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Katars Kampf gegen nackte Haut

Im streng islamischen Katar werden Ausländerinnen zu Kopftuch und langen Gewändern aufgefordert. Wer steckt hinter der Kampagne? Die Männer sind es nicht.

«Zieht euch schick an, aber mit Anstand»: Die Geschäftsfrau Suhaila al-Harab unterstützt die Kampagne. (3. Juni 2014)
«Zieht euch schick an, aber mit Anstand»: Die Geschäftsfrau Suhaila al-Harab unterstützt die Kampagne. (3. Juni 2014)
Razan Alzayani, Keystone

Mit einer Kampagne für sittsame Kleidung setzen sich Aktivistinnen in Katar gegen nackte Haut zur Wehr. Auf Flugblättern werden Ausländerinnen aufgerufen, die islamische Kultur des Golfstaats zu achten und sich nicht allzu freizügig anzuziehen.

Wegen der tief ausgeschnitten Tops, knappen Kleider und Miniröcke der Ausländerinnen meidet Mariam Saleh an Wochenenden Einkaufszentren und Freiluftmärkte. Denn sie möchte nicht, dass ihre Kinder Frauen in solch freizügiger Kleidung sehen. Saleh ist Mitstreiterin einer Kampagne von Einheimischen in Katar, die die Nase voll haben von leicht bekleideten Touristinnen. Denn schliesslich sei Katar ihr Land, und nicht sie sollten sich unwohl fühlen, weil Besucher im heissen Golfstaat Haut zeigen oder sich wie bei sich zu Hause kleiden wollten.

Strenge Moralpolizei

Die Kampagne will Ausländerinnen dazu ermuntern, sich konservativer anzuziehen. Dahinter stehen nicht religiöse Hardliner, sondern gemässigte Einheimische, die besorgt sind, dass ein stetiger Zustrom von Ausländern ihre Sitten und Traditionen bedroht. Sie seien Mütter und Ehefrauen, aber zugleich auch Hüterinnen der islamischen Gesellschaft Katars, sagen die Aktivistinnen.

Die meisten Frauen in Katar bedecken ihr Haar und tragen lange, weite schwarze Gewänder. Viele bedecken auch ihr Gesicht, wie es im benachbarten Saudiarabien üblich ist. Dort achtet eine strenge Moralpolizei auf die Einhaltung der Kleiderordnung - sowohl bei Einheimischen als auch bei Ausländern.

Regierung hält sich raus

Seit dieser Woche verteilen die Aktivistinnen Flugblätter. Am 20. Juni wollen sie in der Hauptstadt Doha Buden aufstellen und mehr als 200'000 Flugblätter mit Slogans wie «Leggins sind keine Hosen» oder «Wenn du in Katar bist, bist du eine von uns» verteilen. Damit wollen sie das Bewusstsein für örtliche Befindlichkeiten schärfen. Kinder werden die Slogans auf T-Shirts tragen, und Männer wie Frauen wollen zu den Handzetteln traditionellen Kaffee, Schokolade und Rosen reichen.

Die Regierung, die aus Rücksicht auf die Ausländer Alkohol in Hotels erlaubt, hat mit der Kampagne nichts zu tun. Diese wird von Freiwilligen und einem Klub von Geschäftsfrauen finanziert. Es handele sich um eine Basisbewegung zur Information von Ausländern, sagen die Aktivistinnen, nicht um eine Forderung nach neuen Gesetzen. Politischem Aktivismus jeglicher Art wird vom regierenden Königshaus enge Grenzen gesetzt. Und von der prowestlichen Regierung, die vom Tourismus und ausländischen Investitionen profitiert, sind Gesetze gegen freizügige Kleidung nicht zu erwarten.

Konservative Bevölkerung wird überrollt

Geld aus dem Erdgasgeschäft hat die Hauptstadt innerhalb weniger Jahrzehnte von einem Fischerort in ein globales Investitionszentrum verwandelt. Die Geschwindigkeit der Transformation hat die konservative Bevölkerung überrollt. Katarer machen derzeit weniger als zehn Prozent der 2,1 Millionen Einwohner des Landes aus. Die meisten anderen sind Gastarbeiter aus Asien, Afrika und dem Nahen Osten sowie westliche Ausländer, die vorübergehend im Land leben. Wie andere Golfstaaten ist Katar, wo 2022 die Fussballweltmeisterschaft ausgetragen werden soll, auf die Ausländer angewiesen - vom Bauarbeiter bis zum Spitzenexperten.

Vor vier Jahren starteten besorgte Bürger bereits eine Kampagne unter dem Motto «Eine von uns». Mit ihr sollten Ausländerinnen ermuntert werden, ihre Haut von den Schultern bis zu den Knien zu bedecken. Doch die Kampagne machte wenig Eindruck auf Besucherinnen, denen die katarische Gesellschaft fremd war. Die aktuelle Kampagne steht unter dem Motto «Reflektiere deinen Respekt». Die Flugblätter tragen eine zentrale Bitte: «Hilf uns, die Kultur und Werte Katars zu bewahren».

«Macht euch schick»

«Wir fordern euch nicht dazu auf, euch nicht schick zu machen. Zieht euch schick an, aber mit Respekt, mit Anstand», sagt die Geschäftsfrau Suhaila al-Harab, die die Kampagne unterstützt. «Ich komme in ein konservatives Land. Ich muss die Kultur dieser Gesellschaft respektieren. Dies ist eine empfindliche Gesellschaft, und man muss auf diesen Punkt Rücksicht nehmen.»

Ihre Söhne würden von westlichen Filmen, Musik und Modetrends überflutet, sagt Al-Harab. Katar sei an Ausländer gewöhnt und bereit, Menschen aus aller Welt zur WM willkommen zu heissen, doch sollten sich Besucher gegenüber ihnen ungewohnten Vorstellungen aufgeschlossen zeigen. «Es ist sehr schön, wenn sich eine Frau sittsam kleidet», sagt sie.

«Die Erde hat eine äussere Sphäre, eine Atmosphäre, um sie zu bedecken und zu schützen», erklärt Aktivistin Saleh. «Das Ei hat seine Schale. Alles hat etwas, das es schützt. Nach unserem Empfinden ist eine Frau wie eine Perle. Sie braucht eine Hülle, um wachsen und gedeihen zu können.»

AP/thu

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