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Kommt Strauss-Kahn mit einem blauen Auge davon?

Wilde Sexpartys oder Zuhälterei? Die Richter in Frankreich entscheiden diese Woche im DSK-Prozess. Der ehemalige IWF-Chef kann mit einem glimpflichen Ende rechnen.

Muss sich vor Gericht verantworten: Dominique Strauss-Kahn verlässt sein Hotel in Lille. (16. Februar 2015)
Muss sich vor Gericht verantworten: Dominique Strauss-Kahn verlässt sein Hotel in Lille. (16. Februar 2015)
Michel Spingler, Keystone

Passionierter Teilnehmer oder Organisator? Im Prozess um wilde Sexpartys mit Prostituierten steht an diesem Freitag das Urteil gegen Dominique Strauss-Kahn an. Alles andere als ein Freispruch für den 66-Jährigen wäre in Frankreich eine Überraschung. Gegen 13 Mitangeklagte wird in der nordfranzösischen Stadt Lille ebenfalls das Urteil verkündet.

Für wichtige Zutaten der Affäre hat Strauss-Kahn selbst gesorgt: Sex, Gewalt, Ruhm, viel Geld. Ob auch der kriminelle Anteil auf seine Kappe ging – das sollte der Prozess um illegale Sexpartys mit Prostituierten klären.

Freizügige Partys

In der «Carlton»-Affäre – benannt nach einem Luxushotel in Lille, von wo aus die Zusammenkünfte organisiert worden sein sollen – hat Strauss-Kahn seine Teilnahme an den freizügigen Partys stets eingeräumt. Zwölfmal zwischen 2008 und 2011 wurde in Paris, Brüssel oder Washington gefeiert.

Auch während des Prozesses im Februar leugnete Strauss-Kahn aber jede Kenntnis, dass die beteiligten Frauen Prostituierte waren. Er habe sich «weder ein Vergehen noch ein Verbrechen» vorzuwerfen.

Zuhälterei wird als Straftat in Frankreich relativ weit ausgelegt und kann mit bis zu zehn Jahren Gefängnis und bis zu 1,5 Millionen Euro Geldstrafe geahndet werden. Sie umfasst zum Beispiel auch Prostitution, die von Dritten bezahlt oder bei Sexpartys organisiert wird. Glaubt das Gericht Strauss-Kahn, von Geld gegen Sex nichts gewusst zu haben, müsste er straffrei bleiben.

Aus auf vielen Ebenen

Doch auch ohne Verurteilung hat der weithin als DSK bekannte Mann bereits so ziemlich alles verloren, was Anerkennung verspricht: Job, Frau, politische Zukunft und jede Menge Geld. Wegen einer Affäre um Vergewaltigungsvorwürfe musste Strauss-Kahn 2011 seinen Posten als Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) räumen.

Mit der betroffenen Angestellten eines New Yorker Hotels einigte er sich aussergerichtlich. Über angeblich millionenschwere Details wurde Stillschweigen vereinbart. Nach der Affäre trennte sich seine wohlhabende Frau, die bekannte Journalistin Anne Sinclair, von Strauss-Kahn.

Auch politisch bedeutete die New Yorker Episode mit als würdelos empfundenen Bildern von Strauss-Kahn in Handschellen das Aus für den früheren französischen Wirtschafts- und Finanzminister. Er musste seine Ambitionen aufgeben, 2012 für die Sozialisten als höchst aussichtsreicher Präsidentschaftskandidat anzutreten.

Mittelpunkt eines Prostitutionsrings?

Das Verfahren in Lille wollte die Staatsanwaltschaft bereits 2013 mangels Beweisen einstellen. Ermittlerrichter sahen Strauss-Kahn aber als Mittelpunkt eines Prostitutionsrings. Nach französischem Recht können ermittelnde Richter Anklage auch gegen den Willen der Staatsanwälte erheben.

Wenig überraschend forderte Staatsanwalt Frédéric Fèvre in Lille «schlicht und einfach» Freispruch für Frankreichs prominentesten Angeklagten. Es gehe nicht um ein mafiöses Netzwerk, sondern um eine Gruppe von Freunden, die ihre Partys gefeiert hätten. Gleichzeitig seien die beteiligten Frauen zu Lustobjekten degradiert worden. Die Staatsanwaltschaft arbeite aber «mit dem Strafgesetz, nicht mit einem Moralkodex».

Rechtsfragen, nicht Moral

Auch Gerichtspräsident Bernard Lemaire hatte während der Verhandlung betont, im Prozess gehe es um Rechtsfragen, nicht um Moral. Strauss-Kahn sprach von Libertinage – die französische Umschreibung für sexuelle Freiheit, unkomplizierten Umgang mit Moral und Sitten.

Die Verhandlung geriet in Frankreich und international vor allem dann in die Schlagzeilen, wenn es um Sexualpraktiken ging, die Prostituierte vor Gericht teils unter Tränen schilderten. Strauss-Kahn sagte dazu, er habe vielleicht «ein gröberes Sexualverhalten als der Durchschnitt der Männer». Er räumte ein, «dass manche Frauen es nicht schätzen».

SDA/dia

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