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Lawine verschüttet Skipiste

Die Lawinengefahr im Alpenraum bleibt gross: In Les Crosets VS ging ein Schneebrett im Skigebiet nieder. Glücklicherweise kam niemand zu Schaden. Die Lage in den Bergen dürfte angespannt bleiben.

Suche nach Verschütteten: Retter auf dem Lawinenkegel in Les Crosets. (26. Februar 2012)
Suche nach Verschütteten: Retter auf dem Lawinenkegel in Les Crosets. (26. Februar 2012)
Keystone
Alle Kräfte mobilisiert: Retter und ein Helikopter beim Lawinenkegel in Les Crosets. (26. Februar 2012)
Alle Kräfte mobilisiert: Retter und ein Helikopter beim Lawinenkegel in Les Crosets. (26. Februar 2012)
Keystone
Verletzt wurde niemand: Das Auto, welches verschüttete wurde. (25. Februar 2012)
Verletzt wurde niemand: Das Auto, welches verschüttete wurde. (25. Februar 2012)
Keystone
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Am Wochenende haben Lawinenniedergänge zu Verkehrsbehinderungen geführt. Mit den warmen Temperaturen ist die Gefahr von Schneerutschen gestiegen. Besonders Gleitschneelawinen gehen aussergewöhnlich oft nieder. Das trockene, milde Wetter im vergangenen November sowie die zahlreichen Schneestürme im Dezember und Januar haben die Gefahr von solchen Rutschen im laufenden Winter erhöht. In diesen Tagen gehen aussergewöhnlich viele solcher Lawinen nieder.

«Derart starkes Schneegleiten wie diesen Winter kommt nur etwa alle dreissig Jahre vor», sagte Christine Pielmeier, Lawinenprognostikerin am Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF), auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Es gebe deutlich mehr Gleitschneelawinen als im langjährigen Durchschnitt.

Fünf Lawinen in einer Nacht

Allein in der Nacht auf Samstag seien bestimmt fünf mittelgrosse solcher Lawinen niedergegangen. Weil es in den Bergen viel Schnee habe, könnten diese Abgänge sehr massig sein, sagte Pielmeier. «Die Gleitschneeaktivität ist praktisch im gesamten schweizerischen Alpenraum gross.» Ganz im Süden sei die Situation etwas günstiger. Lang anhaltende Wärmeperioden verschärften das Risiko zusätzlich.

Im Unterschied zu anderen Lawinenarten bewegt sich beim Schneegleiten die gesamte Schneedecke auf dem Boden. Das geschieht vor allem dann, wenn der Boden noch nicht gefroren ist und der erste Schneefall des Winters ergiebig ausfällt - wie im Winter 2011/2012.

Schneegleiten erkenne man relativ einfach durch die Bildung von «hufförmigen Gleitschneerissen», auch Fischmäuler genannt, sagte Pielmeier. Aufgrund der warmen Temperaturen stellten Gleitschneelawinen am Wochenende Skigebiete und Verkehrsverantwortliche vor grosse Probleme.

Lawine donnert auf Skipiste

Im Unterwalliser Skigebiet Les Crosets ging am frühen Sonntagnachmittag eine Gleitschneelawine nieder und gelangte auf eine Piste. Die Lawine war hundert Meter lang und fünfzig Meter breit, verschüttete jedoch niemanden. Die eingeleiteten Sucharbeiten mit Helikoptern und Lawinenhunden konnten eingestellt werden, wie die Walliser Kantonspolizei mitteilte.

Am Samstag kam eine 57-jährige italienische Skitourengängerin im Tessiner Bedretto-Tal ums Leben. Sie lief mit drei weiteren Personen über eine Krete, als die Schneedecke nachgab. Die Frau stürzte rund 300 Meter in die Tiefe, wie die Kantonspolizei Tessin mitteilte.

Oberhalb von Malbun FL verschüttete eine Gleitschneelawine am Samstagnachmittag einen Winterwanderweg auf einer Breite von gut 30 Metern. Bei Sucharbeiten wurden keine Verschütteten gefunden. Der Wanderweg wurde gesperrt.

Eine weitere Lawine ging am Samstag auf der Ofenpassstrasse nieder und erfasste zwei Autos. Die Nassschneelawine verschüttete die Route auf einer Breite von zwanzig Metern, wie die Kantonspolizei am Sonntag mitteilte. Die Insassen konnten die Fahrzeuge unverletzt aus eigener Kraft verlassen. Zur Räumung der Schneemassen musste die Ofenpassstrasse eine Stunde gesperrt werden.

Laut Viasuisse mussten am Wochenende wegen Lawinenniedergängen oder -gefahr zahlreiche weitere Strassen gesperrt werden: die Zufahrtsstrasse von Täsch nach Zermatt, die Passstrasse über den Julier zwischen Bivio und Marmorera und die Albulastrasse zwischen Filisur und Bergün.

Störungen auch auf der Schiene

Die Albulastrecke musste am Wochenende auch für den Bahnverkehr gesperrt werden: Sowohl am Samstag wie am Sonntag verschütteten Schneerutsche das Trassee. Ein Zug der Rhätischen Bahn (RhB) konnte am Sonntagvormittag rechtzeitig anhalten, ohne auf die Schneemassen aufzufahren.

Weil die RhB-Züge vorschriftsgemäss «auf Sicht» fuhren, konnte der Lokführer die Komposition rechtzeitig stoppen. Die Strecke konnte um 15 Uhr wieder freigegeben werden.

Bereits am Samstag blockierte ein Schneerutsch die Albulastrecke. Der erste Zug war frühmorgens auf einen Schneerutsch aufgefahren, worauf die Lokomotive entgleiste. Verletzt wurde niemand.

Auch in Zermatt legte ein Lawinenniedergang den Bahnbetrieb der Matterhorn Gotthard Bahn (MGB) am Samstagvormittag vorübergehend lahm. Die Lawine war in der Nacht auf Samstag um etwa 3 Uhr zwischen Täsch und Zermatt niedergegangen und hatte einen Teil der Fahrleitungen zerstört. Nach 8 Uhr war die Strecke wieder frei.

Ungünstige Prognosen

Christine Pielmeier vom SLF rechnet in den kommenden Tagen mit weiteren Gleitschneelawinen. «Diese sind zu jeder Tages- und Nachtzeit möglich und erfolgen in aller Regel spontan», sagte sie der sda.

Weil Abgänge jederzeit möglich seien, sollten die Zonen unter Gleitschneerissen möglichst gemieden werden. «Man sollte sich nie länger als unbedingt nötig unter solchen Rissen aufhalten», sagte Pielmeier.

Gemäss SLF-Lawinenbulletin vom Sonntagabend steigt mit der Sonneneinstrahlung und der Erwärmung die Gefahr für Nassschneelawinen im Tagesverlauf an. Diese könnten in den nächsten Tagen mittlere Ausmasse erreichen und exponierte Teile von Verkehrswegen gefährden.

SDA/kpn

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