Limburg: Behörden ermitteln wegen versuchter Tötung

Ein Flüchtling rammt mit gekapertem LKW mehrere Autos. Das Motiv des 32-jährigen Syrers ist derzeit noch unklar.

Momente des Schreckens: Ein Mann fährt mit einem LKW auf mehrere Autos auf und klemmt Menschen ein. Video: Tamedia

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In der hessischen Kleinstadt Limburg, 70 Kilometer nördlich von Frankfurt am Main, hat am Montagabend ein syrischer Flüchtling einen Lastwagen entwendet. Er beschleunigte den Sattelschlepper und fuhr 200 Meter weiter auf acht Autos auf, die an einer roten Ampel warteten. Durch den Aufprall wurden die Autos ineinandergeschoben und schwer beschädigt. Acht Personen sowie der Fahrer des LKW erlitten leichte Verletzungen.

Der 32-jährige Täter stieg aus dem Lastwagen und setzte sich bei einer Platane hin. Passanten, die ihm helfen wollten, sprach er auf arabisch an, mehrfach sagte er das Wort „Allah“ (Gott). Als zufällig anwesende Polizisten ihn festnahmen, wehrte er sich heftig. Der Täter habe einen benebelten Eindruck gemacht, sagten Zeugen, wie wenn er unter Drogeneinfluss gestanden hätte. Der eigentliche Fahrer des Lastwagens erzählte, der Syrer habe ihn vor der Attacke „aus weit geöffneten Augen angestarrt“, kein Wort gesagt – ihn aber plötzlich aus der Führerkabine gezerrt und selbst das Steuer übernommen.

Noch in der Nacht durchsuchte die Polizei die Wohnung des Täters und die eines Cousins und stellte dabei unter anderem Mobiltelefone und USB-Sticks sicher. Waffen, Sprengstoff oder islamistisches Propagandamaterial wurden bisher nicht gefunden. „Auch wenn der Tathergang an die schrecklichen Anschläge von Nizza oder Berlin erinnert, ist das Motiv des festgenommenen Mannes nach wie vor unklar“, sagte der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) am Dienstagnachmittag.

Keine Verbindungen zur islamistischen Szene

Nach bisherigen Erkenntnissen habe der Syrer keine Verbindungen in die gewaltbereite islamistische Szene gehabt. Die Ermittler des hessischen Landeskriminalamtes und die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft wollten ein terroristisches Motiv aber auch nicht ausschliessen. Im Moment ermittle man in alle Richtungen. In Nizza und in Berlin hatten islamistische Attentäter 2016 Lastwagen mit Absicht in Menschenmengen gesteuert und Dutzende getötet.

Der Syrer, dessen Namen Medien mit Omar A. I. angaben, war im November 2015 als Flüchtling nach Deutschland gekommen und hatte 2016 subsidiären Schutz und eine befristete Aufenthaltserlaubnis erhalten. Den Behörden war er bereits als Kleinkrimineller aufgefallen. Wegen schwerer Körperverletzung, Drogenbesitzes und Ladendiebstahls wurde 2018 gegen ihn ermittelt. In einem Fall ging es offenbar um eine Schlägerei mit Familienangehörigen, einmal wurde er mit 2,9 Gramm Haschisch erwischt (strafbar sind in Hessen erst Mengen ab 6 Gramm).

Die Ermittler halten nicht nur ein terroristisches Motiv, sondern auch eine psychisch bedingte Amokfahrt für möglich. Laut Experten sind extremistische Einzeltäter nicht selten psychisch krank, dies treffe für Islamisten genauso zu wie für Rechtsextremisten. Am letzten Silvester hatte ein Rassist im Ruhrgebiet mit dem Auto gezielt Ausländer angefahren; der Täter litt seit Jahren an einer Schizophrenie. Im April 2018 tötete ein Mann in Münster vier Menschen und verletzte 20 weitere, indem er mit seinem Kleintransporter in ein Strassencafé raste. Der Täter erschoss sich noch am Tatort. Er galt als psychisch labil.

Erstellt: 08.10.2019, 14:38 Uhr

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