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Leichenzug scheitert am Veto der Behörden

Die Berliner Polizei hat die für morgen geplante Kunstaktion mit Leichen von Flüchtlingen vor dem Kanzleramt untersagt.

Tragik im Mittelmeer: Ein verstorbener Flüchlting wird aufgrund der Aktion der Gruppe ZPS in Berlin würdevoll beerdigt. (19. Juni 2015)
Tragik im Mittelmeer: Ein verstorbener Flüchlting wird aufgrund der Aktion der Gruppe ZPS in Berlin würdevoll beerdigt. (19. Juni 2015)
Rainer Jensen, Keystone

Gemäss «Spiegel»-Informationen verbieten die Behörden die Aktion der Künstlergruppe «Zentrum für politische Schönheit (ZPS)». Die Aktivisten wollten am Sonntag vor dem Vorplatz des Kanzleramts ein «Friedhofsfeld der Superlative» anlegen und Leichen bestatten. Nach einem dem Magazin vorliegenden Auflagenbescheid der Polizei muss der umstrittene Protestmarsch kurz vor dem Kanzleramt beendet werden. Zudem dürfe nicht, wie vorgesehen, ein Bagger eingesetzt und es dürften auch keine Leichen durch die Strassen gefahren werden.

Einer der ZPS-Aktivisten, Philipp Ruch, sagte zu «Spiegel Online»: «Wir verurteilen diesen massiven Eingriff des Bundeskanzleramts in die Kunstfreiheit in diesem Land.» Die Gruppe hätte «sehr gerne ein bleibendes Mal in der Hauptstadt hinterlassen», was nun aber nicht mehr möglich sei. Der Marsch am Sonntagnachmittag solle auf jeden Fall stattfinden. Laut Ruch hätten bereits mehrere tausend Unterstützer ihr Kommen angekündigt.

Kein «Spektakel mit Leichen»

Am vergangenen Dienstag hatte die Gruppe nach eigenen Angaben die Leiche einer auf der Flucht im Mittelmeer ertrunkenen Syrerin auf einem Friedhof in der Hauptstadt im Beisein eines Imams beerdigt. Die Aktionen sollen auf das Schicksal tausender im Mittelmeer ertrunkener Flüchtlinge aufmerksam machen.

Provokation: Das «Zentrum für politische Schönheit» will auf das Schicksal der ertrunken Flüchtlinge aufmerksam machen. Video: Youtube / Political Beauty (14. Juni 2015)

Die Flüchtlingsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), hatte die geplante Aktion scharf kritisiert. «Bei allem Verständnis für die Wut der Aktivisten angesichts der vielen tausend ertrunkenen Flüchtlinge im Mittelmeer, ein Spektakel mit Leichen zu inszenieren, überschreitet eine moralische Grenze», sagte Özoguz der Zeitung «Die Welt» vom Samstag. Kunst dürfe weh tun und sich auch drastischer Methoden bedienen, «aber hier gehen die Aktivisten zu weit».

Die Aktivisten wollten mit ihrer Aktion auf die Beraubung der Würde der Toten hinweisen, die anonym und nicht im Kreise ihrer Familie begraben werden können. «Aber sie setzen den würdelosen Zustand fort, indem sie die Leichen für den Protest gegen die europäische Flüchtlingspolitik instrumentalisieren», kritisierte die SPD-Politikerin. Auch der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), kritisierte die Künstlergruppe: «Bei allem Respekt vor humanitärem Engagement: Mit solchen Aktionen werden Grenzen der Pietät überschritten.»

(AFP)

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