Namen von HIV-Patienten veröffentlicht

In Singapur wurden die persönlichen Daten von mehr als 14'000 HIV-infizierten Patienten online gestellt.

Die Bewohner Singapurs müssen erneut mit Datenleck leben. Foto: Reuters

Die Bewohner Singapurs müssen erneut mit Datenleck leben. Foto: Reuters

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Einer der Betroffenen nennt sich Jay, es ist nicht sein richtiger Name, aber er wollte doch erzählen, was das alles jetzt für ihn bedeutet. Dass er sich vor einigen Jahren mit dem HI-Virus infiziert hat, ist für den jungen Mann «definitiv eine sehr private Angelegenheit», wie er anonym einer Reporterin der singapurischen «Straits Times» anvertraute. Das Blatt berichtete auf drei Seiten, was den Stadtstaat im Moment sehr bewegt: Durch ein Datenleck sind streng vertrauliche Patienteninformationen an die Öffentlichkeit gelangt.

Die Affäre wühlt viele Bürger auf, die sich um die Sicherheit ihrer Daten sorgen. Singapur treibt eine umfassende Digitalisierung in allen Lebensbereichen voran und möchte sich damit als innovative «Smart City» profilieren; Cybersecurity gewinnt damit für alle Bürger eine immer grössere Bedeutung. Und wenn es zu Pannen kommt, schürt das Ängste, vor allem in diesem Fall, weil die Daten so sensibel sind.

Wie die Regierung bekannt gab, sind vertrauliche Informationen von 14 200 HIV-Patienten, die in Singapur erfasst wurden, ins Internet gelangt. Namen, Adressen, Telefonnummern. Unter den Betroffenen seien auch 8800 Ausländer. Singapur erhebt schwere Vorwürfe gegen einen US-Arzt, der die Daten gestohlen und online gestellt haben soll.

Als Jay von dem Datenleck erfuhr, habe er sofort an seine 60-jährige Mutter gedacht, sagte er. Wie würde das wohl sein, wenn Freunde und Verwandte sie nun damit konfrontierten? Nur einem einzigen engen Freund habe er sich je anvertraut. Wie viele HIV-Patienten fürchtet er das Stigma und dass seine Familie ausgegrenzt werden könnte, wenn seine Infektion bekannt wird.

Es ist nicht das erste Mal, dass im Stadtstaat vertrauliche Daten aus dem Gesundheitsapparat gestohlen wurden. Im Sommer 2018 gelangten Hacker an Informationen von 1,5 Millionen Singapurern, die Kliniken besucht hatten. Laut Regierung enthielten die gestohlenen Informationen zwar keine Diagnosen, aber doch Hinweise auf verschriebene Medikamente in 160 000 Fällen. Angeblich hatten es die Täter auch gezielt auf Daten des Premiers Lee Hsien Loong abgesehen, der wegen Krebs in Behandlung war.

Verdächtigter ausser Landes

Die Spuren des Lecks von HIV-Daten führen nach Angaben der Regierung zu einem 33-jährigen Arzt aus den USA und dessen ­Lebenspartner, einem hochrangigen singapurischen Gesundheitsbeamten. Das Paar verbrachte mehrere Jahre in Singapur. Laut Channel News Asia haben die beiden 2014 in New York geheiratet. Die singapurischen Behörden werfen dem US-Arzt nun vor, er sei über seinen Partner, der zeitweilig die nationale Gesundheitsbehörde geleitet habe, an vertrauliche HIV-Daten gelangt und habe sie nun veröffentlicht. Über ein mögliches Motiv wurde zunächst nichts bekannt. Der US-Mediziner befindet sich nicht mehr im Land, er war 2018 abgeschoben worden, nachdem er eine Haftstrafe wegen Betrug und Drogendelikten abgesessen hatte.

Im Prozess wurde damals ermittelt, dass der US-Amerikaner eine falsche Blutprobe für einen medizinischen Test abgegeben hatte, weil er fürchtete, dass er ansonsten keine Arbeitsgenehmigung erhalten würde. In Singapur kann der Staat von Ausländern einen solchen HIV-Nachweis verlangen, wenn sie eine Arbeitserlaubnis beantragen. Wer sich als Ausländer mit HIV infiziert hat, ist im Staat Singapur unerwünscht.

Erstellt: 30.01.2019, 06:28 Uhr

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