Klima-Camp im Elsass trainiert Aktivisten in zivilem Ungehorsam

Menschenketten, Sitzblockaden, Widerstand: Mehr als tausend Umweltschützer üben im Elsass das Demonstrieren.

Trainieren für den Umweltschutz: Aktionen wie die Blockade der UBS in Basel sollen im Camp geübt werden. (Foto: Keystone)

Trainieren für den Umweltschutz: Aktionen wie die Blockade der UBS in Basel sollen im Camp geübt werden. (Foto: Keystone)

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Sie wollen unbedingt etwas bewegen für den Klimaschutz – zwar nicht durch Gewalt, aber wenn nötig durch zivilen Ungehorsam. In einem Klima-Camp im Elsass lassen sich derzeit rund tausend Teilnehmer angesichts der Besorgnis erregenden Erderwärmung zu kämpferischen Umweltschützern ausbilden.

«Ich kann nicht mehr in den Spiegel schauen, wenn ich jetzt nichts tue», sagt etwa Christine. Neben der Rentnerin aus dem Südwesten Frankreichs, die seit Monaten für den Klimaschutz auf die Strasse geht, nehmen viele Jugendliche sowie Familien während ihrer Sommerferien an einigen der 300 Workshops teil, die bis Sonntag im elsässischen Kingersheim stattfinden.

Organisiert wird das zwölftägige Klima-Camp von den Bürgerbewegungen Alternatiba und ANV-COP21 sowie von der Umweltschutzorganisation Les Amis de la Terre. Zwischen entspanntem Schulbankhumor und ernsten Diskussionen über die Klimakrise vermitteln die Organisatoren Kernkompetenzen für Umweltschützer des 21. Jahrhunderts: Die Teilnehmer lernen unter anderem, wie sie Aktionspläne schmieden, Crowdfunding-Kampagnen organisieren, Kontakte zu Medien und Politikern aufbauen, Veranstaltungen öffentlichkeitswirksam bekannt machen und Erste Hilfe vor Ort leisten.

«Es ist schön, die Kraft zivilen Ungehorsams mitzuverfolgen, während die Staaten den Ernst der Lage nicht erkannt haben.»Joe Spiegel, Bürgermeister

Einige der Kurse haben eine deutlich kämpferischere Ausrichtung. Die Teilnehmer können beispielsweise lernen, wie sie mit spezieller Ausrüstung und Körpertechniken auf Demonstrationen robuste Menschenketten und Sitzblockaden bilden können. Einer der Höhepunkte des Camps ist laut der Organisatoren ein Rollenspiel, bei dem eine Massenaktion zivilen Ungehorsams simuliert wird und die Teilnehmer nicht nur in die Rollen von Demonstranten, sondern auch von Journalisten und Polizisten schlüpfen.

«Es ist schön, die Kraft zivilen Ungehorsams mitzuverfolgen, während die Staaten den Ernst der Lage nicht erkannt haben», sagt Joe Spiegel, Bürgermeister der 13'000-Einwohner-Stadt Kingersheim, der die Räumlichkeiten für das Camp zur Verfügung stellt. Während des Camps reflektieren die Teilnehmer aber auch darüber, ob sie bereit sind, die körperlichen und juristischen Risiken solcher Aktionen einzugehen. Trotz solcher Risiken wachse das Interesse am Kampf für den Umweltschutz. «Dieses Jahr haben wir eine neue Schwelle überschritten», sagt Khaled Gaiji, Vorsitzender von Amis de la Terre. Der Kampf für den Klimaschutz habe sich von einem Rand- zu einem Gesellschaftsphänomen entwickelt.

Seit dem ersten Klima-Camp vor drei Jahren hat sich die Teilnehmerzahl nach Angaben der Organisatoren mehr als verdreifacht. Während 2016 noch 300 Menschen teilnahmen, meldeten sich demnach für das Camp in diesem August mindestens tausend Interessierte an.

G7-Gipfel in Frankreich im Visier

Die nächste Grossveranstaltung, die sowohl die Organisatoren als auch die Teilnehmer des Klima-Camps im Blick haben, ist der G7-Gipfel im französischen Biarritz Ende August. Eine erste Möglichkeit also, die erlernten Protesttechniken zum Einsatz zu bringen.

Obwohl Rentnerin Christine sich selbst nicht in der ersten Reihe sieht, gibt auch sie zu, dass sich ihre Toleranzgrenze in Bezug auf drastische Aktionen verändert hat: «Die Aktionen, die wir ganz am Anfang gemacht haben, reichen einfach nicht mehr aus.»

(AFP)

Erstellt: 08.08.2019, 10:13 Uhr

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