Mit der Hitzewelle häufte sich die Zahl der Ertrunkenen

Drei Viertel der Opfer von Badeunfällen sind Männer. Nun soll eine schockierende Kampagne Betroffenheit auslösen.

Von 2016 bis 2018 ging die Zahl der Ertrunkenen laut den Statistiken der SLRG von 58 auf 37 deutlich zurück. Foto: Anthony Anex, Keystone

Von 2016 bis 2018 ging die Zahl der Ertrunkenen laut den Statistiken der SLRG von 58 auf 37 deutlich zurück. Foto: Anthony Anex, Keystone

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Das heisse Sommerwetter hat Ende Juni zu einer Häufung von tödlichen Badeunfällen geführt. Die aktuelle Präventions-Kampagne der SLRG richtet sich an junge Männer, den häufigsten Opfern von tödlichen Unfällen im Wasser.

Das letzte Todesopfer war ein bislang noch unidentifizierter Mann, der am Sonntagnachmittag in Freiburg bei einem Badeunfall in der Saane ums Leben kam. Gleichentags versuchte in Rheinau ZH ein Rentner seinen Hund aus dem Rhein zu retten und wird seither vermisst.

Im Standbad von Meilen am Zürichsee ertrank am 28. Juni eine 84-jährige Frau. Einen Tag zuvor starb eine 16-Jährige beim Baden in der Aare in Bern. Seit dem 26. Juni wird in Basel ein Mann vermisst, der bei der Dreirosenbrücke in den Rhein ging und sogleich unter Wasser geriet.

Am 10. Juni ist ein 60-jähriger Mann beim Reinigen des Rumpfes seines Bootes im Genfersee ertrunken. Eine Woche zuvor verlor ein 55-jähriger Kajakfahrer aus Deutschland auf dem Medelser Rhein im Bündner Oberland das Leben. Am 24. Mai wurde bei Villnachern AG ein vierjähriger Knabe tot aus der Aare geborgen. Gemäss Polizei dürfte er ertrunken sein.

«Schwierig, Zahlen weiter zu senken»

Offizielle Angaben zur Zahl der Personen, die im laufenden Jahr bisher bei Badeunfällen ums Leben kamen, gibt es nicht, wie Philipp Binaghi, Mediensprecher der Schweizerischen Lebensrettunsgesellschaft (SLRG), auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA erklärte.

In den Jahren 2016 bis 2018 ging die Zahl der Ertrunkenen laut den Statistiken der SLRG deutlich zurück, von 58 im Jahr 2016 auf 37 im Jahr 2018. Der Durchschnittswert über die letzten 10 Jahre war laut Binaghi relativ stabil und lag bei 44 Todesopfern pro Jahr. Obwohl die SLRG nach wie vor die «Vision 0» habe, sei es «schwierig, diese Zahlen noch weiter zu senken».

Mindestens drei von vier Ertrunkenen sind Männer, meist junge Männer zwischen 15 und 30 Jahren. Die jüngst lancierte, neuste Präventionskampagne der SLRG in Zusammenarbeit mit dem Versicherungskonzern Visana legt den Fokus denn auch auf diese am meisten gefährdete Personengruppe.

Kampagne will Betroffenheit auslösen

Die Online-Kampagne «Save your friends» mit verschiedenen Videos spricht aber nicht die Betroffenen einer Gruppe selbst an, sondern deren risikobewusstere, vernünftigere Freunde und Kolleginnen. Junge Männer überschätzen sich laut Binaghi oft, wollten Grenzen ausloten und der Gruppe imponieren. Ein warnendes Wort zur rechten Zeit von «Gschpänli» könne das Schlimmste verhindern.

Die häufigsten Ursachen, weshalb junge Männer ertrinken, sind das Zusammenbinden von Booten, das Springen in unbekannte Gewässer und das Baden unter dem Einfluss von Alkohol und anderen Drogen.

Schockieren und Betroffenheit bei der Generation Instagram auslösen ist das Ziel der Präventions-Kampagne. Eine Videoserie will bewusst schockieren und so für die nötige Aufmerksamkeit sorgen. Darüber hinaus sollen drei emotionale Augenzeugenberichte Betroffenheit bei der Zielgruppe auslösen.

«Ertrinken ist ein mehrstufiger Prozess», sagt Binaghi. Es sei am besten, diesen Prozess gleich zu Beginn zu unterbrechen. Mit der Botschaft der Kampagne wolle die SLRG die jungen Menschen diesem Lerneffekt aussetzen. (ij/sda)

Erstellt: 02.07.2019, 12:25 Uhr

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