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«Mach Dir keine Sorgen, der Typ hat viel Geld»

Der Fall Strauss-Kahn hat sich für die Staatsanwaltschaft zu einem Debakel entwickelt. Dafür verantwortlich sind Ungereimtheiten in den Schilderungen des Zimmermädchens – und Zweifel an ihrem Charakter.

Kann wieder lachen: Strauss-Kahn als freier Mann auf den Strassen New Yorks. (25. August 2011)
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Reuters
Feierte seine Entlassung aus dem Hausarrest: Dominique Strauss-Kahn verlässt das Restaurant Scalinatella in Manhatten. (1. Juli 2011)
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Reuters
Wie im Film: Die Crime Scene Unit ermittelt im Hotel. (15. Mai 2011)
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Innerhalb von sechs Wochen ist das Zimmermädchen des Hotels Sofitel zu einer unsicheren Zeugin für die Anklage im prominentesten mutmasslichen Vergewaltigungsfall der letzten Jahre geworden. Zu Beginn galt die Frau aus Guinea, die der damalige IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn vergewaltigt haben soll, als arme, streng gläubige Muslimin.

Ein hochrangiger Ermittler hat der «New York Times» zahlreiche Einzelheiten erzählt. Das Verhältnis der Staatsanwaltschaft zum mutmasslichen Opfer und einziger Zeugin hat sich demnach zunehmend eingetrübt. So soll sie sich bei einer Befragung auf den Boden geworfen haben. Einmal sei sie für 10 Tage nicht mehr erreichbar gewesen.

Lügen und Ungereimtheiten

Zuvor hatten sich Ungereimtheiten in den Schilderungen der aus Guinea stammenden Frau zu ihrem Lebenslauf eingeschlichen. Schliesslich soll sie eingeräumt haben, dass ihre bei der Einreise in die USA erzählte Story nicht der Wahrheit entspreche: Die Gewalt durch Regierungstruppen, ihr im Gefängnis verstorbener Ehemann, eine Massenvergewaltigung. Ein Mittelsmann hatte ihr offenbar eine Kassette mit dieser Geschichte gegeben, die sie auswendig lernen sollte.

In den USA hatte sie auch das Kind einer Bekannten als ihr eigenes ausgegeben, anscheinend um von finanziellen Vergünstigungen profitieren zu können. Auch ihr wahres Einkommen hatte sie verheimlicht, offenbar um eine Sozialwohnung behalten zu können. Während es zu Beginn hiess, die Frau hänge einzig von ihrem geringen Lohn im Hotel ab, fanden die Ermittler Zahlungen von mehreren tausend Dollar auf ihr Bankkonto aus Arizona, Georgia, New York und Pennsylvania. Damit konfrontiert, habe die Frau nicht gewusst, wie sie reagieren solle. Auch ihr Anwalt sei völlig überrascht gewesen.

Anruf ins Gefängnis

Neben Ungereimtheiten über die Zeit unmittelbar nach der angeblichen Vergewaltigung, war aber insbesondere ein Telefonanruf ein harter Schlag für die Glaubwürdigkeit des mutmasslichen Opfers. 28 Stunden nach dem Vorfall hatte das Zimmermädchen einen Freund in einer Haftanstalt in Arizona angerufen. Der Mann sass dort ein, weil sein Tauschhandel von gefälschten Designerkleidern aus New York gegen Marihuana aus den Südstaaten aufgeflogen war.

Gemäss der Quelle der «New York Times» wurde das Telefonat erst vor einer Woche aus dem seltenen Fulani-Dialekt übersetzt. Die Frau soll mit dem Inhaftierten darüber gesprochen haben, wie sie finanziell aus ihrer Situation Profit schlagen könnte. Sie soll ihm Dinge gesagt haben wie «Mach Dir keine Sorgen, der Typ hat viel Geld. Ich weiss, was ich tue.»

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