Lego spielt nicht mehr mit

Wegen permanenter Anti-Ausländer-Tiraden droht dem Boulevardblatt «Daily Mail» der Verlust wichtiger Werbepartner. Lego hat den Anfang gemacht.

An den Lego-Wächtern kommt keiner vorbei. Foto: Lisa Werner (Alamy)

An den Lego-Wächtern kommt keiner vorbei. Foto: Lisa Werner (Alamy)

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Ein neuer britischer Feldzug «gegen Hass und Verhetzung» hat einen ersten beachtlichen Erfolg errungen. Der dänische Spielzeug-Hersteller Lego hat seine Zusammenarbeit mit dem zunehmend rechtsorientierten Boulevardblatt «Daily Mail» beendet, nachdem diesem permanente Verunglimpfung von Migranten und Diskriminierung von Ausländern vorgeworfen wurde: Vor kurzem hatte die Zeitung sogar britische Richter als «Volksfeinde» denunziert.

Der berühmte Spielzeug-Riese war von britischen Eltern unter Druck gekommen, die den «zunehmend hasserfüllten» Kurs der «Daily Mail» empörend fanden und ihn nicht länger hinnehmen wollten. Die Zeitung reichte in den letzten drei Jahren an ihre Leser Gratis-Lego-Spielzeug weiter. Diese Zusammenarbeit im Werbebereich ist nun beendet worden. Sie soll auch nicht erneuert werden, teilten beide Seiten mit.

Spaltung der Bevölkerung

Gefordert hatte den Werbeboykott der im August gegründete Verband «Stop Funding Hate» (Schluss mit der Finanzierung von Hass), der alle «Hasskampagnen zur Spaltung der Bevölkerung» in den britischen Medien unterbinden will. Im Fall Lego führten «Daily Mail»-Schlagzeilen vor und nach dem Brexit-Beschluss im Juni zu einer Fülle erboster Leserbriefe von Lego-Kunden, die mit der Zeitung nichts zu tun haben wollen. Der Vater eines sechsjährigen Buben, Bob Jones, schrieb an Lego, das Blatt vertrete nicht mehr einfach nur rechtskonservative Ansichten: «Ihre Schlagzeilen tun inzwischen nichts anderes, als Misstrauen gegen Ausländer zu säen, Immigranten Schuld an allem zu geben und nun sogar Top-Richter im Lande, die ihren Dienst versehen, als Homosexuelle zu brandmarken.»

Besondere Empörung hatte jüngst eine Schlagzeile ausgelöst, die den betreffenden High-Court-Richtern vorwarf, «Volksfeinde» zu sein. Ein «grosses, progressives Unternehmen» wie Lego dürfe nicht länger eine Publikation unterstützen, die offensichtlich «zu weit» gegangen sei, meinte Jones.

Coop zieht vielleicht nach

Ausser Lego erwägt nun auch der britische Coop, ob er seine Werbeverbindung mit der «Mail» einstellen soll. Kürzlich kritisierte Alastair Campbell, der Pressechef des früheren Labour-Premiers Tony Blair, die «nationale Fluggesellschaft» British Airways dafür, auf ihren Flügen Gratis­exemplare des Boulevardblattes zu verteilen – «als stünde die ‹Mail› für alles Britische».

Neben der «Daily Mail» ist vor allem auch Rupert Murdochs «Sun» ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. So warf der britische Ex-Fussball-Star und heutige BBC-Sportmoderator Gary Lineker der Zeitung im Zusammenhang mit der Räumung des Calais-Flüchtlingslagers vor, «junge Flüchtlinge abscheulich rassistisch und äusserst herzlos behandelt» zu haben. Lineker unterstützt die «Stop Funding Hate»-Kampagne und hat unter anderem den Kartoffelchips-Produzenten Walkers Crisps aufgefordert, keine Anzeigen mehr in der «Sun» zu schalten. Diese englische Boulevardzeitung nannte ihn daraufhin einen «linken Lackaffen mit abstehenden Ohren» und verlangte von der BBC, Linekers Vertrag aufzukündigen.

Den Lego-Entscheid, nicht mehr mit der «Daily Mail» zu kooperieren, haben Brexit-Wortführer auf der Insel unterdessen als «eine Form von Pressezensur» verurteilt. Der Tory-Rechtsaussen Andrew Bridgen riet dem dänischen Unternehmen, sich lieber um «gute Beziehungen mit künftigen Generationen von Briten in einem freien, souveränen Land» zu bemühen. Bei Lego hiess es: «Wir nehmen uns viel Zeit dafür, uns alles anzuhören, was Kinder uns zu sagen haben. Und wenn Eltern und Grosseltern sich die Zeit nehmen, uns ihre Ansichten mitzuteilen, hören wir genauso aufmerksam zu.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.11.2016, 08:29 Uhr

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