Zum Hauptinhalt springen

Marco Weber muss zwei Monate in U-Haft

Die in Russland festgenommenen Aktivisten wurden in Murmansk einzeln von Richtern verhört. Für mehrere von ihnen hat das Gericht angeordnet, die U-Haft zu verlängern.

Ein russisches Gericht hat angeordnet, die Untersuchungshaft für mehrere der 30 Greenpeace-Aktivisten zu verlängern. Der festgenommene Schweizer Aktivist Marco Weber muss für zwei Monate in Untersuchungshaft, wie Greenpeace auf Twitter mitteilte.

Zuvor hatte sich der Vater des Schweizer Greenpeace-Aktivisten in einem Videoaufruf an die Öffentlichkeit gewandt. «Marco und seine Freunde von Greenpeace setzen sich für eine grosse Sache ein: die Erhaltung unserer Lebensgrundlagen», so Webers Vater in dem Clip, den Greenpeace veröffentlichte. «Ich habe seit einer Woche nichts mehr von Marco gehört.» Weber ruft die Menschen dazu auf, den Greenpeace-Appell an die russische Regierung zu unterschreiben: die Aktivisten sollen freigelassen werden.

Untersuchungshaft für Aktivisten verlängert

Russland allerdings gibt sich hart: Nach Angaben von Greenpeace wurde für 22 der insgesamt 30 Umweltschützer die Verlängerung der zunächst 48-stündigen U-Haft bis zum 24. November angeordnet. Das Gericht in der nordrussischen Stadt Murmansk begründete die Entscheidungen mit Fluchtgefahr. Für den russischstämmigen Schweden Dmitri Litvinov wurde die U-Haft auf 72 Stunden festgesetzt. Zur Begründung hiess es der Nachrichtenagentur Interfax zufolge, er sei Vater eines kleinen Kindes.

Die Aktivisten wurden in sechs Gerichtsräumen in Murmansk einzeln von Richtern verhört. Greenpeace kritisierte die Aktion der Justiz als plumpen Einschüchterungsversuch.

Die 30 Aktivisten der Umweltorganisation wollten gegen Ölbohrungen der Konzerne Rosneft und ExxonMobil im Nordpolarmeer protestieren und auf das mögliche Risiko von Öllecks in der abgelegenen Region aufmerksam machen. Zwei von ihnen versuchten am Mittwoch vor einer Woche, auf eine Ölplattform der staatlichen Erdgas-Firma Gazprom zu klettern. Am Tag darauf stürmte die russische Küstenwache den Greenpeace-Eisbrecher Arctic Sunrise und überführte das Schiff samt Besatzung zum nächstgelegenen Hafen von Murmansk.

Piraterie-Verfahren eröffnet

Die Behörden eröffneten ein Verfahren wegen mutmasslicher Piraterie. In den Fall schaltete sich heute auch Kremlchef Wladimir Putin ein und erklärte, die Greenpeace-Aktivisten seien keine Piraten. Deren Verhaftung verteidigte der Präsident jedoch.

Greenpeace-Chef Kumi Naidoo äusserte sich in einer Stellungnahme empört über das Vorgehen der Justiz. Die «russischen Behörden versuchen, Leuten Angst einzujagen, die gegen die Ölindustrie in der Arktis aufstehen, aber diese plumpe Einschüchterung wird nicht gelingen», erklärte er.

Greenpeace geht gegen die Untersuchungshaft in Berufung. Das Vorgehen der Justiz sei ungesetzlich, sagte Greenpeace-Anwalt Anton Benislawski der Agentur Interfax zufolge in Moskau.

Erste Offshore-Anlage in der Arktis

Der Greenpeace-Eisbrecher Arctic Sunrise segelt unter niederländischer Flagge. Die Niederlande pochen auf sofortige Freilassung von Schiff und Besatzung sowie Aufklärung über die rechtliche Grundlage für das Vorgehen der russischen Justiz in dem Fall.

Die umstrittene Ölplattform gehört einem Tochterunternehmen des Staatskonzerns Gazprom und ist die erste Offshore-Förderanlage in der Arktis. Schon seit 2011 befindet sie sich im riesigen Ölfeld Priraslomnoje in der Petschorasee, doch ihre Inbetriebnahme hat sich wegen technischer Probleme bislang verzögert. Nach jüngsten Gazprom-Angaben soll die Ölförderung noch in diesem Jahr beginnen.

AP/bru

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch