf die japanische Wirtschaft werfen in einem Moment, in dem die Hoffnungen auf einen Aufschwung wachsen», sagte Experte Hajime Tozaki von der Universität in Waseda. So liess der Aktienkurs der japanischen Gesellschaft GS Yuasa, die Batterien für den Dreamliner liefert, um fast fünf Prozent nach. Auch die Boeing-Aktie verlor an Wert.

Lange Pannnenserie

Boeing verzeichnet mit dem Dreamliner bereits über eine längere Pannenserie:

15. Dezember 2009:Mehr als zwei Jahre später als geplant hebt der Dreamliner am Boeing-Stammsitz in Everett bei Seattle zu seinem Jungfernflug ab. Probleme mit der neuartigen Technologie und der auf zahlreiche Zulieferer verteilten Fertigung führten zu immer neuen Verzögerungen.

25. September 2011:Mit drei Jahren Verspätung liefert Boeing den ersten Dreamliner aus. Die Maschine geht an die japanische Fluggesellschaft All Nippon Airways, die schon seit Jahren auf ihre Visitenkarten das 787-Logo und den Spruch «We Fly 1st» (Wir fliegen als erste) druckt.

18. Oktober 2011: Einer der Hauptkunden des Dreamliners springt ab. Die chinesische Fluggesellschaft China Eastern Airlines storniert ihren Auftrag über 24 Flugzeuge mit einem Listenwert von mehr als drei Milliarden Dollar. Stattdessen bestellt das Unternehmen 45 Flugzeuge des modernisierten Modells 737, die etwa genauso viel kosten.

6. Februar 2012:Bei einigen Maschinen des neuen Langstreckenflugzeugs sind Reparaturarbeiten am Heck nötig. Abstandhalter zwischen der Aussenhaut und der tragenden Konstruktion im Inneren des Flugzeugs sind zum Teil mangelhaft. Während die meisten Langstreckenflugzeuge über eine Aussenhaut aus Aluminium verfügen, ist die Hülle des Dreamliners fast vollständig aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff gefertigt.

30. Juli 2012: Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB untersucht einen Zwischenfall mit einem Triebwerk des Dreamliners. Einem Zeitungsbericht zufolge fielen bei den Vorbereitungen für einen Start in North Charleston im US-Staat South Carolina Triebwerksteile auf die Startbahn, die das angrenzende Gras in Brand setzten. Der Flughafen Charleston International sei daraufhin für eine Stunde geschlossen worden, hiess es.

9. Januar 2013:In einer Woche gibt es gleich mehrere Pannen mit einem Dreamliner. Auf dem Flughafen von Boston bricht zunächst ein Feuer in einer Batterie eines Dreamliners aus. Zu dem Zeitpunkt waren keine Fluggäste in der Maschine. Ein anderes Flugzeug des Typs muss den Start abbrechen, weil aus der Maschine 150 Liter Treibstoff auslaufen. Die US-Flugsicherheitsbehörde nennt den Brand schwerwiegend und untersucht den Zwischenfall. Ausserdem bricht in Tokio ein Dreamliner von All Nippon Airlines nach Presseberichten wegen Bremsproblemen den Start ab.

13. Januar 2013:Japan Airlines entdeckt zum zweiten Mal in einem Dreamliner ein Treibstoffleck. 100 Liter Treibstoff flossen aus. Bei der Maschine soll es sich um dieselbe handeln, bei der bereits Tage vorher in Boston ein Treibstoffleck gefunden wurde. Die US-Luftfahrtbehörde FAA hatte zuvor den Dreamliner zwar für flugtauglich erklärt, aber eine Untersuchung angeordnet.

(AFP/dapd)

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