Marco Hauensteins Mutter ist tot

Der 19-Jährige suchte verzweifelt nach seinen Eltern. Dabei kam es bei der Kantonspolizei Aargau zu einem leidvollen Fehler.

Marco Hauensteins Suche nach der Mutter ist zu Ende.

Marco Hauensteins Suche nach der Mutter ist zu Ende. Bild: Reto Oeschger

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die traurige Vermutung wird zur Realität: Die Mutter des 19-jährigen Marco Hauenstein ist tot. Die Kantonspolizei Aargau hat am Donnerstag gemeldet, dass ein im Jahr 2013 im süddeutschen Landkreis Waldshut gefundener Knochen zur gesuchten Gina Barbara Hauenstein gehört.

Marco Hauenstein hat Anfang Januar eine Suche auf Facebook gestartet. «Liebe Freunde, Bekannte und Mitmenschen. Ich heisse Marco Hauenstein, bin am 17. 6. 1997 in der Region Aargau/Zürich geboren. [. . .] Nach langjähriger Suche, ohne einen Erfolg zu erringen, richte ich mich nun an euch. Ich suche meine leiblichen Eltern/Grosseltern!» Der Post auf Facebook wurde knapp 8000-mal geteilt und 800-mal kommentiert. Marco Hauenstein wusste nicht viel über die Anfänge seines Lebens. Geboren ist er in Zürich. Ausserdem war ihm noch bekannt, dass er als Säugling einen mehrmonatigen Drogenentzug machen musste. Seine Mutter war süchtig. Über seinen Vater weiss er nichts. Nicht einmal dessen Namen kennt er. Seine Mutter aber galt bereits seit 2000 als vermisst. Aufgewachsen ist Marco Hauenstein in verschiedenen Pflegefamilien.

Grosses Medienecho

Die Suche stiess in den Medien auf ein riesiges Interesse. Nicht nur in der Schweiz, auch deutsche, französische und norwegische Fernsehstationen haben über die Geschichte des jungen Mannes berichtet. «Ich hätte niemals gedacht, dass es eine so grosse Welle geben wird», sagte Hauenstein damals. Der 19-Jährige hat alle Hinweise zusammen mit Freunden gesammelt und ging ihnen systematisch nach. Die Suche führte zu Erfolgen: Er fand seinen Onkel, seine Tante und seine Grossmutter. Und seit gestern weiss der 19-Jährige also, dass seine Mutter nicht mehr lebt.

Nachdem 2013 im Landkreis Waldshut ein menschlicher Oberschenkelknochen gefunden worden war, veranlasste die Kantonspolizei Aargau eine rechtsmedizinische Abklärung. Anfang 2015 ging die Rückmeldung ein, dass der Knochen der erwähnten vermissten Frau aus dem Kanton Aargau zugeordnet werden kann. Diese Information gelangte jedoch nie nach Deutschland, wie es der internationale Standard verlangt, und deshalb auch nicht zu den Angehörigen.

Informationen nie weitergeleitet

«Heute können wir nicht mehr nachverfolgen, weshalb diese Information vor zwei Jahren nicht aus dem Haus ging», sagte der Medienchef der Kantonspolizei Aargau, Roland Pfister. Man bedauere, dass die Weitergabe der Information von 2015 nicht korrekt erfolgte. «Ohne den Facebook-Aufruf und die Berichterstattung wären wohl noch mehrere Jahre vergangen, ohne dass sich in diesem Fall etwas getan hätte», so Pfister. Denn erst durch die Medienberichte machte die Kapo Aargau interne Abklärungen und merkte, dass die Resultate der Untersuchung nie den deutschen Kollegen weitergeleitet worden waren.

Mehr Details zum Knochenfund hat die Kapo Aargau nicht. «Wir haben die Informationen nun den Deutschen weitergeleitet, die werden die Ermittlungen wieder aufnehmen», sagt der Kapo-Sprecher. Die engsten Angehörigen von Gina Barbara Hauenstein wurden am Donnerstag persönlich durch die Kantonspolizei Aargau orientiert. «Das war uns wichtig», sagt Pfister. «Wir haben den Angehörigen auch den Kontakt zu den deutschen Behörden vermittelt.»

Erstellt: 02.02.2017, 17:12 Uhr

Artikel zum Thema

«Ich will einfach wissen, was vor 19 Jahren passiert ist»

Porträt Marco Hauenstein weiss weder, wo seine Mutter ist, noch, wer sein Vater ist. Nun sucht er seine Eltern via Facebook. Sein Schicksal berührt Tausende Menschen. Mehr...

Haben die Enkel trotz Adoption ein Anrecht auf unser Erbe?

Recht & Konsum Die Antwort auf eine Leserfrage zum Erbrecht. Mehr...

«Facebook macht viele süchtig und unzufrieden»

Interview Den Nutzern von Facebook gehe es danach oft schlechter, sagt Internetforscherin Sarah Diefenbach. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Kommentare

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Der Herbst ist da: Ein Mann entfernt in St. Petersburg Laub von seinem Auto. (23. Oktober 2019)
(Bild: Anton Vaganov) Mehr...