Macron verschiebt wegen heftiger Unwetter seine Regierungsrochade

In Südfrankreich sind bei Überschwemmungen zwölf Menschen gestorben. Zahlreiche Gemeinden mussten evakuiert werden.

Schwere Unwetter: Mindestens 13 Menschen haben ihr Leben verloren. (Video: AFP/Storyful/Tamedia)

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Bei heftigen Unwettern mit Überschwemmungen in Südfrankreich sind nach Angaben der Rettungskräfte mindestens 12 Menschen ums Leben gekommen. Das teilte die Präfektur des Départements Aude am Montagabend mit, das besonders betroffen war. Eine Person werde noch immer vermisst und acht Menschen seien schwer verletzt, so die Behörde. Zuvor hatte der Zivilschutz von 13 Toten gesprochen.

Im Département Aude gilt seit dem Morgen die «Alarmstufe rot». In den Gemeinden rund um den Hauptort Carcassonne hinterliessen die Wassermassen eine Spur der Verwüstung. In Carcassonne selbst starb eine Person, nachdem innerhalb von fünf Stunden zwischen 150 und 300 Millimeter Regen gefallen waren.

Am meisten Opfer waren am Montagabend in der Stadt Trèbes nahe bei Carcassonne zu beklagen. Dort starben gemäss Behördenangaben sieben Menschen, nachdem der Pegel der Aude innerhalb von fünf Stunden um acht Meter angestiegen war.

Im Dorf Villardonnel schoss das Hochwasser nach Angaben des Präfekten Alain Thirion durch ein Kloster und riss eine 88-jährige Nonne mit sich. Die Frau sei dabei ums Leben gekommen. Im 20 Kilometer entfernten Dorf Villalier starb eine weitere Person.

Unter den Einwohnern des schwer von den Überschwemmungen betroffenen Ortes Villegailhenc herrschte am Montag Verzweiflung. «Das Wasser steht in unserem Haus, das Wasser ist überall. Alles ist überschwemmt, überall im Dorf», sagte Hélène Ségura. Eine Brücke sei eingestürzt, überall seien Feuerwehrleute im Einsatz. Am Montagabend wurde bekannt, das in Villegailhenc zwei Menschen wegen der Überschwemmungen ihr Leben verloren.

Rettungskräfte im Dauereinsatz

Bilder aus der Region zeigen zerstörte Strassen und von den Wassermassen mitgerissene Autos. Die Rettungskräfte waren in der Nacht zum Montag im Dauereinsatz. Die Feuerwehr musste mehr als 250 Mal ausrücken. Die Regierung entsandte 600 Feuerwehrleute und Hubschrauber in die Region.

Sie sollen insbesondere die Rettungseinsätze entlang des Flusses Aude unterstützen, der nach dem Starkregen massiv über die Ufer getreten war. Nach Angaben des Hochwasser-Informationsdiensts Vigicrues hatte das Hochwasser im Tal des Flusses zuletzt 1891 eine solche Höhe erreicht.

Rund tausend Menschen wurden aus der Gegend um die Ortschaft Pezens in Sicherheit gebracht. Die Behörden fürchteten, dass ein nahe gelegener Damm den Wassermassen nachgeben könnte. Später wurden auch Teile der weiter östlich gelegenen Ortschaften Cuxas d'Aude und Coursan evakuiert.

Kabinettsumbildung verschoben

Präsident Emmanuel Macron sprach den Betroffenen das Mitgefühl «der gesamten Nation» aus. Macron dankte während einer Pressekonferenz mit dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In in Paris den Rettungskräften für ihre «beispielhafte» Arbeit.

Auch Premierminister Edouard Philippe reiste in die Region, um sich vor Ort ein Bild von der Lage zu machen. Er stellte den Betroffenen schnelle Hilfe in Aussicht. Die für Montag erwartete Kabinettsumbildung wurde wegen der Überschwemmungen verschoben, wie der Elysée-Palast mitteilte.

Im benachbarten Département Hérault gingen derweil bis Montagmittag starke Regenfälle nieder. Sie sorgten ebenfalls für Überschwemmungen.

Das Unwetter war die Folge des Zusammenstosses einer Front warmer und feuchter Luft aus dem Mittelmeer mit kälterer Luft aus dem französischen Zentralmassiv. Überschwemmungen trafen die gesamte Region zwischen den östlichen Pyrenäen und dem weiter nordöstlich gelegenen Département Aveyron.

(sep/fal/sda/afp)

Erstellt: 15.10.2018, 16:39 Uhr

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