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«Flammen verfolgten uns, wir sprangen ins Meer»

Am schwersten getroffen von den Waldbränden bei Athen ist der Küstenort Rafina. 26 Leichen entdeckten Retter an einem Hang. «Hölle», schreibt eine Zeitung.

Eine Frau betrachtet zerstörte Autos, während sie in der Ortschaft Mati nach ihrem Hund sucht. (24. Juli 2018)
Eine Frau betrachtet zerstörte Autos, während sie in der Ortschaft Mati nach ihrem Hund sucht. (24. Juli 2018)
Costas Baltas, Reuters
In ganzen Strassenzügen verbrannten Autos.
In ganzen Strassenzügen verbrannten Autos.
EPA/Pantelis Saitas, Keystone
Ein Feuerwehrmann versucht einen Brandherd zu löschen. (23. Juli 2018)
Ein Feuerwehrmann versucht einen Brandherd zu löschen. (23. Juli 2018)
Thanassis Stavrakis, Keystone
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Die Regierung spricht von einer «nationalen Tragödie», Polizei und Feuerwehr nennen es das «schlimmste mögliche Szenario». Selbst diese dramatischen Worte können das Grauen kaum fassen nach den verheerenden Waldbränden im dicht bewohnten Feriengebiet im Osten und Westen Athens.

Mindestens 50 Menschen kamen in den Flammen ums Leben, viele von ihnen verbrannten bei lebendigem Leibe. Und das ist nur eine vorläufige Bilanz - Dutzende Menschen wurden am Dienstagvormittag noch vermisst. Ein riesiges Gebiet von gut 40 Quadratkilometern wurde zerstört. Doch es gibt auch eine gute Nachricht: Die meisten Brände konnten am Dienstag unter Kontrolle gebracht werden.

Die schlimmsten Szenen müssen sich am Montag in der Region der Hafenstadt Rafina abgespielt haben, rund 25 Kilometer in gerader Linie östlich von Athen gelegen. Rettungsmannschaften entdeckten am Dienstagmorgen 26 Leichen an einem Steilhang. «Der Einsatzleiter weinte», berichtet ein Reporter vor Ort und beschreibt das ganze Drama: Die Opfer, darunter etliche Familien, hatten versucht, den Flammen zu entkommen und waren von ihren Häusern in Richtung Küste gerannt.

Video: «Die Flammen haben unsere Rücken verbrannt»

Wie die Betroffenen in Griechenland die Feuerkatastrophe erleben. Tamedia-Webvideo/Agenturen

Ein leitender Feuerwehrkommandant wandte sich über das Staatsfernsehen an die Bevölkerung: «Die Menschen sollten gehen, ihre Häuser schliessen und einfach gehen. Sie können nicht so viel Rauch während so vielen Stunden ertragen», sagte Achilleas Tzouvaras. «Das ist eine extreme Situation.»

In der Region Rafina wurde der Notstand ausgerufen. «Mati existiert nicht einmal mehr als Siedlung», sagte eine Frau im Gespräch mit dem griechischen Sender Skai TV. «Ich sah Leichen, ausgebrannte Autos. Ich bin froh, noch am Leben zu sein.»

Video: Verheerende Waldbrände in Griechenland

Betroffen sind Gebiete rund um Athen, dutzende Menschen verloren ihr Leben. Keystone

Waldbrände gibt es in Griechenland immer wieder im Sommer - sie gehören zum Alltag der Einsatzkräfte. Alle fragen sich, wie es zu der Tragödie kommen konnte. Der Zivilschutz hatte bereits am Sonntag vor grosser Waldbrandgefahr gewarnt. Es hatte fast zwei Wochen lang nicht geregnet. Überall lag vertrocknetes Gras herum. Es herrschten Temperaturen um die 39 Grad Celsius. Am Montag kam starker Wind hinzu. Zunächst brach ein Brand im Westen Athens aus. Ursache unbekannt, heisst es von der Feuerwehr. Mehrere Häuser wurden zerstört, Opfer gab es aber nicht. Um die Mittagszeit kam die Katastrophe: Neue Feuer entstanden im Osten Athens. Die bereits stark ausgelasteten Feuerwehrleute, die Löschflugzeuge und Helikopter mussten nun an zwei grossen Fronten kämpfen.

Tausende flüchten in Panik

Und die zweite Front - entlang der Ostküste Athens- ist ein riesiges Feriengebiet. Pinienwälder überall und mittendrin verstreut Tausende Ferienhäuser und Wohnungen. Viele Athener haben dort ihren zweiten Wohnsitz, wo sie mit ihren Familien den Sommer verbringen. Die Flammen fegen mit hoher Geschwindigkeit über das Gelände. Tausende Menschen flüchten in Panik.

Wer Glück hat, kann den Strand erreichen. Dort ist man sicher vor der Feuersbrunst. Viele gehen ins Wasser. Fischer holen sie am Dienstagmorgen aus den Fluten und aus schwer zugänglichen Küstenabschnitten.

«Zum Glück lag das Meer vor uns und wir sprangen hinein, denn die Flammen verfolgten uns bis zum Wasser. Wir erlitten Verbrennungen am Rücken, bevor wir ins Wasser tauchen konnten», erzählte Kostas Laganos der «BBC».

Der Bürgermeister der Hafenstadt Rafina, Vangelis Bournous, spricht am Dienstag im Rundfunk aus, was viele befürchten: Die Opferzahl könnte noch steigen. «Wir suchen von Haus zu Haus. Ich gehe von 60 Opfern aus», sagt er. Allein in seiner Region sollen mindestens 1200 Häuser zerstört sein.

Ganze Wohnviertel zerstört

Das Staatsfernsehen (ERT) zeigt am Dienstag das Ausmass der Katastrophe. Ganze Wohnviertel in den Ortschaften Mati, Nea Makri und Rafina mit völlig zerstörten oder schwer beschädigten Häusern. Hunderte verbrannte Autos, die ihre Besitzer auf der Flucht vor den Flammen mitten auf der Strasse abgestellt hatten. Verstörte und verletzte Tiere irren herum.

Ein schwacher Trost für die betroffenen Menschen: Die Regierung unter Ministerpräsident Alexis Tsipras will die Ursachen klären. Und die EU will den Menschen unter die Arme greifen. Mehrere Länder sagten die Entsendung von Löschflugzeugen zu. Am Dienstagabend und am Mittwoch wurde zudem Hilfe von oben erwartet: Laut Wetteramt sollte es stark regnen.

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