Zum Hauptinhalt springen

Katholische Kirche deckte pädophilen Priester

22 Kinder hatte ein Kapuzinerpriester sexuell missbraucht. Orden und Bistum schauten jahrelang weg, wie nun eine Untersuchung zeigt.

22 Kinder wurden in der Schweiz und in Frankreich Opfer eines heute 77-jährigen Mannes, dessen Übergriffe vor einem Jahr das Missbrauchsopfer Daniel Pittet (vorne links) in einem Buch enthüllte. (27. März 2018)
22 Kinder wurden in der Schweiz und in Frankreich Opfer eines heute 77-jährigen Mannes, dessen Übergriffe vor einem Jahr das Missbrauchsopfer Daniel Pittet (vorne links) in einem Buch enthüllte. (27. März 2018)
Jean-Christophe Bott, Keystone
Der Orden und die katholische Kirche schauten jahrelang weg.
Der Orden und die katholische Kirche schauten jahrelang weg.
Jean-Christophe Bott, Keystone
Daniel Pittet (links) und Agostino del-Pietro geben sich die Hand. Der Provinzial der Schweizer Kapuziner bat im Namen seines Ordens um Entschuldigung und kündigte an, ab sofort Fragen zur Sexualität in Aus- und Weiterbildungen zu integrieren.
Daniel Pittet (links) und Agostino del-Pietro geben sich die Hand. Der Provinzial der Schweizer Kapuziner bat im Namen seines Ordens um Entschuldigung und kündigte an, ab sofort Fragen zur Sexualität in Aus- und Weiterbildungen zu integrieren.
Jean-Christophe Bott, Keystone
1 / 3

Im Fall des Kapuzinerpriesters, dessen pädophile Übergriffe vor einem Jahr in einem Buch enthüllt wurden, haben der Orden und die katholische Kirche jahrelang weggeschaut. Das zeigt der am Dienstag präsentierte Untersuchungsbericht.

Wie der ehemalige Freiburger Kantonsrichter Alexandre Papaux in Freiburg vor den Medien sagte, hat die Untersuchung nichts an der Zahl der Opfer geändert. Es geht um 22 Kinder in der Schweiz und zwei in Frankreich.

«Fürchterliche Sünde»

Sie wurden Opfer eines heute 77-jährigen Mannes, dessen Übergriffe vor einem Jahr das Missbrauchsopfer Daniel Pittet in einem Buch enthüllte. Papst Franziskus höchstpersönlich lieferte dem Freiburger das Vorwort. Er bezeichnet darin Kindsmissbrauch als «fürchterliche Sünde». Der Kapuzinerorden kündigte in der Folge die Untersuchung an.

Wie diese nun zeigt, gingen erste Klagen zu Übergriffen des Kapuzinerpriesters in den 1970er Jahren ein. Die Oberen des Ordens gingen zuerst nicht auf die Klagen ein. Später begnügten sie sich damit, den Priester zu versetzen.

Auch die Diözese Lausanne, Genf und Freiburg der katholischen Kirche blieb passiv gegenüber den Opfern und schaltete die Justiz nicht ein. Die Kirche rief auch dann nicht die Justiz auf den Plan, als der Priester 1989 einen noch nicht verjährten Missbrauch zugab.

Provinzial bittet um Vergebung

Der heutige Provinzial der Schweizer Kapuziner, Agostino del-Pietro, sagte am Dienstag in Freiburg, ein solcher Fall dürfe sich nie mehr wiederholen. Er bat im Namen seines Ordens um Entschuldigung. Ab sofort würden bei den Kapuzinern Fragen der Sexualität in die Aus- und Weiterbildung integriert.

Erst im Mai 2017 war der pädophile Priester, der heute in einem Kloster in der Ostschweiz lebt, vom Orden ausgeschlossen worden. Damals wurde er auch aus dem Priesterstand entlassen.

Der Ex-Priester stand nach Angaben der Schweizer Bischofskonferenz von vergangenem Jahr drei Mal wegen sexueller Übergriffe vor Gericht. Zweimal ging es um verjährte Fälle, im dritten Fall sei der Mann 2012 zu einer Haft von zwei Jahren bedingt verurteilt worden. Dabei sei es um den Missbrauch zweier Opfer in den 1990er-Jahren gegangen. Pittets Fall ist strafrechtlich abgeschlossen.

Bischof begrüsst Untersuchung

Der Bischof von Lausanne, Genf und Freiburg, Charles Morerod, begrüsste in einer Mitteilung vom Dienstag die Untersuchung der Kapuziner. Die Diözese habe der Untersuchungskommission, der drei Personen angehörten, zur Unterstützung ihre Archive geöffnet.

Auch habe das Bistum den Kontakt zu Opfern und Zeugen ermöglicht. Es geht um Personen, die sich seit der Veröffentlichung des Buches an die Diözese wandten. Morerod ruft im Communiqué Opfer dazu auf, sich auf jeden Fall bei der Justiz zu melden. Auch falls ihre Fälle strafrechtlich verjährt sein sollten, könnten sich zwei für solche Fälle gebildete kirchliche Kommissionen um Wiedergutmachung kümmern.

SDA/oli

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch