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Kleinkind zu viel Medizin gespritzt

An einem Berner Spital starb 2006 ein Kleinkind, nachdem eine Pflegefachfrau ihm eine falsche Medikamente-Dosis verabreicht hatte. Jetzt ist die Pflegerin freigesprochen worden.

Eine Berner Pflegefachfrau ist nicht schuld am Tod eines Kleinkinds, das 2006 nach der fehlerhaften Dosierung eines Medikaments in einer Berner Kinderklinik verstarb. Das hat am Mittwoch an einem Prozess in Bern eine Strafeinzelrichterin entschieden.

Richterin Bettina Bochsler hält es zwar für erwiesen, dass die Pflegefachfrau statt 150 Mikrogramm eines Medikaments die dreifache Menge bereitstellte und somit einen Fehler beging. Ein Gutachten habe aber ergeben, dass das Kind möglicherweise auch bei der Dosierung gestorben wäre, welche die Ärztin verlangt hatte.

Damit sei die vom Gesetz her geforderte an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit, dass der Fehler für den Tod des Kindes verantwortlich sei, nicht gegeben, so die Richterin weiter.

Antrag des Verteidigers gefolgt

Das damals elfmonatige Kind litt an einer Kombination von Herzrhythmusstörungen und einer Herzmuskelerkrankung, die ein von der Richterin befragter Sachverständiger als sehr selten bezeichnete. Es befand sich in der Intensivstation.

Mit dem Urteil folgte die Richterin dem Antrag des Verteidigers Franz Müller. Ihm zufolge zeigte sich das fragliche Spital selber an. Zum Prozess kam es, weil nach einem ersten Gutachten Hinweise auf ein strafrechtlich relevantes Fehlverhalten der Pflegefachfrau vorlagen. Die Staatsanwaltschaft kann noch gegen das Urteil appellieren.

Bisher unbekannter Fall

Der Fall von 2006 war bisher in der Öffentlichkeit nicht bekannt. Viel zu reden gab hingegen ein Fall aus dem Jahr 2000, als im Inselspital drei Kleinkindern eine Nährlösung zugführt wurde, die statt Glukose vermutlich Kalziumchlorid enthielt. Alle drei starben, doch nur in einem Fall konnte der Tod auf eine falsche Etikettierung auf Infusionsflaschen zurückgeführt werden.

In der ganzen Schweiz entbrannte in der Folge eine Diskussion um Transparenz bei medizinischen Kunstfehlern. Das Inselspital zog aus dem Vorfall die Konsequenz, Infusionslösungen einzufärben, um Verwechslungen auszuschliessen.

Damals hiess es, das Bundesamt für Sozialversicherung schätze die Anzahl Todesfälle aufgrund von vermeidbaren medizinischen Fehlern in Schweizer Spitälern pro Jahr auf 2000 bis 3000. Längst nicht alle Fälle würden publik. Ein ehemaliger Apotheker und ein Laborant des Inselspitals wurden schliesslich 2005 in zweiter Instanz zu bedingten Gefängnisstrafen von 15 und 20 Tagen verurteilt.

SDA/oku

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