Menschenkette rettet ins Meer getriebene Familie

Roberta Ursreys Söhne wurden in Florida vom Brandungsstrom mitgerissen. Sie will helfen, gerät auch in Not. Dann organisieren 80 Helfer Aussergewöhnliches.

Spontane Hilfe vom Strand aus: Ein Augenzeugenvideo zeigt die Menschenkette am Panama City Beach in Florida. Video: Tamedia/Storyful

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Roberta Ursrey verbringt mit ihrer Familie einen Tag am Meer. Mit ihren Söhnen, Neffen, ihrer Mutter und ihrem Ehemann badet sie am Strand von Panama City Beach im US-Bundesstaat Florida. Als sie das Wasser verlassen will, merkt sie, dass ihre Söhne von der tückischen Strömung abgetrieben wurden – und versucht mit dem Rest der Familie, sie zu retten. Vergeblich, der Brandungsrückstrom treibt die ganze Familie ab. Der Lokalzeitung «News Herald» beschreibt Ursrey, wie sie ihre Söhne habe schreien hören. «Sie weinten, weil sie nicht zurück ans Ufer kamen.» Andere Strandbesucher hätten sie gewarnt, dass sie nicht zu den Kindern hinausschwimmen solle, die Rippsströmung sei zu gefährlich. Mit anderen Familienmitgliedern sei sie dennoch hinterhergeschwommen – und ebenfalls abgetrieben worden.

Zur selben Zeit sammelt Jessica Simmons am Strand Abfall. Sie findet auch ein herrenloses Surfboard, das sie für ihre Patenkinder aufheben will. Irgendwann realisiert sie, dass alle Menschen am Strand in dieselbe Richtung deuten. Ein Hai, denkt sie, und rennt zurück. Ihr Mann rennt bereits in Richtung der in Not geratenen Familie. «Da wusste ich, dass da jemand am Ertrinken ist», sagt sie später dem «News Herald».

Simmons legt sich aufs Surfboard und paddelt zu der Familie hinaus, während ihr Mann mit anderen anfängt, eine Menschenkette zu formen. Sie wächst auf über 90 Meter an, etwa 80 Menschen stehen mit verkeilten Armen im Wasser, darunter einige Nichtschwimmer, die trotzdem helfen wollen. Sie bilden den Anfang der Menschenkette in Ufernähe, weiter draussen stehen die Helfer bis zum Hals im Meer. Und die Simmons, beides gute Schwimmer, erreichen die neun ertrinkenden Menschen. Erst bringen sie die Kinder zu den 80 Helfern, die sie ans Ufer weiterreichen, dann die anderen Familienmitglieder.

«Gottes Engel»

Roberta Ursreys Mutter hatte ob all der Aufregung einen Herzinfarkt erlitten, musste wiederbelebt werden. Ursrey selbst erinnert sich nicht an die Rettung, nur daran, dass sie am Ufer wieder zu sich kam. «Ich hatte da draussen wirklich gedacht, ich würde meine ganze Familie verlieren, und es würde mein letzter Tag sein.» Für Jessica Simmons ist das Schönste an der Rettung, dass so viele Menschen spontan geholfen haben: «Es ist so cool, dass jedermann alles stehen und liegen lässt, um zu helfen, wenn jemand in Not geraten ist. Dass wir doch immer noch so viel Menschlichkeit besitzen.»

Roberta Ursrey sieht auch andere Kräfte am Werk: «Diese Menschen waren Gottes Engel, die zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren. Ich verdanke ihnen mein Leben und das meiner Familie.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.07.2017, 09:41 Uhr

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