Millionen für die Muttermilch

Die Stiftung des Zugers Göran Larsson zahlt der Uni Zürich eine Professur.

Edler Gönner: Die Stiftung Larsson-Rosenquist-Familienstiftung spendiert die Professur «Langzeitwirkung des Stillens». Bild: zvg

Edler Gönner: Die Stiftung Larsson-Rosenquist-Familienstiftung spendiert die Professur «Langzeitwirkung des Stillens». Bild: zvg

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Warum stillen Mütter, weshalb nicht? Und wie wirkt sich die Muttermilch auf die Entwicklung des Kindes aus? Fragen wie diese will die Universität Zürich in einem «einzigartigen Forschungsprogramm» untersuchen. Dass sie sich so intensiv mit der «Langzeitwirkung des Stillens» befasst, mag exotisch klingen, ist aber einfach erklärbar. Sie bekommt die neue Professur spendiert.

Wer der edle Gönner ist, verrät die Uni heute. Vieles deutet aber darauf hin, dass wieder die Zuger Larsson-Rosenquist-Familienstiftung um Präsident Göran Larsson damit zu tun hat. Schon 2015 überwies sie der Uni Zürich 20 Millionen Franken, um an der medizinischen Fakultät einen Lehrstuhl für Muttermilch zu schaffen – damals eine Weltneuheit. Inzwischen forschen unter anderem Wissenschaftler in Yale, Oxford oder in Westaustralien zur frühkindlichen Ernährung. Grosszügig unterstützt von Larssons Stiftung, deren Zweck es ist, «das Stillen und die Ernährung mit Muttermilch zu fördern». Bis zu 100 Millionen Franken will sie innert fünf Jahren dafür ausgeben, versprach sie kürzlich.

Über 600 Millionen Umsatz

Geld wohlgemerkt, das die Familie Larsson zuvor mit stillenden Müttern verdient hat. 1961, sechs Jahre nach Göran Larssons Geburt, hat sein aus Schweden eingewanderter Vater die Firma Medela gegründet. Diese brachte «Syster Majas Bröstpump» in die Schweiz: die erste Milchpumpe, die von einer Hebamme mitentwickelt wurde und deren Absaughaube nicht mehr die ganze Brust einsog. Fünf Jahrzehnte später ist Medela Weltmarktführer in diesem Bereich. Das Baarer Unternehmen beschäftigt über 1700 Angestellte weltweit und setzt über 600 Millionen Franken um. Tendenz steigend. Die Pumpen lassen sich heute per App kontrollieren und tragen Namen wie Sonata oder Swing. Göran Larsson arbeitete selber als Konstrukteur im Konzern, wo er als «wahrer Tüftler» galt. Daneben sitzt er im Vorstand der Zuger VCS-Sektion und kandidierte mehrmals auf der Liste der Grünliberalen fürs Stadtparlament.

2013 verschwand die Familie plötzlich von der «Bilanz»-Liste der reichsten Schweizer. Göran Larsson und sein Bruder hatten einen Erbverzichtsvertrag unterzeichnet. «Wir sagten uns, wir hätten auch so genug zum Leben», gaben sie später zu Protokoll. Die Firma Medela und grosse Teile des Familienvermögens landeten in der gemeinnützigen Larsson-Rosenquist-Foundation. Ebenjene Stiftung, die nun mit viel Geld den Segen der Muttermilch untersuchen lässt.

Als die Uni Zürich die ersten 20 Larsson-­Millionen entgegennahm, betonte Rektor Michael Hengartner, dass «die geldgebende Stiftung keinen Einfluss auf Professorenwahl und Forschungsobjekte» habe. Klar aber ist: Je besser wissenschaftlich erwiesen wird, wie nützlich Muttermilch ist, desto mehr wird gestillt. Und dann werden auch mehr Milchpumpen verkauft. Zum Beispiel von Medela.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.02.2018, 19:59 Uhr

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