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Krise bei BBC weitet sich aus

Nach dem Rücktritt von Generaldirektor George Entwistle bleiben bis auf Weiteres auch die Nachrichtenchefin und ihr Stellvertreter der Arbeit fern.

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Haben ihre Aufgaben bis auf weiteres abgegeben: BBC-Nachrichtenchefin Helen Boaden und ihr Stellvertreter Steve Mitchell.
Haben ihre Aufgaben bis auf weiteres abgegeben: BBC-Nachrichtenchefin Helen Boaden und ihr Stellvertreter Steve Mitchell.
Reuters
Führt die BBC nun interimistisch: Audio- und Musikchef Tim Davie auf dem Weg an seinen Arbeitsplatz. (12. November 2012)
Führt die BBC nun interimistisch: Audio- und Musikchef Tim Davie auf dem Weg an seinen Arbeitsplatz. (12. November 2012)
Reuters
Verlangt radikale Reformen: Lord Chris Patten, Stiftungsratsvorsitzender der BBC und damit oberster Aufseher über die Rundfunkgesellschaft. (11. November 2012)
Verlangt radikale Reformen: Lord Chris Patten, Stiftungsratsvorsitzender der BBC und damit oberster Aufseher über die Rundfunkgesellschaft. (11. November 2012)
AFP
Die grösste öffentlich-rechtliche und gebührenfinanzierte Rundfunkgesellschaft der Welt steht nun unter Beschuss: Rundfunkgebäude der BBC in London. (11. November 2012)
Die grösste öffentlich-rechtliche und gebührenfinanzierte Rundfunkgesellschaft der Welt steht nun unter Beschuss: Rundfunkgebäude der BBC in London. (11. November 2012)
Reuters
Am Anfang des Skandals standen schwere Missbrauchsvorwürfe gegen einen früheren Moderator: Der inzwischen verstorbene TV-Star Jimmy Savile während Feierlichkeiten zum Thronjubiläum der Queen. (4. Juni 2002)
Am Anfang des Skandals standen schwere Missbrauchsvorwürfe gegen einen früheren Moderator: Der inzwischen verstorbene TV-Star Jimmy Savile während Feierlichkeiten zum Thronjubiläum der Queen. (4. Juni 2002)
AFP
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Im Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal bei der BBC haben sich bei der britischen Rundfunkgesellschaft zwei weitere leitende Mitarbeiter zurückgezogen. Nachrichtenchefin Helen Boaden und ihr Vize Stephen Mitchell lassen ihre Ämter ruhen, wie die BBC heute Montag mitteilte.

Hintergrund ist unter anderem die Affäre um einen zurückgezogenen Bericht der Sendung «Newsnight» über die Missbrauchsvorwürfe gegen den Moderator Jimmy Savile. Boaden und Mitchell wollten ihre Ämter ruhen lassen, bis das Ergebnis einer Untersuchung unter der Leitung des früheren Sky-News-Chefs Nick Pollard vorliege, erklärte die BBC.

Entscheidungsprozesse durchleuchten

Pollard soll prüfen, warum sich die BBC-Vorzeigesendung «Newsnight» Ende 2011 gegen die Ausstrahlung eines Berichts entschieden hatte, in dem mutmassliche Opfer berichteten, sie seien von Savile sexuell missbraucht worden. Der Moderator war im Oktober 2011 im Alter von 84 Jahren gestorben.

Am Samstagabend hatte bereits BBC-Chef George Entwistle nach nur 54 Tagen im Amt seinen Hut genommen. Anlass war die Ausstrahlung eines «Newsnight»-Berichts, der Vorwürfe des Kindesmissbrauchs gegen den konservativen Politiker Alistair McAlpine zur Folge hatte. «Newsnight» hatte vergangene Woche über Steve M. berichtet, der in den 70er Jahren in einem Kinderheim in Wales missbraucht worden war. Obwohl der Täter in der Sendung nicht namentlich genannt wurde, kursierte kurz darauf im Internet das Gerücht, es handle sich um McAlpine.

Der frühere Schatzmeister der Konservativen bestritt am Freitag die Vorwürfe. Steve M. selbst teilte mit, dass nicht McAlpine der Täter gewesen sei. Am Freitag räumte die BBC einen Fehler ein und entschuldigte sich bei McAlpine.

«Nicht mehr in der Lage, Verantwortung wahrzunehmen»

«Helen Boaden hat entschieden, dass sie nicht mehr in der Lage ist, ihre Verantwortung wahrzunehmen, solange nicht das Ergebnis des Pollard-Berichts vorliegt», erklärte die BBC am Montag. Sie werde während ihrer Abwesenheit ersetzt, ebenso ihr Stellvertreter.

Die Rundfunkgesellschaft schloss nicht aus, dass es weitere personelle Konsequenzen geben könnte. Es werde nun geprüft, in welchem Ausmass Einzelne Rechenschaft für ihr Handeln ablegen müssten, erklärte die BBC. «Wenn es angemessen ist, wird es disziplinarische Massnahmen geben.»

Sämtliche Berichte zentral überwachen

Wie die BBC weiter mitteilte, sollen sämtliche Berichte nun von einer zentralen Stelle überwacht werden – egal, ob es einen Zusammenhang zum Savile-Skandal gebe oder nicht. Damit solle auf «den Mangel an Klarheit in der redaktionellen Befehlskette» reagiert werden. Die Affäre Savile erschüttert seit Wochen Grossbritannien und die BBC, immer wieder gibt es neue Enthüllungen. Scotland Yard hat wegen des Verdachts auf «Missbrauch in noch nie dagewesenem Ausmass» durch den Fernsehmoderator Ermittlungen eingeleitet.

Den Ermittlern zufolge gibt es Hinweise, dass Savile rund 40 Jahre lang Kinder missbrauchte. Die Polizei geht von 300 möglichen Opfern aus. Savile war in den 1960er bis 80er Jahren eines der bekanntesten TV-Gesichter im Königreich. Bislang wurden im Zusammenhang mit dem Skandal drei Menschen vorübergehend festgenommen: der Glamrocker Gary Glitter, der Komiker Freddie Star und am Sonntag ein weiterer Verdächtiger, der eine Radioshow für Savile produziert hatte. Alle drei kamen auf Kaution frei.

(SDA)

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