Kim Jong-uns diskretes Leben in der Schweiz

Zwei Jahre seiner Jugend hat Nordkoreas Diktators in Bern verbracht. Ein ehemaliger Nachbar erinnert sich.

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Der nordkoreanische Diktator Kim Jong-un war zwölf Jahre alt, als er in die Schweiz kam. Er lebte bei seiner Tante in Bern – genauer: an der Kirchstrasse in Liebefeld, wo auch Victor Schmid einst gewohnt hat. Im Quartier habe man angenommen, dass es sich um Botschaftsangestellte handle, sagt Schmid in Claude Longchamps Blog «Stadtwanderer».

Persönlich habe er nie Kontakt mit Kim Jong-un gehabt, wie auch die restlichen Quartierbewohner nicht, erzählt Schmid weiter. «Wie Luft» hätten sich die Nordkoreaner und die restlichen Erwachsenen gegenseitig behandelt. «Distanzierter Respekt habe das Verhältnis zu den Leute aus dem fernen Osten geprägt», heisst es im Blog.

Immer in Begleitung

Das Auftreten der Nordkoreaner sei diskret gewesen. So besassen sie auch einen unauffälligen schwarzen VW-Bus mit getönten Scheiben. Ein Chauffeur habe Kim Jong-un jeweils vor dem Haus abgeholt.

Trotzdem habe man die Kinder der Nordkoreaner oft draussen gesehen. Mehrere Buben hätten jeweils auf einem Platz stundenlang Basketball gespielt. Der Korb ist nicht mehr aufgehängt, der Platz existiert jedoch heute noch. Der Jüngste sei der auffälligste gewesen, so der ehemalige Nachbar. Die Kinder seien stets in Begleitung von mehreren Erwachsenen gewesen.

Klagen wegen Basketball

Hat es jemals Streitigkeiten gegeben? Es habe Klagen wegen des anhaltenden Basketballspiels der Jungs gegeben – niemand sei jedoch bestraft worden.

Mit 14 Jahren, im Jahr 1998, hat Kim die Schweiz wieder verlassen. Seine Tante ist im gleichen Jahr in die USA gezogen, wo sie auch heute noch lebt. Der «Washington Post» gab sie kürzlich ein Interview. Darin sagt sie, sie habe mit Kim Jong-un in Bern «in einem normalen Haus, wie eine normale Familie gelebt». (woz)

Erstellt: 30.06.2016, 15:15 Uhr

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