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«Meilenstein verlorener Zeit»

Vor zehn Jahren verschwand Maddie McCann spurlos. Die Polizei verfolgt eine neue Spur.

Madeleine McCann verschwand aus der Ferienwohnung. Foto: Keystone
Madeleine McCann verschwand aus der Ferienwohnung. Foto: Keystone

Dass der vom Brexit besessene «Daily Express», die streng konservative «Daily Mail» und der sehr linke «Daily Mirror» auf ihren Titelseiten exakt dasselbe Thema behandeln, ist ungefähr so wahrscheinlich wie ein April ohne Regen. Am Mittwoch aber waren sich die Blätter ausnahmsweise einig, was daran lag, dass es Neuig­keiten in der Lieblingsgeschichte der britischen Boulevardpresse gibt. Seit zehn Jahren berichten die Blätter auf der Insel ebenso eifrig wie regelmässig über den rätselhaften Fall von Madeleine McCann, die 2007 im Alter von fast vier Jahren aus einer Ferienanlage im Süden Portugals verschwand. Seither fehlt jede Spur von dem Mädchen.

In der kommenden Woche jährt sich der Tag des Verschwindens zum zehnten Mal. Aus diesem Anlass hat der Leiter des britischen Ermittlungsteams gesagt, die Fahndung gehe derzeit in eine konkrete Richtung. Was das genau bedeutet, mochte er nicht ausführen, doch man tappe nicht im Dunklen, sondern gehe einer Spur nach. Für die Eltern Kate und Gerry McCann bedeutet das neue Hoffnung – wie so oft in den letzten Jahren. Es ist nicht das erste Mal, dass die Polizei sich auf dem richtigen Weg wähnt.

Eltern waren beim Essen

Vor dreieinhalb Jahren hatten die Ermittler zwei Phantombilder eines Mannes veröffentlicht, mit dem sie dringend sprechen wollten. Sie glaubten, der Mann könne der Schlüssel zur Lösung des Falls sein. Scotland Yard bat seinerzeit europaweit um Unterstützung. Auch die ZDF-Sendung «Aktenzeichen XY . . . ungelöst» widmete sich dem Fall. Doch trotz zahlreicher Hinweise verlief die Spur im Sande.

Maddie ist seit dem 3. Mai 2007 verschwunden. Ihre Eltern hatten ihre Kinder – neben Madeleine die 18 Monate alten Zwillinge Sean und Amelie – in der Ferienwohnung in Praia da Luz an der Algarve zurückgelassen, um mit Freunden in einem wenige Hundert Meter entfernt liegenden Restaurant zu essen. Als Kate McCann eineinhalb Stunden später zurückkehrte, um nach den Kindern zu sehen, war Madeleine verschwunden.

Die portugiesische Polizei stellte ihre Ermittlungen im Jahr 2008 ergebnislos ein. Seither ­haben die McCanns nichts unversucht gelassen. Sie haben Privatdetektive angeheuert, bezahlt vom Erlös eines Buches über den Fall. Sie haben immer wieder an die Polizei appelliert, die Ermittlungen erneut aufzunehmen. Im Mai 2011 schrieb Gerry McCann in der Zeitung «The Sun» einen offenen Brief an den damaligen Premierminister. David Cameron ordnete daraufhin eine neue, weitreichende Fahndung an.

«Nie aufhören zu suchen»

Bis zu dreissig Beamte arbeiteten permanent an dem Fall, derzeit sind es noch vier. Soeben hat das Innenministerium 85'000 Pfund bereitgestellt, was heisst, dass weitere sechs Monate ermittelt werden kann. Insgesamt hat der Fall bisher 11 Millionen Pfund gekostet. Ob in sechs Monaten weiteres Geld bereitgestellt wird, hängt auch davon ab, was die aktuelle Ermittlung ergibt.

Die McCanns nannten den kommenden Jahrestag einen «schrecklichen Meilenstein verlorener Zeit». In einem Statement teilten sie mit, dass sie niemals aufhören würden, nach Madeleine zu suchen.

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