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Attentat in New Jersey: Spur führt zu den «Schwarzen Hebräern»

Nach der Schiesserei in einem jüdischen Supermarkt haben die Ermittler erste Hinweise zu den Tätern und Opfern.

Videoaufnahmen zeigen Spezialeinheiten in New Jersey. (Video: Tamedia)

Vor der Schiesserei bei New York mit insgesamt sechs Toten sollen die beiden Tatverdächtigen nach Ansicht der Behörden einen Mann umgebracht haben. Derweil verdichteten sich im Fall des Angriffs auf einen jüdischen Laden die Hinweise auf einen antisemitischen Hintergrund.

«Die verstorbenen Verdächtigen in diesem Fall sind unsere Hauptverdächtigen für die Tötung eines Uber-Fahrers in (der Stadt) Bayonne», sagte der Generalstaatsanwalt vom New Jersey, Gurbir Grewal, am Mittwoch. Am Wochenende war in der Stadt Bayonne im US-Bundesstaat New Jersey ein Fahrer des Fahrdienstvermittlers Uber tot aufgefunden worden. Medienberichten zufolge führten die Ermittlungen in dem Fall auf die Spur der beiden mutmasslichen Täter von Jersey City, die einen Polizisten und mehrere Menschen in dem jüdischen Geschäft erschossen haben sollen. Der Tatort liegt nur wenige Kilometer westlich von New York und wird von Manhattan durch den Hudson River getrennt.

Orthodoxe Juden bei der Beerdigung eines Todesopfers der Schiesserei in Jersey City. Bild: Eduardo Munoz Alvarez, AP/Keystone
Orthodoxe Juden bei der Beerdigung eines Todesopfers der Schiesserei in Jersey City. Bild: Eduardo Munoz Alvarez, AP/Keystone

Staatsanwalt Grewal wollte am Mittwoch zunächst nicht bestätigen, dass es sich bei dem offensichtlich gezielten Angriff auf das jüdische Geschäft tatsächlich um eine antisemitische Tat handelte. «Wir führen zusätzliche Ermittlungen aus, bevor wir irgendwelche Schlüsse über die Motivation und die Ideologie (der Verdächtigen) ziehen.»

Eine «unheimliche Person»

Mehrere US-Medien berichteten aber, dass die Ermittler die mutmasslichen Täter in Verbindung mit der Gruppe der teilweise antisemitischen «Schwarzen Hebräern» bringen. Ein Nachbar des Täters berichtete dem Fernsehsender NBC New York, wie sich dieser angeblich in eine «unheimliche Person» entwickelt habe nach deren Treffen. Vor einem Jahr habe er schliesslich aufgehört, seine Miete zu bezahlen. Nach Angaben von Strafverfölgungsbehörden wohnte er fortan zusammen mit der obdachlos gewordenen Mittäterin in dem Transporter, der später bei der Schiesserei zum Einsatz kam.

Laut dem TV-Sender war der Täter bereits dreimal mit Waffendelikten konfrontiert worden und verbrachte eine Zeit lang hinter Gitter. Der Bürgermeister von Jersey City, Steven Fulop, schrieb zudem auf Twitter, dass die «Schützen in Sozialen Medien eine positive Haltung gegenüber antisemitischen Gruppen» gezeigt hätten.

Die Verdächtigen, ein 47-jähriger Mann und eine 50-jährige Frau, hatten den behördlichen Angaben zufolge am Dienstag zunächst auf einem Friedhof in Jersey City einen Polizisten erschossen, der zum Mord an dem Uber-Fahrer ermittelt haben soll. Aufnahmen von Überwachungskameras zeigen, wie sie kurze Zeit später mit einem weissen Transporter direkt vor dem nahen jüdischen Geschäft, rund 1,6 Kilometer vom Friedhof entfernt, anhielten. Sie eröffneten den Behörden zufolge sofort das Feuer und gingen gezielt in den Lebensmittelladen.

Zwei Streifenpolizisten hätten die beiden mutmasslichen Täter in der Folge daran gehindert, den Laden zu verlassen und womöglich weitere Zivilisten anzugreifen. Es folgte ein schweres Feuergefecht, ein Grossaufgebot der Polizei rückte an. Nach dem Ende der Schusswechsel wurden im Laden die Leichen der beiden mutmasslichen Täter und von drei toten Zivilisten gefunden wurden. Bei den Opfern handelt es sich um die 33-jährige Frau des Ladenbesitzers, einen 49-jährigen Mitarbeiter sowie einen 24-jährigen Kunde. Die Polizei geht davon aus, dass die Unbeteiligten von den Verdächtigen erschossen wurden. Nach Angaben des Generalstaatsanwaltes wurde eine weitere Person angeschossen, konnte jedoch flüchten.

Rohrbombe im Fahrzeug parat

Staatsanwalt Grewal lobte die Beamten am Tatort. Ohne ihren Einsatz hätten noch viel mehr Menschen sterben können. Zudem bestätigte Bürgermeister Fulop, dass sich in dem Transporter eine einsatzbereite Rohrbombe befunden habe. Dies zeige den Willen der Verdächtigen, noch vielen weiteren Menschen zu schaden.

Man habe unter anderem «digitale und dokumentarische Evidenz» sichergestellt, welche nun nach Hinweisen für ein mögliches Tatmotiv untersucht würden, erklärte Grewal. Die New York Times berichtete am Mittwoch bereits von einer «manifestähnlichen» Notiz, die im Innern des weissen Transporters sichergestellt worden sei. Die Notiz soll einen religiösen Inhalt gehabt haben. «Ich mache dies, weil mein Erschaffer mich das tun lässt, und ich hasse, wen er hasst», so der Wortlaut gemäss NBC New York.

«In Jersey City gab es niemals Platz für Hass und Antisemitismus und es wird niemals Platz dafür bieten», twitterte Fulop. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu sprach im Namen des israelischen Volkes den Familien der Opfer sein Beileid aus. US-Präsident Donald Trump hatte die Schiesserei am Dienstag auf Twitter als «schrecklich» bezeichnet.

Fake-Spendenaufrufe für Hinterbliebene

Craig Carpenito, Staatsanwalt des Bundesstaates New Jersey, wies an einer Pressekonferenz zudem auf im Internet kursierende Spenden-Websites hin, die vorgaukelten, für die Hinterbliebenen der Opfer Geld Geld zu sammeln. Die Eigentümer dieser Websites würden das Geld in ihre eigene Tasche stecken, warnte Carpenito. «Ich finde keine Worte für dieses widerliche Verhalten», sagte er. Das FBI untersuche den Fall.

Der Generalstaatsanwalt Grewal kündigte für Donnerstagmittag (Ortszeit) eine weitere Pressekonferenz an.

SDA/chk/fal/sho

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