Mord an Journalistin: Geschäftsmann auf Flucht verhaftet

Im Fall der auf Malta ermordeten Journalistin Daphne Caruana Galizia wurde ein Verdächtiger beim Verlassen des Hafens Portomaso auf dessen Luxusjacht festgenommen.

Wurde von einer maritimen Eingreiftruppe am Verlassen der Insel gehindert: Yorgen Fenech. Bild: Reuters

Wurde von einer maritimen Eingreiftruppe am Verlassen der Insel gehindert: Yorgen Fenech. Bild: Reuters

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

In Malta ist Yorgen Fenech, ein prominenter Geschäftsmann, im Zusammenhang mit der Ermordung der Journalistin Daphne Caruana Galizia vor zwei Jahren festgenommen worden.

Seine Luxusjacht sei am Mittwochmorgen von den maltesischen Streitkräften vor der Küste gestoppt worden, nachdem sie bereits aus der Marina von Portomaso ausgelaufen war, berichtete die «Times of Malta».

Die Festnahme wurde der Nachrichtenagentur DPA aus Ermittlerkreisen bestätigt. Videos zeigten, wie Sicherheitskräfte die Jacht durchsuchten, nachdem sie in den Hafen zurückgebracht worden war.

Zeugen berichteten, dass die Luxusjacht «Gio» kurz nach dem Verlassen des Hafens gegen 5.30 Uhr von einem Patrouillenboot der maltesischen Streitkräfte (AFM) abgefangen wurde.

Daten von der Website vesselfinder.com, eine Seite, die in Echtzeit anzeigt, wo Schiffe kreuzen, zeigen, dass die Jacht innerhalb einer Stunde nach dem Ablegen wieder an Land war.

Caruana Galizia, eine regierungskritische Bloggerin, war am 16. Oktober 2017 nahe ihrem Haus in Bidnija in ihrem Auto in die Luft gesprengt worden. Die damals 53-Jährige hatte unter anderem über Korruption bei Regierung und Geschäftsmännern auf Malta und deren Verwicklung in den Skandal um die «Panama Papers» recherchiert. Drei Männer wurden festgenommen und angeklagt. Sie sollen den Sprengsatz gebaut und gezündet haben. Wer hinter ihnen steckte, ist bislang unbekannt.

Geheime Offshore-Gesellschaft

Premierminister Joseph Muscat sagte am Mittwoch, dass eine «Person von Interesse» festgenommen worden sei. Er könne aber nicht offiziell den Grund der Festnahme bestätigen. Der Festgenommene ist laut Zeitungsbericht Direktor eines Konsortiums, das 2013 von der Regierung einen Auftrag erhalten hatte, ein Gaskraftwerk zu bauen.

2018 kam heraus, dass ihm auch eine geheime Offshore-Gesellschaft namens «17 Black» gehörte. Diese soll enge Verbindungen zum heutigen Tourismusminister Konrad Mizzi und zu Muscats Stabschef Keith Schembri gehabt haben. Beide hatten bestritten, Geld von dieser Gesellschaft kassiert zu haben.

Caruana Galizia hatte Monate vor ihrem Tod über «17 Black» geschrieben. «Es ist Zeit, dass Mizzi und Schembri zurücktreten und unter Beobachtung gestellt werden», schrieb ihr Sohn Andrew am Mittwoch auf Twitter. Muscat sagte, es gebe «gegenwärtig» keine Anhaltspunkte, dass Schembri und Mizzi in den Fall Caruana Galizia verwickelt sein könnten.

Erst am Dienstag hatte Premierminister Muscat die Festnahme eines möglichen Mittelsmannes im Fall Caruana Galizia bestätigt. Dieser war schon Ende voriger Woche unter anderem wegen Geldwäschevorwürfen gefasst worden. Muscat stellte dem Mann am Dienstag Straffreiheit in Aussicht, falls er mit der Justiz zusammenarbeite und Informationen liefere, die zu den Auftraggebern des Mordes führten. (nag/sda)

Erstellt: 20.11.2019, 11:22 Uhr

Artikel zum Thema

Unabhängige Untersuchung nach Journalistenmord auf Malta

Zwei Jahre nach dem Bombenanschlag auf Daphne Caruana Galizia hat Maltas Regierungschef eine unabhängige Untersuchung angeordnet. Der Europarat begrüsste den Schritt. Mehr...

Sie spotten über die ermordete Journalistin

Die Hintermänner des Anschlags auf Daphne Caruana Galizia sind noch immer nicht gefunden. Die Entourage des maltesischen Regierungschefs verhöhnt derweil Opfer und Angehörige. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Feuerschweif: Eine Spezialeinheit demonstriert am Indian Navy Day in Mumbai ihr Können. (4. Dezember 2019)
(Bild: Francis Mascarenhas) Mehr...