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«Das schlimmste Gefängnismassaker in unserer Geschichte»

Bei einer Gefängnisrevolte in Manaus sind mindestens 60 Häftlinge getötet worden. Blutige Aufstände dieser Art sind in Brasilien keine Seltenheit.

Verhängnisvolle Auseinandersetzungen: Angehörige warten vor dem Gefängnis auf Informationen.
Verhängnisvolle Auseinandersetzungen: Angehörige warten vor dem Gefängnis auf Informationen.
MARCIO SILVA, AFP

Sicherheitsbehörden des Bundesstaates Amazonas teilten am Montag mit, dass eine Gefängnisrevolte in Manaus mindestens 60 Menschen das Leben kostete. Viele Opfer wurden enthauptet oder sogar gevierteilt. Der Minister für öffentliche Sicherheit im nördlichen Staat Amazonas, Sergio Fontes, sprach am Montag vom «schlimmsten Gefängnismassaker in der Geschichte unseres Staates». Es handele sich um ein «neues Kapitel im Krieg der Narcos in diesem Land», sagte er, ein Kurzwort für Drogenbanden benutzend.

Der Aufstand begann am Sonntagnachmittag und endete am Montagmorgen mit der Freilassung von zwölf Gefängnisaufsehern, die als Geiseln genommen worden waren. Sie blieben unverletzt. Richter Luis Carlos Valois, der das Ende der Meuterei aushandelte, äusserte sich erschüttert über die Zustände im Gefängnis Anisio Jobim in Manaus. Er habe Leichen gesehen, die gevierteilt worden seien. «Ich habe so etwas noch nie zuvor in meinem Leben gesehen», sagte er. «All diese Leichen, all das Blut.»

Insassen konnten fliehen

In dem Chaos entkamen den Angaben zufolge etliche Gefangene, hiess es weiter. Eine Zahl wurde von den Behörden nicht genannt. Nach Behördenangaben begann ein Kampf zwischen zwei Verbrecherbanden bereits im vergangenen Jahr um Macht und Einfluss in den Haftanstalten.

Fontes sagte, die Meuterer hätten wenige Forderungen gestellt. Dies deute daraufhin, dass die rivalisierenden Banden hinter dem Massaker gestanden hätten.Die Meuterer verlangten laut Valois, dass sie nicht verlegt oder angegriffen würden und weiterhin Besuche empfangen dürfen.

Unruhen auch in anderen Gefängnissen

Fontes gab bekannt, das aus einem anderen Gefängnis in Manaus am Morgen 87 Häftlinge geflohen seien. Auch in einem dritten Gefängnis in der Stadt habe es Unruhen gegeben. Die Polizei ermittelte, ob es eine Verbindung zwischen diesen Unruhen gibt.

Die grösste Drogen- und Gefängnisbande in Brasilien ist das Erste Kommando, bekannt landesweit unter seiner Abkürzung PCC. Sie versucht, ihren Einflussbereich nach Norden auszuweiten und ist dabei mit der dort dominierenden Bande, der Familie des Nordens, in Konflikt geraten. Die Zeitung «Estado de S. Paulo»berichtete, es werde von derBundespolizei sogar der Frage nachgegangen, ob Richter Valois Verbindungen zu einer der Banden habe.

(sda/afp)

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