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New Yorks Kampf mit den Nackten

Bei Touristen sind die bis auf einen Tanga nackten «Strassenkünstlerinnen» auf dem Times Square beliebt – nicht so beim Bürgermeister.

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Go Topless Day in New York: Eine Demonstrantin kämpft für ihr Recht. (23. August 2015)
Go Topless Day in New York: Eine Demonstrantin kämpft für ihr Recht. (23. August 2015)
Justin Lane, Keystone
Fast nur mit Farbe bekleidet: Frauen und Männer während des Umzugs. (23. August 2015)
Fast nur mit Farbe bekleidet: Frauen und Männer während des Umzugs. (23. August 2015)
Justin Lane, Keystone
Halbnackte Männer unterstützen halbnackte Frauen. (23. August 2015)
Halbnackte Männer unterstützen halbnackte Frauen. (23. August 2015)
Kevin Hagen, Keystone
Lassen sich zuerst anmalen, um danach mit Touristen zu posieren: «Strassenkünstlerinnen» auf dem Times Square. (19. August 2015)
Lassen sich zuerst anmalen, um danach mit Touristen zu posieren: «Strassenkünstlerinnen» auf dem Times Square. (19. August 2015)
Jason Szenes, Keystone
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Sie sind bis auf einen Tanga und etwas Körperfarbe nackt und posieren gegen Bares mit Touristen. Bei den Besuchern des Times Square sind die «Strassenkünstlerinnen», wie sie sich nennen, mit den patriotischen Stars und Stripes auf dem Busen und den charakteristischen Buchstaben N und Y auf den Pobacken beliebt.

Weniger dagegen bei New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo: Nach Dauerklagen in der Presse über den Verfall von Anstand und Moral sowie über illegale, aggressive Betteleien will Cuomo die spärlich bemalten Mädchen von dem berühmten Platz verbannen.

«Ich glaube, dass es illegal ist, ich glaube, wir können da mithilfe des Gesetzes aufräumen – und das werden wir auch tun», sagte der Demokrat dem Fernsehsender NY1. «Dies erinnert mich an den schlimmen alten Times Square.» Cuomo fürchtet um den Ruf der Stadt, schliesslich war der Times Square in den 70er und 80er Jahren mit seinen Zuhältern, Prostituierten und Drogendealern ein Symbol des urbanen Verfalls.

Dutzende Frauen und Männer haben in New York und rund 60 Städten in aller Welt oben ohne den sogenannten Go Topless Day zelebriert. In Manhattan nutzten etliche barbusige Frauen eine alljährlich veranstaltete Parade, um sich gegen Kritik an Frauen zu stellen, die auf dem Times Square leichtbekleidet und gegen Geld für Touristen-Fotos posieren.

Bürgermeister will keine nackten Brüste mehr

Seither investierten die Behörden viel Steuergeld, um die Theaterszene wiederzubeleben und den Platz aufzuwerten – inzwischen gilt er als eine der grössten Touristenattraktionen der Stadt. Auch Bürgermeister Bill de Blasio will nun das Oben-Ohne-Posieren unterbinden: «Es ist einfach nicht gut», stimmte er seinem Parteifreund Cuomo zu. «Wir werden uns dem in einer sehr offensiven Weise widmen.»

Die ganze Aufregung scheint jetzt schon Wirkung zu zeigen: Boten sich bisher meist mehr als ein Dutzend nackter Frauen zum Posieren an, kommen heute nur noch die Hartgesottenen. An einem Augustnachmittag ist trotz des schwülen Klimas nur eine Handvoll leicht-bekleideter Mädchen zu sehen. «Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung», sagt eine von ihnen, Saira Nicole. «Der Bürgermeister soll nur versuchen, uns loszuwerden».

Ihre Kollegin Angel argumentiert feministisch: «Wir haben Spass, wir sind Entertainer. Die Leute lieben uns. Der Körper einer Frau darf nicht allein auf Sex reduziert werden, das sollten auch die Kinder begreifen».

Bikini mit Star- and Stripes

Die Unternehmervereinigung Times Square Alliance berichtet dagegen von zahlreichen Beschwerden über aufdringliche Kostümierte – darunter auch viele der Darsteller von Comicfiguren. Nach einer Umfrage waren 45 Prozent der am Times Square Beschäftigten schon Zeuge oder Opfer von besonders fordernden Strassen-«Entertainern».

Der berühmteste Nackte vom Times Square – der Naked Cowboy – nimmt die Kontroverse mit Humor: Seit 16 Jahren steht Robert Burck bei jedem Wetter in Stiefeln, weisser Unterhose und Cowboy-Hut auf dem Platz und spielt Gitarre, jetzt hat er sich zum Zeichen seiner Missbilligung der barbusigen Konkurrenz ein Bikini-Oberteil mit Stars- and Stripes übergezogen. «Ich versuche ihnen allen, Manieren beizubringen», witzelt Burck.

Im Gegensatz zu manchen Kollegen warte er grundsätzlich, bis die Leute auf ihn zukommen, betont der 44-jährige Strassenmusiker. Er findet es problematisch, von Nackten am Arm gefasst zu werden: «Ich denke, sie haben mit der aggressiven Bettelei eine Grenze überschritten» sagt er. «Man kann ja durchaus ein bisschen frech sein, aber es sollte im Rahmen bleiben. Schliesslich will man ja nicht alle gegen sich aufbringen und sich zum Idioten machen.»

Rechtlich können die Behörden nicht viel ausrichten. In New York ist es legal, oben ohne herumzulaufen. Das Recht, sich zu kostümieren, ist in der Verfassung verankert, und auch das Betteln auf der Strasse ist erlaubt – nur aggressiv darf es nicht sein. Das Boulevardblatt «Daily News», das die barbusigen Frauen am liebsten vom Times Square schmeissen würde, kam deshalb auf eine einmalige Idee: Der berühmte Platz zwischen Wolkenkratzern und Leuchtreklamen, so schlug es vor, sollte einfach als Park eingestuft werden. Da wäre Betteln verboten.

(AFP/AP)

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