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Lebenslänglich für die Vater-Mörderin

«Geplant und kaltblütig»: Die junge Frau ermordete 2011 in Beringen SH nicht nur ihren Vater, sie wollte auch ihre Mutter töten. Das Obergericht hat deshalb das Urteil verschärft.

Die Behörden ermitteln: Ein Polizist steht vor dem Haus in Beringen, wo sich am Dienstag, 26. Juli 2011 ein Familiendrama abespielt hat.
Die Behörden ermitteln: Ein Polizist steht vor dem Haus in Beringen, wo sich am Dienstag, 26. Juli 2011 ein Familiendrama abespielt hat.
Keystone
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Lebenslängliche Freiheitsstrafe für die Bluttat von Beringen im Jahr 2011: Das Schaffhauser Obergericht hat ein vorinstanzliches Urteil gegen eine 24-jährige Frau verschärft, die vor drei Jahren ihren Vater erstochen und ihre Mutter mit Messerstichen schwer verletzt hatte.

Der Mord am 52-jährigen Vater und der versuchte Mord an der um ein Jahr jüngeren Mutter seien zwei selbstständige Handlungen gewesen, hiess es bei der Urteilseröffnung. Das Obergericht begründete damit die Strafverschärfung.

Die Täterin sei skrupellos vorgegangen. Es lägen mehrere Elemente vor für die Qualifizierung als Mord und versuchten Mord und nicht – wie von der Verteidigung gefordert - nur als vorsätzliche Tötung und versuchte vorsätzliche Tötung.

Das Kantonsgericht hatte die junge Frau im Dezember 2012 zu einer Freiheitsstrafe von 18 Jahren verurteilt. Dagegen legten sowohl die Verteidigung wie auch die Staatsanwaltschaft Berufung ein.

Der Vater starb noch am Tatort

Der Sachverhalt war unbestritten. Die damals 21-jährige Frau beschloss in den frühen Morgenstunden des 26. Juli 2011, ihr seit Längerem gehegtes Vorhaben, die Eltern umzubringen, in die Tat umzusetzen.

Sie packte zwei Küchenmesser und einen Pfefferspray ein und fuhr per Velo zum Wohnort der Eltern. Mit einem Schlüssel, den ihr die Eltern überlassen hatten, schlich sie in die Wohnung. Im Licht ihres Handy-Displays fand sie den auf dem Sofa schlafenden Vater. Sie ging sofort auf ihn los und stach ihm gezielt in den Hals. Insgesamt fügte sie ihm 17 Stich- und Schnittwunden zu.

Der Mutter gelang es nicht, der Tochter das Messer abzunehmen. Erst der Bruder konnte sie überwältigen und ihr die Stichwaffe entreissen. Als der Bruder im Nebenzimmer die Notrufnummer wählte, griff die junge Frau erneut zum Messer und stach auf die Mutter ein – ebenfalls gezielt gegen den Hals. Der Vater starb noch am Tatort, die Mutter überlebte – laut Gericht «dank glücklicher Umstände».

«Geplant und kaltblütig gehandelt, nicht im Affekt»

Das Obergericht hätte allein für den Mord am Vater - aufgrund strafmildernder Umstände - eine Freiheitsstrafe von 20 Jahren gefällt. Weil es den Versuch, die Mutter ebenfalls umzubringen, als eigene Tat wertete, sprach es das höchstmögliche Strafmass aus.

Mehrere Faktoren, die für sich alleine bereits ausreichend für die Qualifizierung als Mord - und Mordversuch - gewesen wären, lagen gemäss Obergericht vor. Die Beschuldigte habe geplant und kaltblütig gehandelt, und nicht im Affekt. Heimtückisch sei das Vorgehen, weil sie bei Dunkelheit mit dem ihr anvertrauten Schlüssel in die Wohnung eingedrungen sei und der schlafende Vater sich nicht habe wehren können.

Die junge Frau habe die Tat kalt und konsequent umgesetzt und sich klar überlegt, dass sie den Vater mit dem Stich in den Hals am effizientesten verletzen könne.

Die «überaus egoistische und gefühlskalte Gesinnung» habe sich auch darin gezeigt, dass sie nach der Tat in aller Ruhe am sterbenden Vater vorbei ins Badezimmer gegangen sei, um ein Pflaster für eine kleine Wunde an ihrem Finger zu holen, wurde in der Urteilsbegründung ausgeführt.

Keine nachvollziehbaren Beweggründe

Der Verteidiger hatte vor dem Obergericht eine Verurteilung wegen vorsätzlicher Tötung und versuchter vorsätzlicher Tötung mit einer Freiheitsstrafe von 10 Jahren verlangt. Seine Mandantin habe aus Hilflosigkeit und Verzweiflung sowie aus einer schweren persönlichen Bedrängnis heraus gehandelt, aber nicht aus Mordlust.

Die 24-Jährige zeigte auch im Berufungsprozess – wie schon vor dem Kantonsgericht - keine Reue. «Ich finde nicht gut, dass es so weit hat kommen müssen», sagte sie am Mittwoch. Aber die Tat an sich bedauere sie nicht. Ihr Vater habe sie «heruntergemacht, beleidigt und gelegentlich geschlagen» und die Mutter habe dem nichts entgegengesetzt.

Nach Ansicht des Gerichts sind dies keine nachvollziehbaren Beweggründe. Der Anlass und die Tat stünden in einem krassen Missverhältnis. Zusätzlich zur lebenslänglichen Freiheitsstrafe ordnete das Obergericht eine stationäre therapeutische Massnahme an. Es sei aufgrund von Gutachten zum Schluss gekommen, dass mit einer ambulanten Therapie das Resozialisierungsziel nicht zu erreichen sei.

SDA/ldc

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