Kreuzfahrtschiff rammt Touristenboot in Venedig

Die «MSC Opera» schrammte mit Motorpanne an einer Kaimauer entlang. Vier Personen wurden leicht verletzt.

Unheimliche Gefahr: Menschen an Land laufen vor der «MSC Opera» davon. (Video: Tamedia)

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Ein ausser Kontrolle geratener Kreuzfahrtriese rammte beim Anlegen in Venedig ein Ausflugsschiff. Auf Amateurvideos in den sozialen Netzwerken ist zu sehen, wie die «MSC Opera» am Sonntag mit dröhnendem Signalhorn langsam auf den Kai des Giudecca-Kanals zufährt, die Mauer entlangschrammt und dabei das dort liegende Touristenschiff «Michelangelo» wegschiebt. Wie durch ein Wunder wurden nur vier Insassen leicht verletzt.

Das Unglück ereignete sich in der Höhe der Anlegestelle San Basilio-Zattere. Der Kapitän des Kreuzfahrtschiffs habe einen Motorschaden gemeldet, sagte der Leiter des Schlepperdienstes, der die «MSC Opera» bis zu ihrem Liegeplatz begleiten sollte, italienischen Medien. Nach seinen Angaben blockierte der Antrieb im Schubbefehl und die Geschwindigkeit nahm wieder zu. Die beiden Begleit-Schlepper hätten noch versucht, die Fahrt zu bremsen, doch sei eine ihrer Ketten unter dem Druck gerissen.

Der Bürgermeister der Stadt, Luigi Brugnaro, bestätigte auf Twitter, dass ein Schiff die Anlegestelle gerammt habe.

Auf den Amateurvideos ist noch zu sehen, wie Touristen an der Uferpromenade vor dem herannahenden Kreuzfahrtschiff fliehen. Bei den Verletzten handelt es sich um vier Touristen aus Australien, Neuseeland und den USA im Alter zwischen 67 und 72 Jahren. Sie zogen sich laut Medienberichten ihre Verletzungen zu, als sie von dem Ausflugsschiff flüchteten.

Das Kreuzfahrtschiff des in der Schweiz registrierten, in Genua operierenden internationalen Unternehmens MSC Cruises ist seit rund 15 Jahren im Betrieb. Es fährt unter der Flagge Panamas. Es bietet Platz für mehr als 2600 Passagiere. Zuletzt hatte es vor acht Jahren während einer Baltikum-Reise eine schwere Strompanne.

Video: Dieses Boot ist mit dem Kreuzfahrtschiff zusammengestossen

Aufnahmen der italienischen Feuerwehr zeigen das kleine Boot, welches mit dem Kreuzfahrtschiff zusammenstösst. (Video: Tamedia)

Zu grosse Schiffe für die Lagunenstadt

Seit Jahren wird über die Schiffskolosse in der Unesco-Welterbestadt gestritten, die von Millionen Touristen besucht wird. Kritiker wollen die grossen Kreuzfahrtschiffe komplett aus der Lagunenstadt verbannen. Bisher fahren sie im Kanal von Giudecca in Sichtweite von Sehenswürdigkeiten wie dem Markusplatz.

Bürgermeister Brugnaro, erklärte, das Unglück sei «der x-te» Beweis, dass in dem Kanal keine Kreuzfahrtriesen mehr fahren könnten. Auch Italiens Verkehrsminister Danilo Toninelli meinte, die Stadt müsse besser geschützt werden. «Was in Venedigs Hafen passiert ist, bestätigt nur, was wir schon seit einiger Zeit sagen», erklärte Umweltminister Sergio Costa auf Twitter. «Kreuzfahrtschiffe dürfen nicht durch den Giudecca-Kanal. Seit mehreren Monaten arbeiten wir an ihrer Verlegung - und sind einer Lösung nahe».

Die Hafenbehörden kündigten an, den Kanal rasch wieder freizugeben. «Aber von morgen an müssen wir uns alle so schnell wie möglich bewegen, um das Problem des Kreuzfahrt-Verkehrs zu lösen», erklärte ihr Vertreter Pino Musolino.

Unterschiedliche Interessen

Die linke Oppositionsabgeordnete Nicola Fratoianni wies unterdessen darauf hin, dass Italien Kreuzfahrtschiffe mit offenen Armen aufnimmt, während es Schiffe von Hilfsorganisationen mit Flüchtlingen an Bord die Einfahrt in seine Häfen verweigert. «Es ist wirklich seltsam, dass ein Land, das Schiffe von seinen Häfen fernzuhalten versucht, die Menschen auf See gerettet haben, gigantischen Stahlmonstern erlaubt, ein Gemetzel in Venedig zu riskieren», erklärte sie.

Geplant ist, dass die besonders grossen Kreuzfahrtschiffe eine weniger spektakuläre Route um die Stadt fahren und in der Industriegegend Marghera anlegen. Über dieses Projekt wird allerdings auch seit Jahren debattiert. Die Unesco hat Venedig bereits gewarnt, dass die Riesenschiffe das Welterbe gefährdeten. Umweltschützer mahnen wegen Risiken für das besondere Ökosystem der Lagune. Unternehmer sehen dagegen ihr Geschäft in Gefahr. (fal/sda/afp)

Erstellt: 02.06.2019, 16:04 Uhr

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