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Mit einem blutigen Laken gegen das Patriarchat

Menstruation, Selbstbefriedigung und Verhütung: Catherine V Harry will in Kambodscha die Diskussion über veraltete Vorstellungen anstossen.

Zeit, Tabus zu brechen: Die Kambodschanerin Catherine V Harry will ihre Landsleute mit ihrem Blog sexuell aufklären. Screenshot: Facebook / A Dose of Cath
Zeit, Tabus zu brechen: Die Kambodschanerin Catherine V Harry will ihre Landsleute mit ihrem Blog sexuell aufklären. Screenshot: Facebook / A Dose of Cath

Was ist der Wert einer Frau? Diese Frage ist nicht nur theoretischer Bestandteil eines Seminars in Gender Studies. Sie ist auch eine reale Frage im Leben der jungen Catherine V Harry aus Kambodscha.

Harry, gerade mal 22-jährig, lebt in der Hauptstadt Phnom Penh und betreibt einen Blog, für den sie drei- bis vierminütige Videos produziert. Meistens drehen sich diese um die weibliche Sexualität, um Menstruation, Selbstbefriedigung, Verhütung, Abtreibung, Jungfräulichkeit – all das, was Frauen beschäftigt. Und all das, zu dem diese sich in einem traditionellen und tabubehafteten Land wie Kambodscha nicht zu äussern wagen.

Also bricht Harry diese Tabus, und zwar direkt und vor der Kamera, ohne verlegen zu lächeln oder beschämt die Haare aus dem Gesicht zu streichen. Sie ist sich ihrer Sache sicher. «Wird der Wert der Frau bestimmt durch ihre Jungfräulichkeit?», fragt sie etwa, und spricht damit eine zentrale Vorstellung an, die in ihrem Land herrscht. Hinter ihr hängt ein weisses Laken, das mit pinker Farbe beschmiert ist – Symbol für Menstruationsblut.

Macht die Jungfräulichkeit den Wert einer Frau aus? Quelle: «A Dose of Cath»/Facebook

Auf ihrem Facebook-Kanal «A Dose of Cath» folgen Harry über eine Million Leute. Wenig überraschend, dass sich viele mit diesem Aufklärungsunterricht nicht abfinden wollen und Harry beschimpfen, sie ruiniere die kambodschanische Kultur, sie verderbe die Frauen, sie entehre die Männer.

Recht auf Abtreibung

Aber eben: Es gibt auch die anderen. Denen Harry aus dem Herzen spricht, die sich von ihr bestärkt fühlen und ja, auch Neues erfahren. Etwa, dass sie ein Recht auf Abtreibung haben. In Kambodscha gehören Teenager-Schwangerschaften nach wie vor zu einem der grössten Probleme.

Harry sagte im «Guardian», es sei Zeit, endlich über solche Themen in der Öffentlichkeit zu sprechen. Facebook sei als Ort dafür geeignet, weil es den jungen Menschen leichter falle, offen zu sein und ohne Scham Fragen zu stellen. Es bleibt im privaten geschützten Raum, weil die jungen Frauen die Videos bei sich im Schlafzimmer anschauen könnten.

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