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Kachelmann-Prozess ohne Zuschauer

Im Vergewaltigungsprozess gegen Jörg Kachelmann haben heute der Vater von Sabine W. und eine Ex-Geliebte des Angeklagten ausgesagt.

Johann Schwenn erhebt nach dem Urteil schwere Vorwürfe gegen das Mannheimer Gericht. (31. Mai 2011)
Johann Schwenn erhebt nach dem Urteil schwere Vorwürfe gegen das Mannheimer Gericht. (31. Mai 2011)
Keystone
Kolumnistin Alice Schwarzer prangert das «frauenfeindliche Justizsystem» an.
Kolumnistin Alice Schwarzer prangert das «frauenfeindliche Justizsystem» an.
Reuters
Sabine W. – hier mit einer Buchbotschaft zu Kachelmann – hat im Oktober an vier Tagen vor dem Mannheimer Landgericht ausgesagt. Sie wurde mehr als 20 Stunden befragt.
Sabine W. – hier mit einer Buchbotschaft zu Kachelmann – hat im Oktober an vier Tagen vor dem Mannheimer Landgericht ausgesagt. Sie wurde mehr als 20 Stunden befragt.
Keystone
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Der sechste Verhandlungstag im Kachelmann-Prozess hat am Montag unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden. Sowohl der Vater des mutmasslichen Opfers Sabine W. als auch eine frühere junge Freundin des TV-Wettermoderators wollten nicht unter der Anwesenheit von Zuschauern und Medien vor dem Landgericht Mannheim aussagen. Mehr als kurze Angaben zur Person bekam die Öffentlichkeit nicht mit.

Der Vater, ein pensionierter Studiendirektor, wurde rund vier Stunden lang ausführlich befragt. Seine Tochter, eine 37-jährige Radiomoderatorin, war am Morgen des 9. Februar nach der angeblichen Tat zu ihren Eltern in die nahe gelegene Schwetzinger Wohnung gekommen. Ihr Vater, selbst zehn Jahre lang Schöffe, rief die Polizei an und reichte den Hörer an seine Tochter weiter. Sie berichtete dann von der Vergewaltigung, ohne den Namen Kachelmanns zunächst zu nennen. Kachelmann bestreitet die Tat und spricht von einer Falschanschuldigung seiner langjährigen Freundin, nachdem sie von seiner Untreue erfahren hatte. Im Prozess steht Aussage gegen Aussage.

Persönlichkeitsschutz überwiegt «bei weitem»

Es ist bereits das dritte Mal, dass in dem seit 6. September laufenden Vergewaltigungsprozess die Öffentlichkeit ausgeschlossen wurde. Auch die rund vierstündige Vernehmung der Mutter des möglichen Vergewaltigungsopfers und einer anderen Kachelmann-Freundin fand ohne Öffentlichkeit statt.

Grundsätzlich hat die Öffentlichkeit von Gerichtsverfahren hohen Rang. Ausnahmen sind aber möglich. Die 5. Grosse Strafkammer des Landgerichts Mannheim begründet ihre Entscheidungen regelmässig damit, dass die Zeugen auch über das engste Familienleben und intime Beziehungen befragt würden. Deshalb überwiege ihr Persönlichkeitsschutz das Interesse der Öffentlichkeit «bei weitem», sagte der Vorsitzende Richter Michael Seidling auch am Montag in der Begründung.

Am Mittwoch geht der Prozess weiter

Der Kachelmann-Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt - wahrscheinlich wieder ohne Öffentlichkeit. Denn dann sollen weitere Frauen in den Zeugenstand, die mit Kachelmann liiert waren. Das Gericht will sich ein Bild von den Beziehungen machen, die Kachelmann führte. Die entscheidende Zeugin, das mögliche Vergewaltigungsopfer und Kachelmanns langjährige Freundin, soll am 13. Oktober aussagen. Auch diese Vernehmung wird aller Voraussicht nach ohne Publikum stattfinden.

Der Kachelmann-Prozess dreht sich um die zentrale Frage, was in der Nacht vom 8. auf den 9. Februar 2010 in der Wohnung von Sabine W. in Schwetzingen passierte. Die Verhandlung am Mannheimer Landgericht wird bis kurz vor Weihnachten dauern.

dapd/vin

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